Medien

Rezension: Storytelling

Von Karolina Frenzel, Michael Müller und Hermann Sottong, 249 S., geb., Hanser, München 2006, ISBN 3-446-40698-0, 19,90 Euro.

Seit Scheherazade und ihren Geschichten aus tausend und einer Nacht wissen wir um die magische Wirkung spannenden Erzählens. Eine gute Geschichte unterhält aber nicht nur, sie lässt uns auch Erfahrungen teilen. Sie transportiert Wissen, erklärt Zusammenhänge und vermittelt Botschaften.

Deshalb können gut erzählte Geschichten in unserer beruflichen wie privaten Kommunikation eine tragende Rolle spielen, meinen Karolina Frenzel, Michael Müller und Hermann Sotting. Mit ihrem Buch 'Storytelling' wollen sie dem Leser Wissen und Werkzeuge vermitteln, um '... Geschichten gezielt, bewusst und gekonnt einzusetzen, um wichtige Inhalte besser verständlich zu machen, um das Lernen und Mitdenken ... nachhaltig zu unterstützen, um Ideen zu streuen, geistige Beteiligung zu fördern...'.

Das beginnt zunächst mit grundsätzlichen Überlegungen zu Rahmenbedingungen und Zielen des Storytelling. Wo und wann will man Geschichten einsetzen, und was will man damit erreichen? Im zweiten Teil des Buches werden Schritt für Schritt Struktur und Bauelemente einer Geschichte abgearbeitet. Wie macht man aus einem Erlebnis eine gute Geschichte, und wie erzählt man diese spannend?

Wie fruchtbringend ein narrativer Informationsansatz für eine offene Kommunikationskultur sein kann, zeigt das Beispiel einer Airline, die ihre Mitarbeiter für eine Service-Offensive in der Kundenbetreuung gewinnen will. Ein Storytelling-Workshop mit den verantwortlichen Mitarbeitern förderte aus deren Erzählungen wichtige Erkenntnisse zutage, wo die strukturellen und materiellen Arbeitsbedingungen zu verbessern waren. Zugleich nahm jeder Teilnehmer aus den Berichten der anderen neue Erkenntnisse in seinen Arbeitsalltag mit. Darüber hinaus trug die Veranstaltung zu einer verbesserten Beziehung zwischen Stab und Linie bei; indem das Management den Mitarbeitern zuhörte und ihre Vorschläge ernst nahm, zollte es ihrer Arbeit Anerkennung und Respekt.

Wie man so etwas in großem Rahmen anlegen kann, illustriert das Beispiel Story-Storming: Der planvoll gesteuerte Austausch von erlebten Geschichten in einer Großgruppenarbeit mit 50 bis 100 Personen. Das ist weit entfernt vom Brainstorming alter Art, hat aber durchaus seinen Nutzen, weil hier mit großem Netz nach Informationen gefischt wird und manches hängen bleibt, das man gar nicht erwartet hat.

Ob Geschichte oder Story - dass eine mitreißende Erzählung eine hohe Wirkung entfalten kann, ist nichts Neues. Der Erkenntniswert des Buches liegt auch nicht im 'dass' sondern im 'wie'. Die Autoren zeigen auf überzeugende Weise, wie man eine richtig gute Geschichte baut.

Man folgt ihnen gerne in ihrem Ansatz, dass das Denken in Geschichten und das Arbeiten mit Geschichten eine spannende und höchst wirkungsvolle Sache sein kann. Die durchdachte Textstruktur sowie übersichtliche Grafiken und gute Arbeitsanleitungen erhöhen das Lesevergnügen.

Fazit: Wer Anleitung zum Storytelling sucht oder seine diesbezüglichen Fähigkeiten verbessern möchte, findet hier den richtigen Leitfaden.
Quelle: Training aktuell 01/07, Januar 2007
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