Reflexion

Kolumne
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Reißleine statt Kaugummi

Manche Kundinnen und Klienten nicken Vorschläge zwar ab, wollen aber nicht mit den Konsequenzen leben. Folge: Der Prozess wird zäh wie Kaugummi. In diesem Klima lässt sich nichts erreichen, weiß Matthias Kolbusa aus eigener Erfahrung. Da hilft nur eins: rechtzeitig die Reißleine ziehen.

Manche Engagements machen einfach keine Freude. Man startet mit Feuereifer in die Herausforderung und stellt schon bei nächster Gelegenheit fest, dass das Schmiermittel zwischen einem selbst und dem Auftraggeber sehr zähflüssig ist. Oft passiert das gerade dann, wenn wir wirklich gut in unserem Job sind, und dem Gegenüber mit guten Gründen einiges mehr abverlangen, als sie oder er von sich aus aufgeben will. Schneller als gedacht ist die gemeinsame Überzeugung dahin, zusammen etwas Großartiges schaffen zu können. Ohne diese Überzeugung aber wird es schwierig mit dem Erfolg – und da ist es egal, ob wir als Berater ein Unternehmen reorganisieren, als Trainerin eine neue Methode einführen oder als Coach ein eingefahrenes Mindset ersetzen wollen.

Ich erinnere mich an einen jungen CEO, den ich mit einer unbequemen Wahrheit mit noch unbequemeren Folgen konfrontieren musste. Er nickte meine Vorschläge zwar ab, tat dies aber nur, weil er mir nichts entgegenzusetzen hatte. Ihm graute davor, sein widerspenstiges Führungsteam aus dem üblichen Trott zu reißen und auf Ergebnisorientierung und Geschwindigkeit zu trimmen.

„Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“, ist ein Phänomen, das alle irgendwann erleben, die Menschen oder Organisationen beim Wachstum unterstützen. Es kam so, wie es kommen musste: Aus den vom CEO befürchteten Widerständen seiner Mannschaft wurde ein Widerstand in ihm, den Prozess konsequent durchzuziehen. Das Projekt zog sich wie Kaugummi, was auch daran lag, dass er so ziemlich alles relativierte, was er hätte durchziehen sollen. Seine Skepsis wuchs, und zunehmend fand er Gründe, das Ganze immer mehr aufzuweichen.

Wir verheizen uns nervlich, wenn die Klienten und Kundinnen nicht mitmachen, wir uns aber permanent rechtfertigen müssen, warum nichts vorangeht. 

Rechtzeitig die Reißleine ziehen

Nach zwei von ursprünglich angesetzten sechs Monaten brachen wir das Engagement ab. Früher hätte ich zu seinem Besten versucht, das Projekt bis zum bitteren Ende durchzuziehen. Heutzutage ziehe ich rechtzeitig aus freien Stücken die Reißleine. Zum einen lässt sich in diesem Klima nichts erreichen. Zum anderen verheizen wir uns auch nervlich, wenn die Klienten und Kundinnen nicht mitmachen, wir uns aber permanent rechtfertigen müssen, warum nichts vorangeht. Diese Engagements kosten beide Parteien enorm viel Energie ohne Return. Wenn wir ehrlich sind, spüren wir doch schon zu Beginn, wenn einem Projekt kein Zauber innewohnt.

Aber wie leicht und mit wie viel Freude arbeiten wir an Themen, bei denen alle Beteiligten vom Willen beseelt sind, den erwünschten Zustand herbeizuführen. Unsere Kompetenz und unser Engagement werden wertgeschätzt, und zügig werden beachtliche Resultate erreicht. Vergessen wir nicht: Nur wenn wir Ergebnisse bringen, sind wir unser Geld wert. Und manchmal ist das Beste für den Kunden und für uns selbst, wieder getrennte Wege zu gehen.

Der Autor: Der Strategie- und Veränderungsexperte, Vortragsredner und Autor (jüngst: „Die Berater-Bibel“) Matthias Kolbusa berät Konzerne wie Daimler und die Telekom sowie High-Performance-Mittelständler. Als Kopf und Inhaber von Consulting Mastery teilt er sein Wissen in einer Online-Akademie, bei Live Events und in Vier-Augen-Coachings mit seinen Kolleginnen und Kollegen. Kontakt: kolbusa.de

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