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Rezension: Innovative Beratungskonzepte

Die Branche der Unternehmensberatung verzeichnete über zehn Jahre bemerkenswerte Wachstumsraten auf dem deutschen Markt. Mittlerweile stagniert der Umsatz - wenn auch auf hohem Niveau. Einen wichtigen Grund dafür sieht Dr. Michael Mohe in der Vielzahl neuer Beratungsangebote, die der klassischen Unternehmensberatung zunehmend Konkurrenz machen.

Der Juniorprofessor für Business Consulting an der Universität Oldenburg hat ermittelt: Zusammengenommen generieren die neuen Angebote einen Jahresumsatz, der ebenso hoch ist wie der der klassischen Beratungsbranche - nämlich rund sechs Milliarden Euro.

In dem von Mohe herausgegebenen Buch 'Innovative Beratungskonzepte' werden zehn dieser 'neuen Methoden' von 16 Experten vorgestellt. Doch um wirklich neue Methoden handelt es sich nicht. Vielmehr geht es um - zumindest unter Beratern - bekannte Konzepte wie Coaching (vorgestellt durch die Herausgeberin der Zeitschrift 'Organisationsberatung, Supervision, Coaching', Astrid Schreyögg), Evolutionäre Organisationsberatung (Sonja Radatz, Herausgeberin der Zeitschrift 'Lernende Organisation'), Systemische Beratung oder Unternehmenstheater.

Die Autoren erklären die Entstehung dieser Konzepte, stellen einzelne Methoden vor und zeigen Einsatzmöglichkeiten wie Grenzen der Beratungsmodelle auf. Für den Neuling im Beratergeschäft bieten diese Ausführungen sicherlich einiges Interessantes, dem erfahrenen Berater indes wohl wenig Neues.

Interessant wird das Buch für den erfahrenen Berater jedoch an den Stellen, wo die Autoren Ausblicke auf die künftige Entwicklung der einzelnen Beratungsformen im Speziellen und des Marktes der Beratung im Allgemeinen liefern. So prophezeit etwa Torsten Groth, Trainer am Managementzentrum Witten, dass die Zukunft der Organisationsaufstellung in den Bereichen Kunden-, Marken- und Strategieaufstellungen liegen wird. In diesen Bereichen seien enorme Wachstumsraten zu erwarten.

Die Zukunftsfähigkeit der von Mohe beschriebenen Methode der Meta-Beratung ist dagegen ungewiss. Bei dieser 'Beratungsform der zweiten Ordnung' wird der Klient im professionellem Umgang mit Unternehmensberatung unterstützt. Ein Bedarf an Meta-Beratung ist laut Mohe zwar vorhanden, praktiziert wird Meta-Beratung bisher aber kaum. Zudem ergebe sich aus Klientensicht folgendes Problem: Für die Auswahl einer Meta-Beratung bräuchten die Klienten per se eine Meta-Meta-Beratung, für diese wiederum eine Meta-Meta-Meta-Beratung usw. Dies sei ein nicht aufzulösender 'infiniter Regress'.

Insgesamt sehen die Autoren eine Tendenz des Beratermarktes zur Abkehr von der Spezialisierung. Es werden sich ihrer Meinung nach verstärkt multikompetente Anbieterteams zusammenfinden, die unterschiedliche Beratungsformen anbieten und zudem auf der Grundlage bewährter Denk- und Wertemodelle in der Beratung neue Methoden kreieren werden.

Mit dieser Entwicklung einher geht laut den Autoren auch die Auflösung der klassischen Trennung in Fach- und Prozessberatung. Während bei der Fachberatung, wie etwa McKinsey oder Kienbaum sie anbieten, die Berater fertige Lösungen für identifizierte Probleme präsentieren, wird in der Prozessberatung davon ausgegangen, dass das gesamte Know-how zur Lösung der Probleme im Unternehmen bereits vorhanden ist. Eine Verschmelzung dieser beiden Beratungstypen ist laut den Autoren abzusehen. Der Markt der Beratung werde weiter (zusammen-)wachsen, so die Quintessenz der Lektüre.

Fazit: Für Neulinge auf dem Beratermarkt eine gute Methodenübersicht. Der erfahrene Berater indes erfährt Spannendes über künftige Entwicklungen auf dem Markt der Beratung.

Von Michael Mohe (Hrsg.), 319 S., geb., Rosenberger Fachverlag, Leonberg 2005, ISBN 3-931085-51-1, 39,80 Euro.
Autor(en): (ama)
Quelle: Training aktuell 01/06, Januar 2006
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