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Weiterbildung München ´97: Weiche Themen waren der Renner

142 Aussteller und rund 10.000 Besucher kamen vom 17. bis 19. April zur 'Weiterbildung München 97', der jährlich stattfindenden regionalen Weiterbildungsmesse. 'Aufgrund der extremen Einschnitte bei den Förderungen müssen sich jetzt auch die großen Bildungsanbieter präsentieren', kommentiert Eva Widhopf, eine Mitarbeiterin des Veranstalters IHK - Gesellschaft für Berufs- und Weiterbildung GmbH, den neuen Ausstellungsrekord. Vor zwei Jahren waren nur rund 100 Aussteller anwesend.

Neues Messekonzeptfindet geteiltesEcho

Der Veranstalter hatte mit einem neuen Konzept geworben. Die Messe wollte den Fachbesuchern die Möglichkeit bieten, in verglasten Räumen Gespräche mit den Ausstellern zu führen oder sich in einer Workshopatmosphäre zu begegnen. Einige der Aussteller waren allerdings mit dem Konzept nicht so ganz einverstanden, sie bevorzugen eine offene Hallenmesse, da dort die Hemmschwellen für Gespräche niedriger seien, so die erste Analyse von Dr. Markus Weingärtner, Projektverantwortlicher der Messe.
Die 'Qualität der Besucher' zu der kostenlosen Messe sei hoch gewesen, da erstaunlich viele Fachbesucher ein konkretes Anliegen gehabt hätten. Nur der Besucherstrom war - zumindest am Samstag morgen - 'ziemlich zäh'.
Das bestätigt das Fazit eines CBT-Ausstellers am ersten Tage: 'Das ist hier eher eine verschlafene Veranstaltung. Die Learntec oder die Didacta sind viel interessanter für uns'. Ein anderer Aussteller meinte: 'Es ist zwar nicht so viel los wie auf anderen Messen, aber es handelt sich um ein qualifiziertes Publikum ...'.
Rund um die Ausstellungen fanden über 100 Workshops und Vorträge statt. Einer der ersten Workshops lautete 'Marketing für Bildungsträger/Trainer' von der Beratungsfirma Maisberger und Partner. Es müßte 'menscheln' so die These von Paul Maisberger. Der Kunde wolle geliebt werden und Bildung müsse Spaß machen. Ein Test unter den Münchner Bildungsanbietern hätte ergeben, daß ihr Umgang mit potentiellen Kunden 'zur untersten Ecke dessen gehört, was Marketing ist'. Anstatt 'zu begeistern, neue Kunden zu gewinnen und zu bewegen' würden die Bildungsanbieter nur die Methode 'mehr vom gleichen' einsetzen. Anstatt den Bauch, die Emotionen anzusprechen, würden sie nur den Kopf, den Intellekt erreichen. Zu sehr sei noch das Gefühl aus der Schule verankert, daß Bildung weh tun müsse. Auch auf der 'Weiterbildung München ´97' würden die Sinne kaum angesprochen, so Maisberger. In den Workshop-Räumen gäbe es zwar eine Standardausstattung mit Flipchart, Pinwänden und Overheadprojektoren, die Räume seien aber lieblos eingerichtet.
Auf Emotionalität setzte auch die Firma Rhythmikon. Durch Bewegungsspiele, Partner- und Gruppenübungen sollte ein 'streßfreies Handeln im Team' möglich werden. Die Teilnehmer des Workshops sollten durch die Übungen, die meist schweigsam und zum Teil auch mit geschlossenen Augen durchgeführt wurden, ein emotionales Verständnis des Gegenübers gewinnen. Die körperorientierte Veranstaltung wurde übrigens in der Überzahl von jüngeren Teilnehmern und von Frauen besucht.
Emotion war auch das zentrale Thema in dem Vortrag 'Emotionale Intelligenz - Erfolgsfaktor der Zukunft' an. In dem völlig überfüllten Raum versuchte Vertriebstrainer Rainer Klamt die Thematik in zwei Bereiche zu gliedern. Emotionale Kompetenz sei erstens erfolgreiches Selbstmanagement und zweitens die Fähigkeit, gute und erfolgreiche Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen und erhalten zu können.

Wenig Interesse an technischen Themen

Die Qualität der Workshops und Vorträge war recht unterschiedlich. Wie immer beklagten sich alle Referenten, daß sie viel zu wenig Zeit hätten, um ihr Thema darzustellen. In einem Workshop las die Referentin ihren Vortrag vom Blatt ab, ein anderer Referent wußte nicht, ob sein Thema überhaupt auf die Messe gehöre.
'Die weichen Themen waren der Renner', faßt Weingärtner zusammen, nicht so gut seien die technischen Themen wie z.B. 'Technologietransfer Hochschule - Wirtschaft' angekommen.
Autor(en): (mse)
Quelle: Training aktuell 05/97, Mai 1997
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