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Beitrag von Carsten Meier, Gregor Kalchthaler, Nina Meier-Hahasvili aus managerSeminare 337, April 2026
Verbreiteter Vibeshift: Weshalb das „Wie“ der Arbeit aktuell in den Hintergrund geraten ist
Reale Verhältnisse: Weshalb die Arbeitsflexibilisierung dennoch nicht mehr wegzudenken ist
Hilfreiche Haltung: Was den Ansatz des Work Life Remix ausmacht
Fünf Regler: Welche Dimensionen für die Arbeitsflexibilisierung zu berücksichtigen sind
Vier Bühnen: Vier Strategien für den richtigen Mix von Arbeitsmodellen
Hier geht es zur gesamten Ausgabe managerSeminare 337
„Wir müssen in diesem Land wieder mehr und vor allem effizienter arbeiten“, forderte der Bundeskanzler beim CDU-Wirtschaftstag im Mai 2025. „Mit Vier-Tage-Woche und Work-Life-Balance werden wir den Wohlstand dieses Landes nicht erhalten können.“ Dem folgte kürzlich der Antrag der Mittelstands- und Wirtschaftsunion: „Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit“ war sein ursprünglicher Titel. Der Begriff polarisiert auf Knopfdruck. „Lifestyle-Teilzeit“ – die einen sehen darin eine überfällige Klarstellung, die anderen einen Affront gegen die Lebensrealität von Millionen Beschäftigten. Die Teilzeitquote in Deutschland liegt mittlerweile bei über 40 Prozent, doch sie als Symptom dafür zu deuten, dass Fun und Faulheit regieren, greift zu kurz. Die hohe Quote ist auch Ausdruck von Verhältnissen, die es Beschäftigten schwer machen, Vollzeit zu arbeiten. Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung z.B. würden 43 Prozent der Teilzeit arbeitenden Eltern gerne mehr arbeiten, wenn Betreuungsangebote verlässlicher wären.
Aber um Fakten geht es in der Debatte um Arbeit weniger. Es geht vielmehr um etwas Größeres, nämlich um die Frage, wie wir in unserem Land über Arbeit und Leben denken. Und hier drehen wir uns seit 200 Jahren im Kreis: Immer wieder erklärt irgendjemand, dass irgendjemand bei uns zu wenig arbeitet. Mal sind es junge Leute, mal Eltern, mal Rentner. Dabei wird übersehen, dass es wenig bringt, über die Menge geleisteter Stunden nachzudenken. Der Vibeshift, den viele Unternehmen gerade vollziehen, indem sie zusammen mit dem Bundeskanzler wieder lauter auf Leistung pochen und dabei Arbeitskulturthemen zurückstellen, übergeht: Sehr viel sinnvoller, als über Quantitäten zu reden, ist es, sich Gedanken darüber zu machen, wie wir arbeiten wollen, also: Wo, wann, mit wem und auf welche Weise Arbeit so stattfinden kann, dass sie effizient und produktiv ist. Entscheidend ist die Überlegung, wie wir Arbeit so organisieren können, dass sie es erlaubt, Arbeit und sonstiges Leben in guten Bezug zueinander zu bringen, damit wir motiviert, zufrieden und kraftvoll arbeiten können, mit guten Ergebnissen und einem Output also, der zum Wohlstand dieses Landes beiträgt.
Diese Fragen, die bereits die New-Work-Bewegung aufgegriffen hat, sind mit dem Verkommen von „New Work“ zum Buzzword und mit dem erklärten Ende der Bewegung keinesfalls verschwunden, im Gegenteil: Die Transformation unserer Gesellschaft ist nicht aufzuhalten, und wenn Menschen heute gleichberechtigt berufstätig sind, dabei Kitas bei Engpässen keine ausreichende Betreuung gewährleisten können, Züge unregelmäßig fahren, Eltern von uns gepflegt werden und wir wochentags um 11:00 zwei Stunden beim Arzt sitzen, bis wir aufgerufen werden, dann brauchen wir Alternativen zum Nine-to-Five-Job vor Ort. Kurz: Arbeit ist heute anders und flexibel zu regeln, und zwar adaptiv an die Bedürfnisse und Lebensrealitäten der Mitarbeitenden angepasst. Dabei ist Teilzeit eine Variante – und zugleich nur eine Variante von zahlreichen Möglichkeiten.