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Rezension: Handbuch Bildung, Training und Beratung

Auch wenn die Bezeichnung 'Handbuch' es vermuten lassen könnte: Ein 'Kochbuch' mit Rezepten für die Bildungsarbeit haben Karl F. Meier-Gantenbein und Thomas Späth mit ihrem Kompendium 'Handbuch Bildung, Training und Beratung' nicht geliefert. Denn Rezepte, so die Überzeugung der beiden Trainer, können nur so lange verwendet werden, wie die Rahmenbedingungen unter denen sie geschrieben wurden, sich nicht verändern. Die Anforderungen an Weiterbildner wandeln sich aber permanent, der Nutzen von Rezepten ist der Logik der Autoren folgend damit zeitlich stark begrenzt.

Langfristigen Nutzen indes versprechen die Herausgeber ihren Lesern durch die in ihrer Lektüre dargestellten 'wichtigsten Konzepte der Erwachsenenbildung'. Wer in allen zehn von ihnen firm ist, der soll in der Lage sein, stets bedarfsgerechte eigene Rezepte für Weiterbildungseinheiten zu kreieren.

Für die Vorstellung der Konzepte konnten Gantenbein und Späth sechs weitere Praktiker aus der Weiterbildung gewinnen. Entsprechend kurz fallen die Schilderungen der theoretischen Hintergründe und zur Entstehungsgeschichte aus. Dennoch erfährt der Leser hier einiges Interessantes. Bezüglich des Konzepts der Hirnforschung z.B., dass schon die griechischen Philosophen Hippokrates und Platon die mentalen Prozesse im Gehirn anzusiedeln wussten, während Aristoteles das Organ nur als eine Art 'Kühlaggregat' für das Herz verstand. Im Kapitel 'Handlungslernen' indes wird beschrieben, dass bereits John Locke und Jean-Jacques Rousseau die Lehrer ermahnten, weniger Frontalunterricht durchzuführen und die Schüler mehr praktisch üben zu lassen.

Den einzelnen Methoden der Weiterbildungs-Konzepte widmen sich die Autoren hingegen sehr ausführlich. Dezidiert stellt etwa die Trainerin Sabine Mara Roth im Kapitel 'Kommunikation' das Kommunikationsquadrat von Friedemann Schulz von Thun vor. Zudem zeigt die Trainerin auf, wie sich dieses im Seminar zu dem Zweck einsetzen lässt, um zu verdeutlichen, dass ein und dieselbe Aussage von Empfänger zu Empfänger mitunter völlig unterschiedlich verstanden wird.

Um Kommunikation geht es auch im Kapitel 'NLP'. Die NLP-Lehrtrainer Carlos Manuel da Silva Costa Salgado und Thomas Späth schildern u.a., wie mittels der NLP-Methoden Pacing und Leading eine gemeinsame Kommunikationsebene von Trainer und Teilnehmer geschaffen werden kann. Viele Übungen gibt es ferner zu den Theorie-Konzepten des Konstruktivismus und der Systemtheorie. Während zu Ersterem etwa gezeigt wird, wie kognitive Landkarten entworfen werden, geht es in Letzterem um Paradoxe Interventionen, Aufstellungsarbeit und die Tetralemma-Methode.

Abgerundet werden die Vorstellungen der Weiterbildungsansätze und ihrer Methoden durch kurze Bewertungen sowie eine Einordnung in die Bildungslandschaft. Wenig überraschend ist dabei, dass alle Autoren das von ihnen vorgestellte Konzept - mit dessen Methoden sie überwiegend selbst arbeiten - als besonders bedeutsam einstufen. Aussagekräftiger wäre sicher eine vergleichende Bewertung der einzelnen Konzepte durch die Herausgeber Meier-Gantenbein und Späth ausgefallen.

Fazit: Der Leser erfährt nicht nur viel Spannendes über die Entstehung zentraler Konzepte in der Weiterbildung. Er findet auch viele ihrer Methoden im Buch derart anschaulich dargestellt, dass er sie selbst im eigenen Seminar verwenden kann.

Von Karl F. Meier-Gantenbein und Thomas Späth (Hrsg.), 318 S., geb., Beltz, Weinheim 2006, ISBN 3-407-36441-5, 39,90 Euro.
Autor(en): (ama)
Quelle: Training aktuell 06/06, Juni 2006
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