Organisation

Serie 'Zielgruppen für Trainer und Coachs'

Coaching für Politiker

Coaching ist in der Politik noch kaum verbreitet – vielfach sogar unbekannt. Erst in jüngster Zeit haben Initiativen damit begonnen, Coaching auch hier stärker zu verankern. Doch ohne grundlegende Kenntnisse des Politikbetriebs geht es nicht. Teil drei unserer Serie über neue Zielgruppen für Trainer und Coachs.
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In weiten Teilen der Wirtschaft gilt es heute längst nicht mehr als Besonderheit: Coaching. Mancher Manager empfindet es mittlerweile gar als Makel, keinen eigenen Coach zu haben. Ganz anders in der Politik: Hier ist Coaching noch wenig verbreitet – vielfach sogar unbekannt.

Trainingsmaßnahmen für Politiker hingegen gibt es bereits zahlreiche. Politische Parteien und Stiftungen sind wichtige Anbieter solcher Fortbildungen und Trainings. In der jüngsten Zeit aber öffnen sie sich auch zunehmend für Coaching. Besonders Konzepte, die Training und Coaching miteinander verbinden, sind gefragt. So bot etwa von 2007 bis 2009 eine Partei interessierten Politikern der verschiedenen Ebenen ein Begleitprogramm mit einer Reihe von Modulen an, an dem Trainer mit Coaching-Kompetenz mitwirkten.

Doch nicht nur die Politik öffnet sich immer mehr für Coaching, auch die Coachs entdecken Politiker zunehmend als Zielgruppe. Das lässt sich an verschiedenen Initiativen jüngeren Datums ablesen: So hat Michelle Randall, die u.a. neu gewählte Mitglieder des US-Repräsentantenhauses coacht, 2008 das vielbeachtete Buch „Winning Without Compromising Yourself“ herausgebracht – eine Art Selbstreflexionsbuch für Politiker und in der Politik Beschäftigte mit einer Sammlung von Beiträgen verschiedener US-Coachs. Und das auf Führungskräfteentwicklung spezialisierte Kansas Leadership Centre führte Anfang des Jahres ein Programm eigens für Neulinge in der Politik ein.

Aber nicht nur in den USA, sondern auch z.B. in Frankreich rücken Politiker verstärkt in den Fokus von Coachs. So unterhält die französische Gruppe der International Coach Federation (ICF) seit einem Jahr ein Komitee, das Politiker, politische Berater und in der Politik Beschäftigte interviewt, um einen Überblick über ihre Bedürfnisse zu erhalten und ihren Coaching-Bedarf zu ermitteln. Die Ergebnisse dieser groß angelegten anonymisierten Befragung sind für Ende dieses Jahres angekündigt.

Repräsentative Daten zum Coaching-Bedarf von Politikern sucht man also bislang vergeblich. Das liegt auch daran, dass – anders als in der Wirtschaft – das Coaching von Politikern scheinbar noch als Privatangelegenheit des Coachees betrachtet wird.  Allerdings hat sich für mich zum einen in zahlreichen Interviews mit Europa-Abgeordneten, zum anderen durch meine Tätigkeit als Politische Referentin und Coach Politik als ein großes Feld für Coaching herauskristallisiert. Denn bei vielen Themen und Herausforderungen, mit denen sich Politiker täglich konfrontiert sehen, kann Coaching eine sinnvolle Unterstützung sein.

Doch welche Themen sind für Politiker besonders relevant? Zunächst einmal sehen sie sich in ihrem Arbeitsalltag – ebenso wie Führungskräfte in der Wirtschaft – einer Vielzahl individueller Herausforderungen gegenübergestellt. Doch einige Themen spielen in der Politik eine übergeordnete Rolle. Dazu zählt etwa, wie Politiker ihre Einarbeitungsphase verkürzen können, damit sie sich so früh wie möglich am politischen Prozess beteiligen können – schließlich erwarten die Wähler, dass sie ihre Interessen vertreten. Das Gefühl, bei wichtigen Entscheidungen auf sich allein gestellt zu sein, Entscheidungen in schwierigen Situationen zu treffen und der Umgang mit persönlichen Anfeindungen sind ebenfalls Themen im Coaching. Außerdem sind in der Politik oft enormes Verhandlungsgeschick und Füh-rungsqualitäten gefordert. Und wenn ihr Mandat ausläuft, braucht mancher Politiker Hilfe, um mögliche Alternativen für sich zu identifizieren.

Extra:
  • Größe, Besonderheiten, Coaching-Themen: Die Zielgruppe im Überblick
Autor(en): Elke Esders
Quelle: Training aktuell 09/11, September 2011, Seite 33-35
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