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Trendanalyse 2006: Integrierte Maßnahmen statt Einzeltrainings

An den Schlüsselthemen der Weiterbildung ändert sich wenig, viel jedoch an deren Organisation und Abwicklung. Einzeltrainer bleiben langfristig nur noch im Geschäft, wenn sie ihre Maßnahmen firmenintern durchführen und verzahnen. Die konventionellen Standardtrainings bedienen die Großanbieter.'Die Wertschätzung der Personalentwicklung nimmt zu, die Standardisierung nimmt ab.' Das Statement eines Trainers bringt einen Trend auf den Punkt, der nicht neu, aber umso nachhaltiger ist und vor allem für die zahllosen Einzelkämpfer der Branche tief greifende Konsequenzen hat. Dies belegen einmal mehr die aktuellen Zahlen, die der Verlag managerSeminare im Juli 2006 im Rahmen seiner jährlichen Trendanalyse unter 351 Weiterbildungsanbietern sowie 86 Weiterbildungsverantwortlichen in Unternehmen ermittelte.

Zweifellos stellt die 'konventionelle Kost' des klassischen Seminargeschäfts nach wie vor ein enormes Marktpotenzial dar, das von Weiterbildungsanbietern bedient werden will. Wer vornehmlich in diesem Markt tätig ist, spürt inzwischen jedoch den rauen Wind: Das Geschäft ist schnelllebig, krisenanfällig und steht unter einem zunehmenden Preisdruck. Daran ändert auch die positive wirtschaftliche Grundstimmung herzlich wenig.

Das offene Seminargeschäft wird daher immer mehr zur Domäne der großen Bildungsanbieter. Sie können über die Menge ein sehr viel günstigeres Preis-Leistungs-Verhältnis anbieten als kleine Institute oder Einzeltrainer. Der Anteil der offenen Seminare liegt bei den großen Weiterbildungsanbietern bei rund 46 Prozent. Hingegen geben gerade einmal 17 Prozent der Einzeltrainer an, überwiegend offene Seminare anzubieten, gut 40 Prozent arbeiten sogar ausschließlich firmenintern.

Einzeltrainer müssen ihr Portfolio vergrößern

Den Trend zur internen Durchführung unterstreicht die Einschätzung der Unternehmen: Ein Drittel konstatiert eine Verringerung des Anteils externer Seminare, und lediglich knapp 17 Prozent der Unternehmen stellen eine Erhöhung fest. Wozu nicht zuletzt die gekürzten Budgets der vergangenen Jahre beitrugen. Diese führten in den Betrieben auch zu einem neuen Verständnis dessen, was Weiterbildung ausmacht und vor allem, wie sie im Betrieb effektiv zu organisieren ist. 'Weg von Einzeltrainings - hin zu Maßnahmen für Organisationseinheiten' lautet stellvertretend für viele Unternehmen die Forderung eines befragten Personalers. Typisch ist auch der Wunsch, 'Training mit anschließendem Coaching als prozessbegleitende Maßnahme zu integrieren'. Hier sind Einzeltrainer zunehmend gefordert, ihre Stärke auszuspielen und mit einem erweiterten Angebot die Ausfälle zu kompensieren, die aus dem für sie kaum noch rentablen Geschäft mit konventionellen Seminaren resultieren.

Coaching und Gesundheit als Trendthemen

Stellt sich die Frage: Welche Themen und Inhalte bestimmen das Geschehen in der betrieblichen Weiterbildung? Einig sind sich Weiterbildungsanbieter und Unternehmen seit Jahren in einem Punkt: Das Thema Mitarbeiterführung hat in Sachen aktueller Weiterbildungsbemühungen einen unangefochtenen Spitzenplatz inne. Dahinter folgen bei den Weiterbildungsanbietern nahezu gleichauf die Themen Verkauf/Marketing und Coaching sowie Organisationsentwicklung und Teambildung/-führung.

Markante Verschiebung gegenüber dem Vorjahr: Das Thema Konfliktmanagement hat für die Trainer merklich an aktueller Bedeutung verloren. Die bessere wirtschaftliche Stimmung wirkt sich offenbar beruhigend auf das Betriebsklima aus, Reizthemen wie Umstrukturierungen und Personalentlassungen sind vorerst durchgestanden. Dafür gewinnt das Thema Persönlichkeitsentwicklung für die Trainer momentan an Zugkraft - auch ein Zeichen dafür, dass der Blick wieder nach vorne gerichtet ist. 'Führung und Human Factor rücken zunehmend in den Mittelpunkt - der gute Mitarbeiter wird zum Engpass', so die Beobachtung eines Trainers.

Für die Unternehmen hat das Thema Projekt-/Prozessmanagement nach der Mitarbeiterführung zurzeit noch höchste Priorität. Indes scheinen die mit Umstrukturierungen und Veränderungsprozessen verbundenen Weiterbildungsmaßnahmen ihren Zenit erreicht zu haben, denn für die nähere Zukunft erwarten die befragten Betriebe einen deutlichen Rückgang. Bei der Schwerpunktsetzung ihres momentanen Weiterbildungsbedarfs sind sich die Unternehmen mit den Anbietern weitgehend einig: Organisationsentwicklung, Verkauf/Marketing sowie Coaching lautet hier die weitere Reihenfolge. Das Thema Coaching wird seitens der Betriebe allerdings längst nicht so hoch gehängt, wie dies auf Anbieterseite der Fall ist.

Deutlichere Unterschiede zeigen sich bei der Einschätzung der zukünftigen Weiterbildungsschwerpunkte: Coaching, Mitarbeiterführung, Organisationsentwicklung, Persönlichkeitsentwicklung sowie Stressmanagement/Gesundheit lautet die Rangfolge bei den Weiterbildungsanbietern. Die Unternehmen nennen Coaching, Organisationsentwicklung, Mitarbeiterführung, Qualität/Service und Konfliktmanagement als ihre vordringlichen Themen. Allerdings: Über den enormen zukünftigen Bedeutungszuwachs des Themas Stressmanagement/Gesundheit sind sich beide Seiten einig. Der demografische Wandel, alternde Belegschaften sowie die gestiegene Arbeitslastung der verbliebenen Mitarbeiter sind im Bewusstsein von Personalern und Weiterbildungsanbietern präsent.
Autor(en): (Jürgen Graf)
Quelle: Training aktuell 02/07, Februar 2007
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