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Beitrag von Martin Wehrle aus managerSeminare 320, November 2024
Typisches Bild in einem Meeting: Einige wenige Teammitglieder dominieren das Geschehen. Sie ergreifen bei jeder Gelegenheit das Wort. Sobald eine Frage im Raum steht, geben sie Antwort. Auf der einen Seite läuft ein solches Meeting gut, denn es kommen Lösungen heraus oder werden zumindest diskutiert. Auf der anderen Seite bringen sich so nur die Schnellsten und Redefreudigsten ein, aber nicht unbedingt die Kompetentesten.
Denn oft handelt es sich bei den weniger Aktiven um introvertierte Menschen, die ungern vor Gruppen sprechen. Eine Wortmeldung kann sich für sie anfühlen, als würden sie sich in den Vordergrund drängen. Und solche „stillen Wasser“ sind meist eben nicht nur sprichwörtlich tief: Häufig verfügen sie über tiefes Wissen und stellen gute Überlegungen an. Doch wie lassen sich ihr Know-how und ihre Gedanken im Meeting bergen? Wie kann man als Teamleiterin oder Teamleiter introvertierte Teammitglieder dazu bringen, sich einzubringen, ohne sie zu bedrängen?
Eine Methode aus dem Gruppencoaching kann weiterhelfen: das „Blitzlicht“. Wie der Name schon sagt, wirft dabei jedes Gruppenmitglied ein kurzes Licht auf eine konstruktive Frage, um die es im Meeting geht, etwa: „Wie schaffen wir es, den Preis zu erhöhen, ohne Bestandskunden zu verlieren?“ Ein Teammitglied fängt an, und danach wandert das Wort zum Beispiel im Uhrzeigersinn um den Tisch. Bevor es losgeht, sollte noch eine kurze Begründung geliefert werden wie: „Mir ist es wichtig, dass wir die Erfahrung des gesamten Teams nutzen.“ Klingt vielleicht banal, Studien haben jedoch vielfach gezeigt, dass Menschen sich bereitwilliger auf etwas einlassen und motivierter bei der Sache sind, wenn man ihnen einen Grund nennt – mag dieser auch noch so offensichtlich sein.
Bei der Anwendung bestehen zwei Risiken, wie die Praxis zeigt. Erstens kann es passieren, dass die Gesprächigen wieder sehr viel reden, während die Zurückhaltenden nur wenige Sätze sagen. Und zweitens neigen die Lauteren dazu, die Vorschläge der Leisen sofort zu kommentieren, abzuwandeln und sich zu eigen zu machen. Zwei einfache Maßnahmen schaffen Abhilfe. Erstens: die Sprechzeit genau festzulegen, zum Beispiel eine Minute pro Teammitglied. Spielerisch lässt sich das mit einer Sanduhr kontrollieren. Zweitens: die Regel vereinbaren, dass immer nur ein Teammitglied redet und niemand in dessen „Gesprächsraum“ hineingrätscht.
Zudem empfiehlt es sich, vorab auf die möglichen heimlichen Sorgen der Viel- und der Wenig-Redenden im Team einzugehen. Die Stillen fragen sich vielleicht: „Was, wenn ich schon viel schneller fertig bin?“ Und die Redefreudigen fragen sich: „Was, wenn ich nach einer Minute etwas Wichtiges noch nicht gesagt habe?“ Bewährt hat sich eine Spielregel wie: „Wer schon früher fertig ist, dem stelle ich noch ein paar Rückfragen. Dann könnt ihr eure Gedanken vertiefen. Und wer nach einer Minute noch etwas Wichtiges zu sagen hat, kann es auf eine der Moderationskarten schreiben, die ich euch gleich austeile. So stellen wir sicher, dass kein wichtiger Gedanke verloren geht.“
Hilfreich ist es, die Gesprächigeren beim Reden an die Redezeit zu erinnern. Zum Beispiel: „Jetzt sind etwa 30 Sekunden um.“ Ich staune immer wieder, wie eigentlich ausführliche Rednerinnen und Redner auf den Punkt kommen, wenn sie dieses zeitliche Korsett umfängt. Mindestens ebenso erstaunlich ist, was die Schweigsameren alles zu sagen haben, sobald sie durch ein Blitzlicht und gescheite Rückfragen dazu eingeladen werden.
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