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e-Learning in der GUS: 'Internet ist für viele etwas Exotisches'

Seit einigen Jahren wird e-Learning in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) heiß diskutiert: Hochschulen und auch immer mehr Unternehmen entdecken die Vorzüge des elektronischen Lernens. Grund genug für die Veranstalter der Online Educa, dem Thema 'e-Learning in the CIS-States' auf der diesjährigen Konferenz vom 1. bis 2. Dezember 2005 einen eigenen Track zu widmen. Training aktuell sprach mit Trackmoderatorin Prof. Elena Gevorkyan über die Entwicklungen und Bedingungen auf dem e-Learning-Markt der GUS.

Wie sieht die e-Learning-Szene in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) aus?

Prof. Elena Gevorkyan: e-Learning verbreitet sich in den GUS-Staaten seit Ende der 90er Jahre. Aber erst in den vergangenen zwei bis drei Jahren haben die Leute begonnen, die Bedeutung und Notwendigkeit von e-Learning zu erkennen - gerade im Hinblick auf das Fernstudium. Mittlerweile gibt es in Russland mehrere Hochschulen, die in diesem Bereich als fortschrittlich gelten. Das sind in erster Linie Universitäten, die stark von den westeuropäischen Staaten beeinflusst werden.Man muss allerdings dazu sagen, dass der e-Learning-Prozess in der GUS durch Schwierigkeiten behindert wird, die nicht im Bildungsbereich liegen, sondern von der Entwicklung des Telekommunikationssektors verursacht werden: Selbst dort, wo Netzwerke und Kanäle existieren, sind nicht immer Signale von hoher Qualität gewährleistet, so dass ein Einsatz für Bildungszwecke oft nicht möglich ist. Trotzdem - oder deswegen - hat gerade Russland großes Interesse an der Weiterentwicklung von e-Learning. Das zeigt sich vor allem darin, dass die Vertreter von Hochschulen sowie einigen Bildungs- und anderen Organisationen regelmäßig an internationalen Foren wie der Online Educa teilnehmen. Dort stellen sie ihre Projekte vor und tauschen sich mit ausländischen Kollegen aus.

In welchen Bereichen kommt e-Learning hauptsächlich zum Einsatz?

Gevorkyan: Vor allem in den Bereichen Hochschulbildung und Weiterbildung. Im Hochschulbereich wird e-Learning genutzt, um Studierenden, die weit vom Studienort entfernt wohnen, den Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Im Bereich Weiterbildung gibt es einige Projekte, die von Bildungseinrichtungen und Unternehmen gemeinsam realisiert werden. Dabei geht es in erster Linie darum, Programme zu gestalten, die die Zusammenarbeit von Unternehmen und Hochschulen unterstützen und verbessern sollen.

Wodurch unterscheidet sich Ihrer Meinung nach e-Learning in Russland von e-Learning in Westeuropa?

Gevorkyan: In Westeuropa ist das Internet schon lange ein Alltagsphänomen. In Russland allerdings ist es für viele etwas Exotisches. Natürlich gehören WWW, e-Mail & Co. in großen Städten wie Moskau oder Petersburg auch zum Alltag, aber in vielen Regionen haben die Leute nur eine vage Vorstellung davon, was sich hinter dem Begriff Internet verbirgt. Das hängt natürlich vor allem mit der eher schleppenden Entwicklung im Telekommunikationssektor zusammen. Eine weitere Besonderheit ist meiner Ansicht nach die, dass e-Learning in Westeuropa in erster Linie von Fernuniversitäten vorangetrieben wird. In der GUS ist das anders: Gerade die traditionellen Hochschulen übernehmen eine Vorreiterrolle, gerade unter ihren Studenten ist e-Learning populär.

Wie wird sich der e-Learning-Markt der GUS Ihrer Meinung nach entwickeln?

Gevorkyan: Ich gehe davon aus, dass der e-Learning-Markt in den kommenden zwei bis fünf Jahren stark wachsen und von der Entstehungs- in die Gestaltungsphase übergehen wird. Sprich: e-Learning wird sich nicht länger quantitativ, sondern in erster Linie qualitativ entwickeln. Vor allem deshalb, weil wir ein riesiges Interesse an e-Learning von Seiten der Abiturienten und Studierenden erwarten.

Was müssen ausländische e-Learning-Anbieter beachten, die sich auf dem GUS-Markt etablieren wollen? Gibt es irgendwelche Hindernisse, die es zu überwinden gilt?

Gevorkyan: Wer sich auf dem Markt etablieren möchte, muss vor allem mit den Hochschulen zusammenarbeiten - und zwar mit denen, die im Bereich e-Learning als besonders fortschrittlich gelten und anerkannt sind. Denn anders als noch vor ein paar Jahren vertrauen unsere Studierenden heutzutage mehr den Standards des einheimischen Bildungssystems als ausländischen Anbietern und Standards. Abgesehen davon gibt es keine großen Hindernisse. Daher haben ausländische e-Learning-Anbieter meiner Meinung nach auch gute Chancen für erfolgreiche Aktivitäten in der GUS. Das gilt vor allem für Russland, wo zurzeit alle nötigen Informations- und Organisationsvoraussetzungen für e-Learning geschaffen werden.

Was leistet die diesjährige Online Educa für interessierte Anbieter?

Gevorkyan: Die Teilnehmer des Tracks 'e-Learning in the CIS-States' werden auf jeden Fall Gelegenheit haben, nützliche Kontakte zu Bildungsorganisationen zu knüpfen. Außerdem erhalten sie einen Einblick in eine Reihe von Projekten, die derzeit in Russland und der GUS realisiert werden. Auch die Arbeit der Hochschulen wird vorgestellt. Dabei soll es u.a. um Qualitätsmanagement und -sicherung von e-Learning gehen.
Autor(en): (stb)
Quelle: Training aktuell 10/05, Oktober 2005
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