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Digitale Auszeit
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Smartphone-Detox verbessert Wohlbefinden und Konzentration

Für viele Menschen ist das Smartphone ein ständiger Begleiter im Alltag. Es dient als Kommunikationsmittel, Informationsquelle, Organisationshilfe und Unterhaltungsmedium zugleich – und ist damit kaum noch wegzudenken. Doch was geschieht, wenn dieses digitale Multitalent plötzlich nur noch eingeschränkt zur Verfügung steht oder zeitweise komplett aus dem Alltag verschwindet? Welche Folgen hat ein solcher Verzicht für die mentale Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Nutzerinnen und Nutzer? Mit diesen Fragen haben sich eine nordamerikanische Forschungsgruppe von der University of Alberta sowie der Österreichische Rundfunk (ORF) in zwei experimentellen Studien beschäftigt.

Der (teilweise) Verzicht auf das Smartphone wirkt sich laut zwei experimentellen Studien positiv auf die mentale Gesundheit und Leistungsfähigkeit aus.

Светлана Воротняк – stock.adobe.com

An der Studie der University of Alberta nahmen 467 Personen teil, die auf ihrem Smartphone eine App installierten, die für zwei Wochen den mobilen Internetzugang vollständig sperrte. In diesem Zeitraum waren Messenger-Dienste wie Whatsapp, soziale Netzwerke wie Instagram oder Linkedin sowie andere internetbasierte Apps nicht nutzbar. Den Teilnehmenden blieben lediglich klassische Funktionen wie Telefonie und SMS. Mithilfe von Fragebögen erhoben die Forschenden zu Beginn, während und nach dem Experiment Daten zur mentalen Gesundheit und zum subjektiven Wohlbefinden der Teilnehmenden. Der Verzicht auf mobiles Internet stellte sich insgesamt als große Herausforderung heraus: Mehr als drei Viertel der Teilnehmenden (348 Personen) schummelten oder brachen das Experiment vorzeitig ab. Allerdings zeigten sich bei den meisten der 119 Personen, die die zwei Wochen durchhielten, positive Effekte: So bewerteten nach Abschluss der internetfreien Phase 71 Prozent ihre mentale Gesundheit besser als zuvor. Auch das subjektive Wohlbefinden (73 Prozent) sowie die Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit (59 Prozent) schätzte die Mehrheit als deutlich verbessert ein. Die Forschenden führen dies vor allem auf Veränderungen im Freizeitverhalten zurück: „Während der internetfreien Phase haben die Teilnehmenden mehr Zeit offline verbracht, etwa mit Hobbys wie Lesen, Musizieren oder Zeichnen, persönlichen Begegnungen oder Aktivitäten im Freien“, erläutert Adrian Ward von der University of Alberta. „Dadurch ist das Gefühl gewachsen, den eigenen Alltag bewusster zu gestalten, und die Fähigkeit, sich auf bestimmte Tätigkeiten zu konzentrieren, ist gefördert worden.“

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Aktiver und glücklicher ohne Smartphone

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt der ORF in seiner Studie. In dieser sollten 69 Schülerinnen und Schüler aus der Oberstufe eines Gymnasiums in Niederösterreich drei Wochen lang vollständig auf ihr Smartphone verzichten. Während des Experiments wurden sie in regelmäßigen Abständen befragt, hielten ihre Erfahrungen in Offline-Tagebüchern fest und dokumentierten ihr Erleben in Videos. 21 Teilnehmende brachen das Experiment vorzeitig ab. Bei denjenigen, die durchhielten, zeigte sich auch hier eine Verbesserung der mentalen Gesundheit: Ihr Wohlbefinden stieg im Durchschnitt um mehr als 30 Prozent an. Zudem wurden viele im Alltag aktiver: Rund ein Drittel der Schülerinnen und Schüler gab an, neue Beschäftigungen für sich entdeckt zu haben. Einige von ihnen waren am Ende sogar traurig, dass das Experiment vorbei war, und hielten in ihren Tagebüchern die Erkenntnis fest, dass sie „ohne Smartphone glücklicher sind“.

Während der internetfreien Phase haben die Teilnehmenden mehr Zeit offline verbracht. Dadurch ist das Gefühl gewachsen, den eigenen Alltag bewusster zu gestalten. Adrian Ward, Professor, University of Alberta

Anders als bei der Studie der University of Alberta zeigte sich jedoch, dass der Verzicht auf das Smartphone für viele zu Beginn des Experiments sehr belastend war und teils starke Entzugserscheinungen hervorrief. 29 Prozent der Schülerinnen und Schüler berichteten, in der ersten Woche unter Symptomen wie Kopfschmerzen, Unruhe, Schlaflosigkeit, Gereiztheit, Antriebslosigkeit und Phantomklingeln gelitten zu haben. Diese Entzugserscheinungen lassen sich möglicherweise auf den vollständigen Verzicht auf das Smartphone und/oder die insgesamt sehr hohe Nutzungsdauer der Jugendlichen zurückführen. Während die Teilnehmenden der University-of-Alberta-Studie angaben, ihr Smartphone durchschnittlich rund 300 Minuten pro Tag zu nutzen, lag die tägliche Nutzungszeit der Schülerinnen und Schüler in der ORF-Studie zwischen 400 und 960 Minuten pro Tag.

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