Editorial

Krisengebiet Weiterbildung?

Prima Klima für die Weiterbildungsbranche hatten die Marktforschungsinstitute im Sommer prognostiziert. Gerade einmal vier Monate ist das her. Jetzt sind die Bankenkrise und der Börsencrash in aller Munde und von den großen Wachstumschancen für die Weiterbildner ist keine Rede mehr – im Gegenteil: Die Anbieter fürchten um ihr Geschäft. Dazu haben sie auch allen Grund: Unternehmen, die in eine finanzielle Schieflage geraten sind, müssen sparen. Und das tun sie gerne bei der Weiterbildung.

Wie schnell dieses Einsparpotenzial genutzt wird, machte der Konsumgüter-Konzern Henkel vor. Bis auf Weiteres haben die Düsseldorfer Weiterbildungsaktivitäten gestrichen, wie ein Unternehmenssprecher auf Anfrage von Training aktuell erklärte. Auswirkungen der Sparpolitik musste auch der Deutsche Bundesverband Coaching e.V. (DBVC) im Oktober 2008 erfahren: Bei seinem Coaching-Kongress waren einige Stühle leer geblieben. Der Grund? Einige angemeldete Gäste mussten Reisekosten sparen.

Schlechte Zeiten für die Weiterbildung, mag man anhand dieser Geschichten meinen. Doch gar so düster ist die Lage nicht. Generell sei die Dienstleistungsbranche und damit auch der Bildungsmarkt weniger konjunkturanfällig als beispielsweise die Konsumgüterindustrie, beruhigte beispielsweise der Deutsche Industrie- und Handelskammertag. Auch die Weiterbildner selbst blicken den kommenden Monaten gefasst entgegen. Die meisten rechnen damit, dass ihr Umsatz nur leicht zurückgehen wird.

Zur Weiterbildungskrise wird die Finanzkrise nicht führen, da sind sich die Marktbeobachter einig. Und dennoch: Eine Konsolidierung des Weiterbildungsmarktes ist wahrscheinlich. Zu den Gewinnern werden betriebliche Weiterbildner zählen, die ihren Kunden bei deren Gewinnmaximierung helfen – und ihren Beitrag durch kluge Evaluation belegen können.

Zu den Verlierern könnten Trainings mit starkem Erlebnischarakter zählen. Neue Angebote sind in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen. Um weiterbildungsmüde Manager zu erreichen, wurden Pferde gescheucht, Hunde geführt und bewaffnete Einsatzkommandos imitiert. Wenn Unternehmen ihre Weiterbildungsausgaben genauer unter die Lupe nehmen, wird die Nachfrage nach diesen Incentives mit großer Wahrscheinlichkeit einbrechen. Um manche Ideen wird es dabei schade sein, um andere nicht. Dass diejenigen Angebote, die den Nachweis ihrer Nützlichkeit schuldig geblieben sind, vom Markt verschwinden, kann einen positiven Effekt für die Branche haben: Als sinnloses und teures Entertainment muss sich die Weiterbildung dann nicht mehr vorführen lassen.

Autor(en): (Corinna Moser)
Quelle: Training aktuell 11/08, November 2008
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