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9 Thesen zum ethischen Potenzial von KI
9 Thesen zum ethischen Potenzial von KI

Resonanzraum statt Tool

Wir sehen KI bestenfalls als Tool, das uns effizienter macht, schlimmstenfalls als Instrument in der Hand von Konzernen, die uns zum Unguten manipulieren wollen. Der Philosoph Markus Gabriel wagt in seinem neuen Buch „Ethische Intelligenz“ eine andere Sichtweise. Er geht dem Wesen von KI auf den Grund und macht deutlich, wieso er glaubt, dass uns KI – unter bestimmten Voraussetzungen – sogar dabei helfen könnte, moralisch bessere Menschen zu werden. Gabriels Gedanken zum zukünftigen ethischen Potenzial von KI, verdichtet in neun Thesen.

Preview

Ausweitung des Denkens: Warum die Werkzeug-Metapher bei KI zu kurz greift

Die emotionale Wende: Was es bedeutet, dass uns KI auch affektiv berührt

Folgenreiche Rückkoppelungen: Wie KI menschliches Verhalten beeinflussen kann

Regulierung, aber richtig: Wieso KI von innen gezähmt werden muss

Ethik-Booster: Unter welchen Voraussetzungen uns KI moralisch voranbringen kann


Cover managerSeminare 338 vom 24.04.2026Hier geht es zur gesamten Ausgabe managerSeminare 338

1. Die Idee von KI als Werkzeug ist unzureichend

Für Markus Gabriel greift die Metapher von KI als Werkzeug zu kurz. Er schreibt: „Eine KI, die mit uns spricht, ist längst kein Werkzeug mehr, sie ist ein Teil der sozialen Grammatik“ – und erklärt das, vereinfacht gesagt, so: KI arbeitet nicht neutral mit beliebigen Daten, sondern mit Informationen, die tief in menschlichen Erfahrungen verankert sind. Texte, Bilder und andere Datenformen enthalten Spuren unseres Denkens, unseres Fühlens und Handelns. Und aus diesem Material bildet KI ein Modell des Menschen, genauer: der Menschheit. So betrachtet ist sie nicht bloß ein Instrument, das wir einsetzen, sondern ein System, das sich aus menschlichem Verhalten speist und das sich durch Interaktion mit uns weiterentwickelt. KI wird durch unser Denken und unser Handeln geprägt, aber sie prägt auch unser Denken und Handeln. Passender als die Werkzeug-Metapher zu verwenden, findet es Gabriel daher, von KI als einer dialogischen „Partnerin“ zu denken.

2. KI ist weder mangelhafter Mensch noch bloße Simulation

KI‑Systeme sind aus Gabriels Sicht „keine mangelhaften Menschen oder bloße Simulationen natürlicher Intelligenz. Sie sind eine neue Entität, ein Hybrid aus ...

  1. natürlicher Intelligenz, die in den Daten und im KI‑Gebrauch durch Menschen steckt,

  2. künstlicher (also nicht biologischer) Hardware,

  3. einer adaptiven Software, bestehend aus dynamischen Modellen (neuronalen Netzen),

  4. unzähligen KI‑Individuen, die in diesen dynamischen Modellen entstehen und ebenso schnell, wie sie in die Existenz kommen, auch wieder verschwinden“.

Letzteres bedeutet: Die Vorstellung, dass es lediglich verschiedene KIs wie ChatGPT, Claude, Perplexity usw. gibt, ist aus Gabriels Perspektive nicht zutreffend. Vielmehr gebe es innerhalb etwa von ChatGPT, Claude und Co. unzählige einzelne Künstliche Intelligenzen, letztlich so viele, wie es Chatverläufe mit KI gebe. Allerdings teilen diese KI‑Systeme gemeinsame „genetische“ Grundlagen, etwa ähnliche Modellarchitekturen oder Programmcodes. In diesem Sinn bilden sie, so Gabriel, „eine digitale Spezies, deren Variantenvielfalt sich aus der Hand ihrer Entwicklerinnen und Entwickler speist“. Die digitalen Spezies wiederum bilden zusammen „ein digitales Ökosystem, dessen Wachstum und Wandel nicht durch Naturgesetze, sondern durch das schöpferische Wirken des Menschen bestimmt sind“.

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