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Kunst in Training und Beratung: Eine Frage der Wahrnehmung

Der Einsatz von Kunst in der Personal- und Organisationsentwicklung ist zwar immer noch ungewöhnlich, aber im Kommen. Einer der Effekte von künstlerischen Aktionen im Training: Die Teilnehmer werden zu einem Perspektivenwechsel angeregt. Eingefahrene Denkmuster können so durchbrochen werden.

'Der Einsatz von Kunst im Bereich der Personal- und Organisationsentwicklung ist mehr als ein kurzzeitiger Trend.' Mit dem, was der Trainer Thorsten Blanke in seinem in 2002 erschienenen Buch 'Unternehmen nutzen Kunst' (Klett-Cotta, ISBN 3-608-94054-5) prognostiziert hat, scheint er Recht behalten zu haben: Zwei Jahre nach Erscheinen seiner Lektüre gibt es zunehmend mehr Trainer und Berater, die sich in ihren Workshops der Kunst bedienen.

Kunstaktionen für Teamtrainings

Insbesondere im Rahmen von Teamtrainings ist das Schaffen gemeinsamer Kunstwerke angesagt: Bei der Agentur AWZ GmbH, Ratingen, z.B. wird die Kommunikation der Teilnehmer untereinander durch das Bauen einer Skulptur aus Sand auf die Probe gestellt. Und Kunstschmied Heiner Zimmermann aus Pliezhausen will im übertragenen Sinne 'Teams zusammenschweißen', indem er diese anleitet, gemeinsam eine schmiedeeiserne Skulptur zu schaffen (vgl. TA 07/04, S. 19). Auch Brigitte W. Karasek versteht ihre 'Creative Art Meetings' als Beschleuniger für die Teamentwicklung. In erster Linie fertigen die Kunden der Wiener Kreativtrainerin abstrakte Gemälde an, um sich über Visionen, Ziele, Werte und Leitbilder im eigenen Unternehmen klar zu werden. Dabei kommt es laut Karasek schon mal vor, dass ein Unternehmen sich Drucke von dem geschaffenen Kunstwerk anfertigen lässt und diese im Hause aufhängt - quasi um die beschlossenen Ziele nicht aus den Augen zu verlieren.

Kunst berührt Tabuthemen

Die Identifikation der Trainingsteilnehmer mit ihrem 'Kunstwerk' ist der Erfolgsfaktor bei Seminaren mit kreativ-künstlerischen Aktionen schlechthin. Davon ist zumindest Andreas Goetz, Geschäftsführer von art e com, Augsburg, überzeugt. Seine Kunstseminare zu Themen wie Kommunikation, Kundenorientierung, Führung und Changemanagement werden von renommierten Unternehmen wie Audi, Bayer und Shell gebucht. Goetz hat die Erfahrung gemacht, dass die Teilnehmer meist eine starke innerliche Verbindung zu dem geschaffenen Kunstwerk entwickeln. Beim Transfer auf die Unternehmenspraxis entsteht laut Goetz somit u.a. die Chance, auch schwierige Themen bzw. Tabu-Themen anzusprechen.

Perspektivenwechsel mittels Kunst

Bevor es dazu kommt, ist es laut Goetz aber zunächst wichtig, den Teilnehmern den Zugang zur Kunst zu erleichtern. Bevor er seinen Teilnehmern die Pinsel in die Hand drückt, startet der gelernte Kunstpädagoge seine Seminare daher nicht selten mit einer Bildbetrachtung. 'Mittels Bildbetrachtung lässt sich die Wahrnehmung schulen', sagt Goetz. Indem die Teilnehmer ein Bild aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten, könnten sie an sich selbst beobachten, wie sich ihre Wahrnehmung von dem Bild verändert. Der Transfer auf den Unternehmensalltag liegt auf der Hand: Die Teilnehmer werden angeregt, die eigene Sichtweise über Arbeitsprozesse, berufliche Konflikte u.ä. in Frage zu stellen und offener für andere Meinungen zu werden.

Kunst zur Steigerung der Achtsamkeit

Das Thema vorurteilsfreie Betrachtung greift im Übrigen auch die IHK Emden auf. Seit Oktober 2003 hat sie das Seminar 'Kunst & Coaching' im Programm, bei dem die Teilnehmer u.a. in die Kunsthalle Emden entführt werden. Anders als der Titel vermuten lässt, handelt es sich jedoch nicht um ein Führungskräfteseminar. 'Angesprochen sind alle, die im Umgang mit sich und anderen aufmerksamer werden wollen', so Trainerin Annely Hüsen.
Autor(en): (pwa)
Quelle: Training aktuell 09/04, September 2004
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