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Manager müssen ihre ethische Verantwortung ernst nehmen

Falsch managen, massenhaft entlassen und dabei exorbitantes Gehalt beziehen - so sieht derzeit das Bild des deutschen Managers in der Öffentlichkeit aus. Das weiß auch der Deutsche Manager-Verband e.V. (DMV), und er versucht gegenzusteuern: u.a. durch den Anstoß einer Wertediskussion unter seinen Mitgliedern. Training aktuell sprach mit dem DMV-Vorstandsvorsitzenden Rainer Willmanns.

Herr Willmanns, Meldungen über Missmanagement der Führungskräfte, über horrende Managementgehälter und über Produktionsverlagerungen ins Ausland sind schon fast an der Tagesordnung. Befindet sich das deutsche Management in der Krise?

Rainer Willmanns: Die Tat einer Hand voll Verantwortlicher bei Mannesmann, Vodafone und Deutscher Bank löst noch keine allgemeine Krise im deutschen Management aus. Von Gewicht ist jedoch der Stab, den nun die Bürger pauschal über Wirtschaftslenker brechen. Die Menschen haben das Vertrauen in die Führungskräfte verloren, und somit liegt das öffentliche Ansehen eines ganzen Berufsstandes danieder.

Was unternimmt der DMV, um das Image der deutschen Manager wieder aufzupolieren?

R. Willmanns: Es geht nicht darum, etwas aufzupolieren! Es geht darum, einen Bewusstseinsprozess anzustoßen sowohl in der Bevölkerung als auch bei den Wirtschaftslenkern. Die Bevölkerung muss aufgeklärt werden über die knallharte Situation in den Chefetagen. Darüber hinaus diskutieren die Mitglieder des DMV während der 'ManagerEvents' des Verbandes intensiv über gesellschaftspolitische Themen wie 'Führen mit sozialer Verantwortung', 'Leiten und Führen für und mit der Belegschaft', 'Unternehmensentwicklung und Zukunftsperspektiven zur Arbeitsplatzwahrung' usw. Es ist wichtig, dass die Verantwortlichen ihre ethische Verantwortung ernst nehmen! Letztlich nutzen die DMV-Mitglieder auch spezielle Coachings, um den gerade beschriebenen Weg effektiv angehen zu können.

Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen den Vorgängen in den Chef-Etagen und der hohen Arbeitslosigkeit?

R. Willmanns: Nein, so kann man das nicht sagen. Die Thematik ist deutlich zu komplex. Aber: Wenn Rendite-Rechner auf erreichtes Wachstum zeigen, den höheren Gewinn mit besseren Dividenden belohnen und gleichzeitig zur Erreichung dieser Gewinne tiefe Einschnitte in die Belegschaft vornehmen, dann ist das Irrsinn pur. Diesen monetären Vorteil auf Kosten der entlassenen Mitarbeiter zu feiern stellt massiv die Frage nach den Werten in unserer Gesellschaft. Ertrag, Rendite und Gewinn, - diese Faktoren müssen stimmen, aber nicht einseitig auf Belegschaftskosten.

Beschäftigt sich der Manager-Verband mit Strategien gegen die Arbeitslosigkeit?

R. Willmanns: Vor gut einem Jahr haben wir Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement angeboten, in Kooperation mit dem DMV eine Open-Space-Konferenz zur Beseitigung der Massenarbeitslosigkeit mit verantwortungsbewussten Menschen aus Wissenschaft, Wirtschafts- und Arbeitsleben überparteilich durchzuführen. Dies wäre eine gute Gelegenheit gewesen, ggfs. auch Teile der Agenda 2010 auf die Schulter einer breiten Öffentlichkeit zu stellen und endlich für einen Ruck nach vorne in der Gesellschaft zu sorgen. Das Kanzleramt jedoch reagierte mit Ablehnung. Die Aufgabe erschien zu komplex, zu unkalkulierbar ob der Folgen. Frei nach dem Motto: Die Geister, die ich rief... Was jedoch funktioniert, ist das konzentrierte Arbeiten und Entwickeln von Lösungsschritten und Umsetzungsvarianten der Wertediskussion.

Was wurde denn im Rahmen der Wertediskussion bereits erreicht? Gibt es konkrete Konzepte bzw. Lösungsvorschläge?

R. Willmanns: Konkret kann ich dazu noch nichts sagen. Nur so viel: In den nächsten Monaten wird der DMV seine Lösungsvorschläge zum Wertemanagement vorlegen.
Autor(en): (pwa)
Quelle: Training aktuell 01/05, Januar 2005
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