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Rezension: Birkenbihl on Management

Der brillante Manager besitzt ein Gespür für das Unternehmen, weiß, wie es tickt, und nimmt Misstöne wahr, bevor sie sich negativ in der Bilanz niederschlagen. Der erste Schritt zu dieser hohen Weihe des Managements ist die schlichte Einsicht 'Irren ist menschlich - managen auch'. Mit diesem Untertitel bringt Vera F. Birkenbihl die Grundthese ihrer Lektüre 'Birkenbihl on Management' auf den Punkt: Wer erfolgreich führen will, muss seinen Fokus auf den Menschen mit seinen typischen Denk- und Verhaltensweisen legen. Mithin streift die Expertin für gehirngerechtes Arbeiten im ausführlichen ersten Kapitel durch die klassischen mitarbeiterkonzentrierten Führungstheorien bzw. greift Elemente dieser Theorien heraus. Aufgabenorientierte Management- und Führungstheorien werden - mit Ausnahme eines kurzen Exkurses in den Taylorismus - konsequent außen vor gelassen.

Ohne den Leser mit viel theoretischem Hintergrund zu belasten, gelingt es der Autorin nicht nur, wesentliche Kerngedanken der Theorien darzustellen, sondern auch Handlungsanweisungen für den Manager abzuleiten. An einigen Stellen kratzt Birkenbihl allerdings nur an der Oberfläche, wo größerer Tiefgang angebracht wäre.

So z.B. bei der kurzen Darstellung Leon Festingers Theorie der Kognitiven Dissonanz. Als zentrale Conclusio aus Festingers Überlegungen zieht Birkenbihl die Feststellung: 'Menschen, die unsere Aussagen ablehnen, leiden.' Im Sinne Festingers sind es jedoch nicht externe differierende Meinungen, die Stressgefühle im Menschen auslösen, sondern eigene Einstellungsmuster, die nicht kongruent zueinander sind. Aussagen anderer, die nicht zu den eigenen Anschauungen passen, werden laut Festinger einfach von vornherein abgelehnt bzw. erst gar nicht wirklich wahrgenommen (selektive Wahrnehmung); Leidensdruck erzeugen sie allerdings nicht.

In den anschließenden Kapiteln beleuchtet Birkenbihl Managementthemen wie Mitarbeiterbeurteilung, Motivation und Selbstmanagement und zeigt Erfolg versprechende Instrumente und gefährliche Fallstricke auf. Im Rahmen ihrer Handlungsanweisungen liefert sie Antworten auf Fragen zum Thema Gruppendynamik, mit denen sich wohl die meisten Manager mitunter quälen: Wie viele Teilnehmer hat das ideale Meeting? Warum dauern manche Meetings so lange? Und wie geht man mit Killerargumenten um?

Besondere Bedeutung misst die Autorin dem Thema Wissensmanagement zu. Denn alle sechs Jahre verdoppelt die Menschheit ihr Wissen, so Birkenbihl. Ständiges Lernen und Lehren sowie ein geordneter Umgang mit der rasant steigenden Infoflut werde daher zu einem immer wichtigeren Erfolgsfaktor in der Unternehmenswelt.

Birkenbihls Managementhandbuch besitzt aufgrund der vielen Beispiele, der bildhaften Sprache und der zahlreichen grafischen Darstellungen einen hohen Unterhaltungswert. Zur Berieselung oder als Bettlektüre ist das Werk dennoch nicht geeignet. Denn in zahlreichen Tests fordert die Autorin den Leser zur Interaktion auf, fragt Kenntnisse ab und regt zur Selbstreflexion an.

Eine große Stärke des Buches, die übersichtliche Darstellung der einzelnen Themen, wird durch die Schrift leicht getrübt. Zwar große, aber sehr eng gestellte, fett gedruckte Buchstaben machen konzentriertes Lesen über einen längeren Zeitraum anstrengend.

Fazit: Eine gute Führungshilfe für Personalverantwortliche.

Von Vera F. Birkenbihl, 280 S., geb., Econ Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-430-11203-6, 22,- Euro.
Autor(en): (ama)
Quelle: Training aktuell 05/05, Mai 2005
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