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Rezension: Führen mit Coaching

Von Ruth Hellmich, 118 S., brosch., Business-village, Göttingen 2006, 21,80 Euro.

In der Arbeitspsychologie unterscheidet man grob zwischen zwei Führungsstilen: dem autoritären und dem situativen. Bei Ersterem kommen detaillierte Angaben 'von oben', bei Letzterem wird der Mitarbeiter an der langen Leine gelassen. Die situative Führungskraft konzentriert sich darauf, die Teamfähigkeit, die Flexibilität und das Verantwortungsbewusstsein ihrer Mitarbeiter zu fördern. Sie führt im Gegensatz zur autoritären Führungkraft, die vor allem das Arbeitsergebnis im Blick hat, mitarbeiterorientiert.

Für eine zeitgemäße mitarbeiterorientierte Führung ist nach Überzeugung von Ruth Hellmich Coaching-Kompetenz Voraussetzung. Denn gleich einem Coach sollte die Führungskraft auch Entwicklungshelfer ihrer Mitarbeiter sein, sagt die Trainerin in ihrem neuen Buch. Dazu bedürfen Führungskräfte zuerst einmal einem 'praxistauglichen Grundverständnis' über die menschliche Psyche: Sie müssen laut Hellmich erkennen können, mit welchen Persönlichkeitstypen sie es zu tun haben. Neigt ein Mitarbeiter beispielsweise eher zu Distanz und legt Wert auf Autonomie und Freiheit? Oder weist er ein so genanntes Wechselverhalten auf? Dann lässt er sich am ehesten dadurch motivieren, dass er permanent neue Aufgaben gestellt bekommt und regelmäßig in andere Abteilungen versetzt wird. Um ihn zu begeistern, sollte man ihm die Möglichkeit geben, sich mit Innovationen zu beschäftigen.

Hellmich rät Führungskräften, in Coaching-Gesprächen mit den Mitarbeitern herauszufinden, wie diese ticken, welche Ziele sie antreiben und welche Hindernisse im Arbeitsleben sie blockieren. Für diese Gespräche stellt sie Fragetechniken und Zielentwicklungstools vor und zeigt, wie Themen nach Priorität bewertet werden können. Läuft während des Coaching-Gesprächs etwas schief, findet der Leser Anregungen im Kapitel 'Kritik in Feedback umwandeln'.

Wie solche Coaching-Gespräche in der Praxis aussehen können, zeigt Hellmich anhand von simulierten Gesprächen über klassische Themen wie Kundenbeschwerden, Teamprobleme oder Überforderung. Die vielen Beispiele erhöhen den Praxiswert des Buches. Schade ist allerdings, dass die Autorin keine Mustersituation entwickelt hat, die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch spinnt.

Nichtsdestotrotz liefert das Buch eine hervorragende Basis für Führungskräfte, die ihre Mitarbeiter coachen (möchten). Sie finden gut umsetzbaren Rat, in gut strukturierter Form dargeboten. Die Seiten sind zweispaltig beschrieben, und zentrale Aussagen sind in kleinen Cartoons bildlich auf den Punkt gebracht.

Fazit: Nicht nur für Führungskräfte ist das Buch ein nützlicher Ratgeber. Auch Coaches, die Führungskräfte dabei unterstützen wollen, zum Coach ihrer Mitarbeiter zu werden, ist das Buch zu empfehlen.
Autor(en): (Dagmar Seidel)
Quelle: Training aktuell 03/07, März 2007
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