Know-how

Proaktives Bildungscontrolling: Per M.E.N.T.A.L.-Test den Trainingserfolg vorhersagen und beeinflussen

'Das klassische Bildungscontrolling greift zu kurz.' Mit dieser Überzeugung begab sich Dr. Stephan Buchhester, heute Personalentwickler der Autovision GmbH, Wolfsburg, vor einigen Jahren auf Forschungstour. Das Ergebnis seiner Analysen, die er durch Literaturstudien und umfassende Untersuchungen im Siemens-Konzern bestritt, ist ein völlig neuer Ansatz zum Bildungscontrolling. Dessen Kernelement besteht aus einem Kurz-Test namens M.E.N.T.A.L.

Mit Hilfe dieses Testes lassen sich laut Buchhester entscheidende Kennzahlen für das Bildungscontrolling bereits vor dem Start einer Personalentwicklungsmaßnahme erheben. 'Mit den gewonnenen Kennzahlen können Sie den Grad des Seminarerfolges vorhersagen', schildert Buchhester den Nutzen seines Instrumentes.

Es geht also nach Buchhesters Ansatz nicht mehr nur darum, erst nach einem Training zu messen, was dieses in punkto Verhaltensänderungen, Geschäftserfolg und Return-on-Investment gebracht hat. Vielmehr gilt es zusätzlich, vor einem Training zu ermitteln: Hat die Maßnahme in dieser Form bei diesem Mitarbeiter und unter diesen Voraussetzungen den gewünschten Nutzen? Wie wahrscheinlich ist dieser Nutzen? Und was muss das Unternehmen tun, damit das angepeilte Ziel noch wahrscheinlicher eintritt?

Der M.E.N.T.A.L.-Test, ein Fragebogen, der dem Mitarbeiter im Vorfeld eines Trainings vorgelegt wird, checkt zu diesem Zweck, ob und inwieweit beim Mitarbeiter die drei wesentlichen Erfolgsfaktoren für ein Seminar vorliegen. Buchhester nennt diese Faktoren, die er als entscheidend identifizierte, 'Input-Faktoren'. Zu ihnen zählen:

1. Personenmerkmale. Hierzu gehört neben einer positiven mentalen Einstellung zum Seminar vor allem die Überzeugung des Mitarbeiters, durch eigenes Handeln tatsächlich maßgeblich sein Umfeld zu gestalten (Kontrollüberzeugung). 'Wer alles dem Schicksal zuschiebt oder glaubt, andere Abteilungen bestimmen das eigene Arbeitsumfeld, wird sich mit einem Seminar zur Änderung des Arbeitsverhaltens schwer tun', erklärt Buchhester zu diesem Punkt.

2. Organisationsmerkmale. Hierzu zählt neben der Unterstützung des Seminars durch die Führungskraft und deren transferförderndem Verhalten vor allem die Bindung des Mitarbeiters an seine Aufgaben und sein unmittelbares Tätigkeitsfeld (Involvement).

3. Zielvereinbarungen. Dieser Faktor betrifft die Absprache, was mit dem Seminar erreicht werden soll und auf welcher der vier Transferebenen nach Donald Kirkpatrick (in von Buchhester leicht abgewandelter Form: Teilnehmerreaktion/Zufriedenheit, kurzfristig-unmittelbarer Transfer, langfristige Verhaltensänderung, (Geschäfts-)Ergebnis) ein Erfolg erzielt werden soll.

Mit dem M.E.N.T.A.L.-Test soll der Mitarbeiter hierzu in 15 Minuten 69 Fragen beantworten, genauer: Auf einer sechsstufigen Bewertungsskala nimmt er Stellung zu Aussagen wie: 'Es hängt maßgeblich von meinen persönlichen Fähigkeiten ab, ob ich berufliche Misserfolge einstecken muss', 'Wenn ich arbeite, merke ich oftmals nicht, wie die Zeit vergeht' und 'Die Teilnahme an einer Weiterbildung stimme ich mit meiner Führungskraft längerfristig ab'.

Aus den Aussagen lassen sich Werte errechnen, die laut Buchhester Aussagen über den konkreten Seminarerfolg zulassen. Der Personalentwickler ist sich sicher: 'Wenn alle Vorfeld-Faktoren positiv sind, ist der Seminarerfolg zu 40 Prozent sicher gestellt.' Anders herum: Zeigt sich ein Faktor als verbesserungswürdig, sollten geeignete Maßnahmen ergriffen werden, bevor das geplante Seminar startet. Buchhester: 'Es kann z.B. sinnvoll sein, einen Mitarbeiter vor einem Führungstraining ein Persönlichkeitstraining absolvieren zu lassen.'

Der Test ist Ausfluss aus Buchhesters Dissertation zum Bildungscontrolling und wurde mit dem Bildungscontrolling-Experten Mario Gust aus Kleinmachnow 'entwissenschaftlicht', d.h. in eine für Personaler praktikable Form gebracht. Demnächst soll er im Netz abrufbar und als Kontingent oder Einzeleinsatz zu kaufen sein; Einzelheiten hierzu standen bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

Infos unter buchhester@c-public.de und im Praxishandbuch Bildungscontrolling (USP Publishing 2005, ISBN 3-937461-09-4).
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Quelle: Training aktuell 10/05, Oktober 2005
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