Reflexion

Serie: Die Trainerhölle

Der Duft von Parodontose

Was kann ein Trainer tun, wenn ein Teilnehmer übelkeitserregenden Mundgeruch hat – Nase zu und durch? Letztlich kann das sogar dazu führen, dass der Trainer so weit wie möglich auf Distanz zum Teilnehmer geht, wie Olaf Cordes in einem neuen Fall aus unserer Serie 'Die Trainerhölle' berichtet.
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Eine Seminarsituation, die die Grenze zur Unerträglichkeit erreicht oder sogar überschreitet; eine, die die eigene körperliche und geistige Funktion außer Kraft setzt und ein Seminar zum Kraftakt werden lässt. Die erlebte ich in einem sehr exklusiven Workshop mit vier Teilnehmern und zwei Trainern. Meine Kollegin, Susanne Oldenburg, und ich warteten am ersten Tag gut vorbereitet auf die Teilnehmer. Händeschütteln, Small Talk, erster Beziehungsaufbau. Lachen, Vorfreude, eine Tasse Tee und die ersten kleinen Gespräche zu den Themen des Tages. Ein guter Seminaranfang.

Plötzlich wurde ich durch einen beißenden, üblen Geruch irritiert. Dieses olfaktorische Ereignis hatte Premiere in meinem Leben. Ich komme vom Land. Ich kenne einige, für manche Menschen eher fremde, Landgerüche in aller Intensität. Dieser Geruch entzog sich allerdings meiner Kenntnis. Ein Teilnehmer stand vor mir, begrüßte mich freudestrahlend und sagte, dass er sehr gespannt sei, was denn in dem Workshop passieren würde. Es sei ja sehr schön, dass 'das hier endlich stattfindet'.

Dieser Teilnehmer war so positiv gestimmt, dass er nach jedem Satz kurz und heftig lachte, mit funkelnden Augen und einem Lachgesicht wie Fozzie Bear aus der Muppet-Show. Durch die stoßweisen, eruptiven Zwerchfellanspannungen, die mit jedem Mal stärker wurden, schoss ein undefinierbares Odeur in meine Nase. So etwas hatte ich noch nicht gerochen.

Ein nach tiefster Fäulnis riechender Gestank

Das ist Körperverletzung! Aber gut – solche Dinge passieren. Ich bin Profi. Sah beziehungsweise roch ich anfangs noch darüber hinweg, war das für mich mit fortschreitendem Workshopverlauf so gut wie nicht mehr möglich. Jeder Satz des Teilnehmers war untermauert von einem beißenden, pene­tranten, nach tiefster und schwärzester Fäulnis riechenden Gestank. Wenn ich in der Nähe dieses Mannes war, musste ich mich sehr zurücknehmen. Flachatmung. Bloß nicht tief einatmen. Diesen Geruch werde ich nie wieder los. Sollte ich ihm sagen, was ich roch? Wieso störte es seine Kollegen nicht, die unmittelbar neben ihm saßen oder in der Kleingruppenarbeit eng mit ihm zusammenarbeiteten? Stanken die auch so? Vielleicht tat ich ihm unrecht, und der Mann hatte eine unglaublich seltene Krankheit? Mein Kopfkino war sehr aktiv.

Was tun? In der U-Bahn Linie 1 in Berlin würde man vermutlich hören: „Mann, Alter, du stinkst! Koof dir mal ’ne Packung Kaugummi!“ Nicht wirklich professionell für einen Trainer, – auch dann nicht, wenn sich dieser von dem Fäulnisgeruch halb besinnungslos und nicht mehr voll zurechnungsfähig fühlt. Aber immerhin wäre es ehrlich. Letztlich appellierte ich an meine Trainerprofessionalität und besann mich auf die Inhalte unseres Workshops.

Mit besagtem Seminarteilnehmer führte ich Gespräche nur in ausreichender Distanz. Dezent meine Hand oder auch einen Zipfel meines Jackettärmels vor der Nase reibend versuchte ich, dem Teilnehmer aus dem Weg zu gehen. Ich beobachtete mich sogar selbst dabei, wie ich zwischendurch den persönlichen Kontakt zu ihm mied. Ich war in der Trainerhölle.

Wie hätten Sie reagiert?
Hatten Sie selbst auch schon einen ähnlichen Fall? Wie haben Sie ihn gelöst? Wir freuen uns über Feedback an redaktion (at) managerseminare.de oder www.facebook.com/trainingaktuell.

Im Pdf finden sie außerdem: Reaktionen auf den zweiten Teil der 'Trainerhölle' aus Training aktuell 01/2014
Autor(en): Olaf Cordes
Quelle: Training aktuell 02/14, Februar 2014, Seite 48-49
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