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Rezension: Vom Lernen zum Lehren

Von Ekkehard Nuissl (Hrsg.), 239 S., geb., Bertelsmann, Bielefeld 2006, 49,90.

Das Thema des Buches ist brandaktuell: Es geht um Erwachsenenbildung, ein Handlungsfeld, dessen gesellschaftliche wie wirtschaftliche Bedeutung für unsere Zukunft derzeit allerorten beschworen wird. Umso erstaunlicher - vor allem vor dem Hintergrund der Regelungswut deutscher Bildungspolitik -, dass es für Erwachsenbildung bislang weder eine verbindliche Definition noch eine einheitliche, öffentlich-rechtlich reglementierte Struktur gibt. Wissenschaftler wie Praktiker werden deshalb diese Zusammenschau interdisziplinärer Lern- und Lehrforschung im Bereich der Erwachsenenbildung sicher begrüßen.

Auf Initiative des deutschen Institutes für Erwachsenenbildung (DIE) haben zwei mit namhaften Wissenschaftlern besetzte internationale Expertengruppen im Jahre 2004 damit begonnen, den Stand der empirischen Lern- und Lehrforschung aufzuarbeiten. Die von Ekkehard Nuissl herausgegebene Publikation 'Vom Lernen zum Lehren' der Reihe 'DIE Spezial' dokumentiert in siebzehn Beiträgen die Arbeitsergebnisse der Gruppen.

Die Forschungsergebnisse zu der Frage, was Erwachsene eigentlich motiviert, zu lernen oder sich dem Lernen zu verweigern, präsentiert etwa Horst Siebert in seinem Beitrag. Der Didaktiker verweist darauf, dass entgegen der landläufigen Meinung die Lernbereitschaft nicht abhängig von der Schulbildung ist. Ebenfalls dürfe man Lernwiderstände nicht grundsätzlich als Mangel von Motivation begreifen. In der Regel sei es so, dass der Lernende mit seinen Widerständen einfach das eigene Selbstbild sichern wolle. Nicht selten begründen sich Lernwiderstände von Erwachsenen auch in deren Biografie. So können zum Beispiel negative Erfahrungen in der Schulzeit dazu führen, dass sich Menschen in Lernsituationen sperren, sagt Siebert.

Inwieweit soziales Engagement durch politische Bildung steuerbar ist, beleuchtet Klaus Körber. Zwar konnten die Expertengruppen laut dem Soziologen diese Frage nicht abschließend beantworten. Aber zumindest konnte laut Körber ein positiver Zusammenhang von politischem und sozialem Engagement und der Teilnahme an politischer Erwachsenenbildung nachgewiesen werden. Positiv sei zudem, dass die Nachfrage nach politischer Bildung in den vergangenen Jahren stark angezogen habe.

Wie diese beiden Abhandlungen bieten auch die übrigen Kapitel des Werkes in kompakter und zumeist gut strukturierter Form eine Übersicht über Grundlagen, Zusammenhänge und Entwicklungslinien in der Erwachsenenbildung.

Von daher ist man geneigt, dem hohen Anspruch des Herausgebers zuzustimmen, dass es sich bei dem vorliegenden Werk um 'eine einzigartige interdisziplinäre Zwischenbilanz zur Lehr- und Lernforschung' handelt. Obwohl sich das Buch in erster Linie an Wissenschaftler richtet, bietet es auch dem Praktiker vielfältige Anknüpfungspunkte, das eigene didaktisches Handeln an neuesten Erkenntnissen der Lernforschung auszurichten.

Fazit: Ein wichtiges Buch - vor allem für die wissenschaftliche Forschung und Lehre.
Autor(en): (Helmut Fischer)
Quelle: Training aktuell 04/07, April 2007
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