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Praxistest „Talk, Act & Connect“
Praxistest „Talk, Act & Connect“

Reden statt Ärgern

Kommunikation, Selbstreflexion und Empathie – das sind Fähigkeiten, die beim Spielen von „Talk, Act & Connect“ gefragt sind. Sie helfen dabei, mit Gruppenmitgliedern ins Gespräch zu kommen, erste Wesenszüge anderer zu erahnen und kleine Einblicke ins eigene Selbst zu gewähren – kurz: den Grundstein für echte Verbindungen zu legen.

Das Angebot

Ein bisschen erinnert „Talk, Act & Connect“ an „Mensch, ärgere dich nicht“: Es wird gewürfelt, mit einer farbigen Figur auf einem Spielfeld vorgerückt, sich gegenseitig überholt und wer als Erster das Ziel erreicht, gewinnt. Doch das war es dann auch schon an Parallelen zu dem bekannten Gesellschaftsspiel, das trotz des zur Gelassenheit auffordernden Titels meist nicht ohne Ärgern, Anschuldigungen, gehässigem Grinsen und „Ich rede nie wieder ein Wort mit dir“-Drohungen vonstatten geht. Ganz anders das Kommunikationsspiel, das so ziemlich in die entgegengesetzte Richtung abzielt – nämlich darauf, Gespräche und Austausch anzustoßen und, wie es in der Anleitung heißt, „Fragen zu beantworten, Challenges zu lösen, viel über sich selbst und andere zu erfahren und Spaß zu haben“.

TA-Check

Das Spiel kommt in einem praktischen Format, einem Karton der Größe DIN A5, daher. Es kann somit einfach in die Tasche gesteckt und mitgenommen werden. Neben einer Anleitung sind ein Augenwürfel, sechs Spielfiguren und 160 Spielkarten enthalten. Die Karten sind jeweils auf der einen Seite mit einem Motiv und auf der anderen mit einer oder mehreren Fragen und/oder Handlungsaufforderungen bedruckt.

Ich gehe die Anleitung durch. Der „klassische“ Spielverlauf ist schnell klar: Die Karten werden gemischt, mit der Motivseite nach oben gelegt und von den Mitspielenden so zusammengefügt, dass ein Spielfeld entsteht. „Start“- und „Ziel“-Karte markieren den Anfang und das Ende. Die Gruppenmitglieder würfeln anschließend abwechselnd, rücken mit ihren Figuren entsprechend vor, drehen die Karten um, auf denen sie landen, und beantworten die Fragen bzw. befolgen die Handlungsanweisungen.

Als etwas irreführend empfinde ich den in der Anleitung aufgeführten Kasten „Talk, Act & Connect“, da er denselben Titel wie das Spiel trägt, jedoch unter der Überschrift „Spielvariationen“ abgebildet ist. Beim Lesen stelle ich fest, dass es sich tatsächlich um einen alternativen Spielverlauf handelt, bei dem die Fragen auf den Karten entweder beantwortet (talk), pantomimisch nachgespielt (act) oder aus der Perspektive eines Mitspielers bzw. einer Mitspielerin (connect) beantwortet werden.

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Neben dieser Spielvariante sind noch zahlreiche weitere Nutzungsmöglichkeiten aufgeführt (als Spiel- oder Karten-Solo-Variante, in der entweder nur die Bildmotive oder nur die Fragen zum Einsatz kommen, als Spiel mit reduziertem Kartenset etc.). Dass das Spiel so vielfältig und individuell eingesetzt werden kann, kommt mir zugute: Ursprünglich für den Einsatzbereich „Psychotherapie“ und die Zielgruppe „Jugendliche“ und „junge Erwachsene“ konzipiert, möchte ich es gerne mit zwei ausgewachsenen Kolleginnen in einer Teamsituation testen. Ich komme zu dem Schluss, dass das einfach möglich ist, indem ich den klassischen Spielverlauf wähle und Fragen, die zu sehr ins Detail gehen oder um Themen wie Sucht, Kindheit, Ängste und Sexualität kreisen, aussortiere. Übrig bleiben 45 Karten mit Fragen wie „Machst du dir häufig Gedanken über deine Zukunft?“, „Wie ist deine Einstellung zu den sozialen Medien?“ oder „Sind Glaubenssätze hilfreich?“.

Es geht los. Da die jüngste Spielerin beginnt, startet eine meiner Kolleginnen die Partie. Sie würfelt eine Drei und landet mit ihrer Figur auf einer Motivkarte, auf der eine Palme abgebildet ist. Unweigerlich stellen wir uns die Frage, welches Thema sich hinter diesem Motiv verbirgt – Urlaub? Reisen? Auszeit? Weit gefehlt. Es geht vielmehr darum, was einen so „richtig auf die Palme“ bringt und wie man von dieser wieder runterkommt. Von dem Recht, die Frage nicht zu beantworten und stattdessen die vorgerückten Felder wieder zurückzugehen, macht meine Kollegin keinen Gebrauch. Sie beantwortet die Frage und gibt zudem noch pantomimisch zum Besten, wie sie auf eine Palme klettert – befolgt somit einen „Act“, der sich auf manchen Karten zusätzlich zu den Fragen findet.

Im Uhrzeigersinn geht es weiter. Wir würfeln nacheinander, rücken vor und grübeln über Motive sowie die möglichen Themen dahinter nach. Nicht immer liegen wir so falsch wie mit der Palme. Wir identifizieren zum Beispiel richtig, dass es sich bei Pinocchio um das Thema Lügen und bei einer Frau, die das Gesicht verzieht, um Ekel handelt. Und dann passiert es plötzlich: Zwei Figuren landen auf demselben Feld. Ein Grund zum Ärgern ist jedoch selbst das nicht. Denn hier herrscht das Prinzip der friedlichen Koexistenz. Die Karte wird einfach noch einmal beantwortet.

Im Test

  • Produkt: Talk, Act & Connect
  • Anbieter: Beltz Verlag
  • Preis: 50 Euro
  • Link: bit.ly/3Cx5WKz

Nach einer halben Stunde haben wir noch etwa sechs Karten vor uns. Da wir langsam zum Schluss kommen möchten, entscheiden wir, dass wir die Runde noch zu Ende spielen. Gewonnen hat die Mitspielerin, die dann vorne ist – was letztlich ich bin. Als Siegerin fühle ich mich aber trotzdem nicht, da es bei dem Spiel gar nicht ums Gewinnen oder Verlieren geht. Jede/r gibt etwas von sich preis und erfährt etwas über die anderen Mitspielenden. Da spielt es keine Rolle, wer am Ende als Erste die Zielkarte erreicht.

TA-Eindruck

Das Spiel hält, was es verspricht: Es wird viel getalkt, geactet und connectet. Ich erfahre zum Beispiel, dass meine eine Kollegin der „Fantasy-Abenteuertyp“ und ein absoluter Harry-Potter-Fan ist und dass die andere Kollegin in ihrer Freizeit gerne neue Rezepte ausprobiert und ihr Handy auch mal weglegt – trotz Zugehörigkeit zur Gen Z. Und auch mit Blick auf mich selbst wird mir mal wieder einiges klar: Ich kann nicht gut lügen, blicke eher besorgt in die Zukunft und erkenne in meinen Freunden und meiner Familie meine wichtigsten Ressourcen. Die Fragen helfen dabei, sich selbst zu reflektieren und mit anderen in Kontakt zu kommen, da sie Gesprächsstoff liefern, an den man später anknüpfen kann.

Das Spiel eignet sich daher besonders für den Einsatz als Eisbrecher in Trainings oder als lockeres Spiel im Rahmen einer Teambuilding-Maßnahme. Nimmt man die etwas tiefergehenden Fragen zum Selbstverständnis mit in die Kartenauswahl auf, kann es auch in einem intensiven One-on-One-Coaching eingesetzt werden. Geachtet werden sollte jedoch immer darauf, dass sich die Mitspielenden bei der Beantwortung der Fragen nicht unwohl fühlen. Manche Fragen – z.B. zu Stärken und Schwächen – erinnern an Bewerbungsgespräche und werden nicht von allen Mitspielenden als angenehm empfunden. Zudem wird teilweise Spontaneität gefordert – etwa, wenn es darum geht, eine Geschichte zu erzählen, in der etwas wahr und etwas gelogen ist. Besonders introvertiertere Menschen könnten sich hier schnell überfahren fühlen.

TA-Fazit

Kartenset mit vielen Einsatzmöglichkeiten, das Gesprächsstoff liefert, zur Selbstreflexion einlädt und dabei noch Gesellschaftsspielcharakter hat – und ganz ohne Ärgern funktioniert.

Die Autorin: Sarah Lambers

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