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Rezension: Systemische Managementtrainings

Die Systemtheorie ist im Bereich Management und Führung mittlerweile so weit gereift, dass selbst ihre Kinder flügge geworden sind. In seiner Dissertation 'Systemische Managementtrainings' nimmt Bernd Michael Mayer zwei der Nachkommen genauer unter die Lupe: das 'Systemisch-evolutionäre Management' des Management Zentrums St. Gallen und die 'Neuere Systemtheorie', der sich das Hernstein Institut Wien verpflichtet fühlt.
Der Autor stellt die am Markt angebotenen Trainingskonzeptionen beider Häuser dezidiert vor und vergleicht im Rahmen einer aufwendigen Evaluationsstudie die Lerneffekte bei den teilnehmenden Führungskräften einer jeweils durchgeführten Maßnahme. Folgerichtig orientiert sich der Aufbau des Buches an den drei grundlegenden Fragestellungen: Wie antworten die Vertreter systemischer Ansätze auf die veränderten Herausforderungen an Führung? Welche Bedeutung hat dies für die Inhalte und die Designs ihrer Managementtrainings? Welche Wirkungen haben diese Trainings auf die Teilnehmer und ihre Praxis?
Bernd Michael Mayer greift in weiser Voraussicht aber auch eine weitere Frage auf, die sich dem Leser zwangsläufig stellt: Werden mit der Gegenüberstellung der beiden Ansätze nicht etwa Äpfel mit Birnen verglichen, zumal sich das so genannte Hernstein General Management Training aus einer heterogenen Gruppe externer Teilnehmer zusammensetzt und das Training des Management Zentrums St. Gallen eine geschlossene Veranstaltung innerhalb der DaimlerChrysler AG war? Der Autor liefert in seiner Antwort ein klares 'Jein', indem er einen Vergleich, der auf ein 'Besser oder Schlechter' abzielt, gar nicht erst anstellt. Statt dessen betont er: Gerade aber die Unterschiedlichkeit der jeweiligen Lernarchitekturen fördere den trennscharfen Blick auf die Basisannahmen des systemisch-evolutionären Managements auf der einen und der neueren Systemtheorie auf der anderen Seite. St. Gallen orientiert sich am kritischen Realismus und präferiert die Vermittlung von Techniken, das Hernstein Institut hingegen legt ein radikal konstruktivistisches Wirklichkeitsverständnis zu Grunde und gewährt der Selbsterfahrung der Teilnehmer Vorrang.
Solche paradigmatischen Feinheiten werden die Praktiker im Unternehmen kaum interessieren. Ansprechen wird das Buch hingegen den am wissenschaftlichen Dialog interessierten Leser sowie den Managementberater, der Wert auf eine fundierte theoretische Erörterung legt. Beide werden mit der Lektüre ihren Erkenntnishunger stillen können. Dieser Zielgruppe sei allerdings folgender Tipp mitgegeben: Bitte Lupe bereithalten, die Grafiken sind sonst nicht lesbar!

Fazit: Gut geeignet nur für den am fundierten theoretischen Diskurs inte-ressierten Leser.

Von Bernd Michael Mayer, 310 S., brosch., Carl Auer Systeme Verlag, Heidelberg 2003, ISBN 3-89670-318-8, 26,90 Euro.
Autor(en): (Michael Merz)
Quelle: Training aktuell 10/03, Oktober 2003
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