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Zum Tod von Ernst von Glasersfeld

Ein Skeptiker mit System

Berühmt war Ernst von Glasersfeld nicht. Einflussreich schon: Der Philosoph und Kommunikationswissenschaftler, der am 12. November 2010 starb, war der Begründer des Radikalen Konstruktivismus – und damit eine der prägenden Figuren für das neuere systemische Denken. Training aktuell hat einige Stimmen zu Person und Werk des Denkers eingeholt.
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Mit Therapie und Beratung hatte Ernst von Glasersfeld nicht viel am Hut, wie er gern zugab. Umgekehrt war das Interesse deutlich stärker. So hat die Arbeit des gebürtigen Österreichers ab 1981 Eingang in die systemische Familientherapie und schließlich die systemische Beratung insgesamt gefunden, wo sie die 'konstruktivistische Wende' auslöste: Die von ihm und dem Physiker Heinz von Foerster entwickelte Theorie des radikalen Konstruktivismus wurde zum grundlegenden Wirklichkeitskonzept des systemischen Denkens. Nach dieser Erkenntnistheorie des mehrsprachig aufgewachsenen Forschers gibt es keine objektive Wirklichkeit. Vielmehr konstruiert sich jeder Mensch – oder jedes System – die Wirklichkeit, die für ihn passend ist. Dabei geht es nicht darum, die Realität möglichst genau zu beschreiben, sondern sie so zu ordnen, dass sich das Individuum in ihr zurechtfindet. Das, was wir als Wissen bezeichnen, ist demnach keine verbindliche Repräsentation der Wirklichkeit, sondern, wie von Glasersfeld es formuliert, 'ein mögliches Verhalten in einer Welt, die man nicht genau beschreiben kann'. Jeder, der Wissen erwerben will, muss sich dieses Verhalten stückweise aneignen und für sich adaptieren – und das am besten durch selbstständiges Kombinieren.

Extras:
  • Drei Stimmen zu Leben und Werk Ernst von Glasersfelds: Dr. Sonja Radatz, Dr. Ruth Seliger und Prof. Dr. Fritz B. Simon
Autor(en): Sylvia Lipkowski
Quelle: Training aktuell 02/11, Februar 2011, Seite 10-11
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