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Weiterbildungsverhalten: Kunden wünschen kurze Wege

Act local – dieses Motto könnte für deutsche Weiterbildungseinrichtungen den Weg zum Erfolg beschreiben. Denn: 'Weiterbildungsangebote werden häufiger angenommen, wenn der Kurs in der Nähe des Wohnortes stattfindet', hat Professor Dr. Jürgen Wittpoth herausgefunden.

Der Bildungsforscher der Ruhr-Universität Bochum untersuchte die Belegdaten der Bochumer Volkshochschule (VHS) und anderer Bochumer Weiterbildungseinrichtungen wie der Familienbildungsstätten. Die Auswertung, die im Mai 2008 vorgestellt wurde, zeigt, dass die meisten Kursteilnehmer aus den Wohnvierteln stammen, die den Kursorten am nächsten liegen.

'Das Ergebnis hat uns total überrascht', gibt Wittpoth zu. Erwartet hatte der Forscher, dass die Weiterbildungsinteressierten überwiegend aus Stadtteilen mit gehobenerem sozialen Status kommen, in denen etwa auch andere kulturelle Angebote wie Konzert- und Bibliotheksbesuche überdurchschnittlich stark genutzt werden. Doch dem war nicht so: 'Die meisten Kursbesucher der VHS-Angebote kamen aus der Innenstadt – und die hat gemäß Sozialraumanalyse einen deutlich unterdurchschnittlichen sozialen Status.' Die Auswertung der rund 10.000 Datensätze lässt laut Wittpoth den Schluss zu: 'Der soziale Status beeinflusst das Weiterbildungsverhalten weiterhin. Aber dieses Muster wird durch den Aspekt der räumlichen Nähe durchbrochen.'

Dass kurze Wege für Weiterbildungsinteressierte wichtiger werden, kann auch Sonja Radatz bestätigen. Die Geschäftsführerin des Instituts für systemisches Coaching und Training (ISCT) mit Hauptsitz in Wien hat das Nachfrageverhalten ihrer Kunden analysiert. Ihr Resümee: 'Ich erlebe die steigende Bindung der Teilnehmer an den Lebens- bzw. Arbeitsort.' Die Folge: 'Der Trainer muss zu den Menschen gehen und nicht umgekehrt.'

Für Weiterbildungseinrichtungen bedeutet das Ergebnis laut Wittpoth: 'Sie müssen räumliche Nähe, etwa durch Dependancen, herstellen.' Warum den Kursbesuchern die räumliche Nähe so wichtig ist, weiß Wittpoth noch nicht. 'Das werden weitere Studien zeigen müssen.'
Autor(en): (com)
Quelle: Training aktuell 07/08, Juli 2008
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