Medien

Rezension: Handbuch Kompetenzmessung

Opus, SOKO oder PERLS - was nach Kunst, Krimiserie oder Feinwaschmittel klingt, steht tatsächlich für Instrumente zur Kompetenzmessung. Solche Tests werden immer beliebter, denn Unternehmen geben sich schon lange nicht mehr damit zufrieden, Bewerbern und Mitarbeitern mit Intelligenztests auf den Zahn zu fühlen. Sie suchen nicht nur schlaue Angestellte, sondern setzen auch Management-, Selbstlern-, Medien-, Konflikt-, interkulturelle und soziale Kompetenzen voraus und verlangen jede Menge anderer Qualifikationen. Wie aber misst man etwas so schwer Fassbares? Leichter beantworten lässt sich die Frage nach Lektüre des 'Handbuchs Kompetenzmessung'.

Bei dem von John Erpenbeck und Lutz von Rosenstiel herausgegebenen Werk handelt es sich um einen kolossalen Wälzer, in dem 50 Tests - meist vom Autor des Verfahrens selbst - theoretisch und methodisch eingeordnet, im Hinblick auf Objektivität, Reliabilität und Validität eingeschätzt sowie in ihrem Ablauf vorgestellt werden. Auch kritische Punkte kommen zur Sprache: So erfährt der Leser, wo es bei einem Verfahren (noch) hakt bzw. wo die Grenzen des Tests liegen. An eine von den Herausgebern vorgegebene Rasterdarstellung schließt sich jeweils eine freie Beschreibung der Methode an, in der die Autoren nach eigenem Gusto unterschiedliche Schwerpunkte setzen und auch unterschiedlich weit ausholen.

Der besseren Übersichtlichkeit halber haben die Herausgeber die Tools in Gruppen unterteilt: Neben Verfahren zur Erfassung von Einzelkompetenzen und Kompetenzkombinationen, Instrumenten zum Erstellen von Kompetenzbilanzen und Verfahren zur Erstellung übergreifender Kompetenzgitter werden einige Instrumente aus dem Ausland vorgestellt. Die Idee, einige Tools unter dem Stichwort 'kommerzielle Anbieter' zusammenzufassen, ist allerdings etwas suspekt, werden doch die meisten in den übrigen Kapiteln vorgestellten Verfahren ebenfalls kommerziell angeboten. Der Mangel an Logik in diesem Punkt wird jedoch wettgemacht durch die ansonsten sowohl detaillierte als auch übersichtliche Darstellung.

Inhaltlich stellt das Buch den Leser indes vor Herausforderungen: Leser, für die Koeffizienten, Konsistenzen und Korrelationen spanische Dörfer sind, dürften das Werk wohl schon bei der Lektüre des ersten Kapitels ermattet zur Seite legen, diskutieren und definieren die Herausgeber darin doch den Kompetenzbegriff in durchweg wissenschaftlichem Stil. Gerade die akademische Akribie - an die Vorstellung jedes Instruments schließt sich z.B. eine Literaturliste an - macht das Buch aber auch zu einem fundierten Standardwerk, das sichere Orientierung im Wust der Testverfahren bietet.

Fazit: Ein inhaltlich fundiertes Buch für kompetente - sprich: im Hinblick auf diagnostische Verfahren nicht ganz unbedarfte - Leser.

Von John Erpenbeck und Lutz von Rosenstiel (Hrsg.), 641 S., geb., Schäfer Poeschel-Verlag, Stuttgart 2003, ISBN
3-7910-2106-0, 49,95 Euro.
Autor(en): (jum)
Quelle: Training aktuell 10/03, Oktober 2003
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