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Trendanalyse 2005: Prozesse optimieren statt Inhalte trainieren

Das offene Seminargeschäft geht zurück, firmenspezifische und prozessbegleitende Maßnahmen nehmen zu. Das hat auch Auswirkungen auf die inhaltlichen Schwerpunkte von Trainings: Neben der Mitarbeiterführung wächst die Bedeutung für Coaching, Organisationsentwicklung und Projektmanagement.

'Performance-Orientierung' lautet das wohl häufigste Schlagwort, wenn Unternehmen die Neuausrichtung ihrer Weiterbildungsaktivitäten beschreiben. Die Frage 'Wie erhöhe ich den Wirkungsgrad unserer Weiterbildung auch mit einem kleinen Budget?' steht an erster Stelle. Die Frage 'Was trainiere ich?' stellt sich erst im Anschluss.

Mag das dem ein oder anderen auch zu pauschal formuliert sein, Tatsache ist aber, dass die Unternehmen der Organisation von Weiterbildungsmaßnahmen inzwischen wesentlich größere Aufmerksamkeit widmen als den Inhalten. Dies zumindest legt die jährliche Befragung des Verlages managerSeminare nahe, an der sich im Juli vergangenen Jahres 384 Trainer sowie 84 Weiterbildungsverantwortliche in Unternehmen beteiligten.

Das offene Seminargeschäft geht stetig zurück

Es gilt, 'Seminarangebote für Verantwortliche und Mitarbeiter' gemeinsam zu konzipieren und umzusetzen, beschreibt die Personalentwicklerin einer großen politischen Stiftung die Konsequenz aus der Entwicklung. Die Zielgruppe des Trainings sind nicht mehr homogene Mitarbeitergruppen, sondern Abteilungen und Teams, deren Arbeitsleistung insgesamt verbessert werden soll - was auch den stetigen Rückgang des offenen Seminargeschäfts zugunsten firmenspezifischer und prozessbegleitender Maßnahmen begründet.

Dieser Trend bestätigte sich einmal mehr bei der Trendanalyse: 41 Prozent der Weiterbildungsverantwortlichen konstatieren eine Verringerung des Anteils externer Seminare, nur noch zwölf Prozent der befragten Unternehmen stellen eine Erhöhung fest.

Drei von vier Maßnahmen werden inzwischen firmenintern durchgeführt, wissen auch die Weiterbildungsanbieter zu berichten. Nur noch jede vierte Maßnahme fällt in die Kategorie 'offenes Seminar'. So sind es zunehmend Privatpersonen, die auf das offene Seminarangebot zurückgreifen. Unternehmen bevorzugen offene Seminare allenfalls dann, wenn es um die Vermittlung punktuellen Wissens für einzelne Mitarbeiter geht.

Neue Gewichtung von Trainingsinhalten

Die Abkehr der Unternehmen von seminaristischen Weiterbildungskonzepten zugunsten prozessorientierter Maßnahmen geht in ihrer Konsequenz einher mit einer neuen Gewichtung der inhaltlichen Schwerpunkte. Die Frage: 'Welche Themenschwerpunkte haben Ihrer Einschätzung nach momentan auf dem Trainingsmarkt die größte Bedeutung?' beantworten Weiterbildungsanbieter und -nachfrager weitaus unterschiedlicher als noch vor wenigen Jahren.

Zwar sind sich Trainer und Unternehmen nach wie vor darin einig, dass das Thema Mitarbeiterführung einen unangefochtenen Spitzenplatz innehat. Dann aber gehen die Einschätzungen auseinander: Nach Ansicht der Weiterbildner bestimmen Coaching, Verkauf/Marketing, Konfliktmanagement und Organisationsentwicklung das aktuelle Weiterbildungsgeschehen. Die zentrale Bedeutung der Themen Verkauf/Marketing und Organisationsentwicklung teilen die Unternehmen noch. Projekt-/Prozessmanagement spielt für sie indes eine wesentlich größere Rolle.

Auch der Weiterbildungsbedarf in Sachen Sprachen/Interkulturelles Training hat seitens der Betriebe eine deutlich höhere Priorität. Von diesem Weiterbildungsthema profitiert das Gros der externen Trainer allerdings kaum, da hier wenige große Anbieter den Markt dominieren und viele Inhalte via Blended-Learning-Maßnahmen abgewickelt werden können.

Ebenfalls auffällig: Das Thema Coaching wird von den Unternehmen längst nicht so hoch gehängt, wie es auf Anbieterseite der Fall ist. Hier wäre im Einzelfall zu prüfen, ob es tatsächlich eine so große privat motivierte Nachfrage nach Coaching gibt, die die Trainer zu dieser Einschätzung kommen lässt. Oder entspringt die Ansicht der Weiterbildner etwa schlicht dem Wunsch, dass Coaching eine Kompensation für das stark rückläufige klassische Seminargeschäft sein könnte?

In Zukunft enormer Coaching-Bedarf?

Immerhin: Für die Zukunft dürfen die Weiterbildungsanbieter hoffen, erwarten doch auch die Unternehmen einen erheblichen Bedarfszuwachs in Sachen Coaching. Auch sonst herrscht weitgehende Einigkeit über die zukünftigen Weiterbildungsschwerpunkte. Hinter dem Coaching prognostizieren Weiterbildungsanbieter der Mitarbeiterführung, Organisationsentwicklung, dem Konfliktmanagement und der Persönlichkeitsentwicklung die größte Bedeutung.

Die Firmen nennen mit einer Ausnahme ebenfalls diese Themen, wenn auch in einer deutlich anderen Gewichtung. Anstelle der Persönlichkeitsentwicklung zählen sie zudem den Themenbereich Projekt-/Prozessmanagement zu den wichtigsten Inhalten.

Einmal mehr soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass die ermittelten Ergebnisse auf den subjektiven Erfahrungen und Erwartungen der Befragten beruhen. Ob Weiterbildungsthemen, die als wichtig erkannt sind, im Unternehmen tatsächlich angegangen werden, steht auf einem anderen Blatt. Und ob sich diese Einschätzung als richtig erweist, natürlich auch.
Autor(en): (jgr)
Quelle: Training aktuell 02/06, Februar 2006
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