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Neues Coaching-Instrument nutzt den morgendlichen Gedankenstrom

Eine neue Interventionsform für das angeleitete Selbstcoaching hat die Perspektivenwechsel GmbH, Lützelburg, mit der Cahier®-Methode entwickelt. Vorgestellt worden ist sie beim Coachingkongress Anfang November 2003 in Wiesbaden (siehe Meldung S. 2).
Wie der Name andeutet - Cahier heißt so viel wie Schreibheft - spielen handschriftliche Aufzeichnungen eine zentrale Rolle. Sie sollen Aufschluss darüber geben, welche Gedanken sich eine Person zu einem zuvor definierten Problem - dem Coaching-Anliegen - macht, welche Lösungen ihr einfallen und welche Themen sie ansonsten beschäftigen.
Das Verfahren im Einzelnen: Etwa 14 Tage lang schreibt der Coachee jeden Morgen unmittelbar nach dem Aufwachen alles auf, was ihm in den Sinn kommt. Wichtig ist, dass der spontane Gedankenstrom unverfälscht notiert wird. Weder müssen die Gedanken unmittelbar etwas mit dem Anliegen zu tun haben, noch sollen sie vom 'inneren Zensor' beschnitten werden. 'In der Phase der Entspannung entstehen Gedanken, die mit dem Anliegen verstrickt sein können', erklärt Schlieper-Damrich den Sinn der frühmorgendlichen Aktivität. Die Methode gebe Gelegenheit, verwobene Themen parallel zu behandeln.
Die Notizen werden in separaten datierten Umschlägen aufbewahrt, um zu verhindern, dass der Coachee zwischendurch überprüft, welche Gedanken er z.B. an den Tagen zuvor hatte. Erst zum Schluss sieht er die gesammelten Aufzeichnungen durch. Was davon der Coach zu Gesicht bekommt, entscheidet der Coachee allein. Die Möglichkeiten zur Analyse sind laut Ralph Schlieper-Damrich, Inhaber von Perspektivenwechsel, vielfältig. Es kann z.B. untersucht werden, an welchen Tagen sich der Bezug zum Anliegen verändert hat, warum die Wortwahl variiert oder welche Themen überraschen.
Durchgeführt werden kann die Methode zwar auch allein, dennoch warnt Schlieper-Damrich vor einem Verzicht auf professionelle Begleitung. Längst nicht jedes Anliegen sei geeignet, und bei traumatisierten Personen oder tief sitzenden Ängsten könne die Anwendung sogar gefährlich sein. Für ihn ist die Cahier-Methode® ein möglicher Baustein in einem umfassenden Coachingsprozess.
Abgeguckt hat sich Perspektivenwechsel das Verfahren übrigens bei dem französischen Schriftsteller Paul Valéry (1871-1945), der 'Cahiers' führte, um persönliche Krisen zu überwinden. Bei ihm führte das zur dauerhaften Selbstreflexion und löste Erkenntnisprozesse aus. Dass die Methode auch bei zeitgenössischen Anwendern wirkt, bestätigt eine Diplomarbeit vom Lehrstuhl für Pädagogik an der FH Ludwigsburg.
Autor(en): (aen)
Quelle: Training aktuell 12/03, Dezember 2003
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