Newsticker

Interne Messe bei Bosch: Führungskräfte für Weiterbildung begeistern

'Stell Dir vor, es läuft ein tolles Seminar und keiner geht hin.' Das in dieser Sentenz umrissene Problem kennen viele PE-Abteilungen von Unternehmen - so auch die des Bosch Werkes in Salzgitter. Mit einer neuen Idee versuchten die Bosch-Personalentwickler jüngst Abhilfe zu schaffen: Sie organisierten eine interne Weiterbildungsmesse, auf der sich ihre Führungskräfte über Fortbildungsoptionen informieren konnten.

Am 7. September 2006 müssen die Mitarbeiter des Bosch-Werkes in Salzgitter mittags mit einem ungewohnt frugalen Mahl vorlieb nehmen: Statt der üblichen Kantinenmenüs gibt es nur belegte Brötchen. Die Werkskantine nämlich dient an jenem Tag höheren Zwecken: 17 Weiterbildungsanbieter haben sich hier mit ihren Ständen zu einer Bosch-internen Weiterbildungsmesse formiert, zu der die Führungskräfte des Unternehmens eingeladen worden sind.

Zum Hintergrund: Dem Bosch-Werk ergeht es wie vielen anderen Unternehmen auch. Der Betrieb, in dem rund 56.000 Steuergeräte pro Arbeitstag gefertigt werden und der im Bosch-Konzern den Rang eines Leitwerkes einnimmt, befindet sich derzeit in einem Spannungsfeld: 'Einerseits müssen die Dinge hier zu Lande am Laufen gehalten werden, andererseits müssen unter Federführung von Salzgitter Standorte im Ausland aufgebaut werden', erklärt Bosch-Personalleiter Bernhard Lösel. Die Crux an der Sache: Die meisten der 200 Salzgitterer Führungskräfte sind mit beiden Aufgaben betraut. Und das in Zeiten, in denen, so Lösel, der Wettbewerbsdruck in der Automobil-Zulieferindustrie enorm zugenommen hat. Die Meister, Gruppen-, Team- und Abteilungsleiter benötigen deshalb für ihre tägliche Arbeit neben Fach- auch immer mehr Leadership-Kompetenzen. Doch gleichzeitig stehen sie unter ständigem Zeitdruck. 'Deshalb werden Info-Mails über Weiterbildungsangebote, wenn sie unter hunderten anderen im elektronischen Briefkasten landen, auch einfach weggeklickt', weiß Petra Martin, zuständig für Mitarbeiter- und Organisationsentwicklung.

Im Alltag ist oft keine Zeit für die Beschäftigung mit Fortbildung

Sich groß mit Weiterbildung zu beschäftigen - sofern es sich um die Soft-Skill-Kür und nicht die Pflicht handelt -, das steht im stressigen Führungsalltag leider oft unten auf der Prioritätenliste. Dabei lautet das Ziel der Bosch’schen Personalentwicklung: 'Jede Führungskraft sollte im nächsten Jahr mindestens eine Maßnahme besuchen', so Martin. Um die Bedeutung der Trainings stärker im Bewusstsein der Führungskräfte zu verankern, hat sich das Unternehmen einen neuen Bildungsmarketing-Coup ausgedacht.

Von Imageberatung bis Change-Management

Unter Mitwirkung der Dortmunder Trainervermittlerin Jutta Häuser hat die Bosch-Abteilung für Organisations- und Personalentwicklung Trainer und Berater eingeladen, sich ihren späteren Endkunden unter dem viel sagenden Motto 'Zeit für Führung' an einem Tag live zu präsentieren. Und zwar mit vorausgewählten Angeboten von der Imageberatung über Trainings zur inneren Haltung, Kreativität und Präsentation bis hin zur Change-Management-Weiterbildung. Die Angebote wurden durch Jutta Häuser und die Bosch-Personalentwickler daraufhin abgeklopft, dass sie zum Bedarf des Unternehmens passen.

An jenem 7. September sind dann gut 150 von ca. 200 angesprochenen Führungskräften der Einladung zur Messe gefolgt, sie informieren sich und schauen sich bei einigen Ausstellern Mini-Sequenzen aus deren Trainings an. 'Ich habe mir zwischen zwei Meetings die Zeit genommen', erklärt einer - stellvertretend für viele Kollegen, die den Veranstaltungstitel ernst genommen haben. 'Bei so einer Messe kommt doch mehr rüber als über einen Katalogtext', quittieren die meisten die Idee. Auch kritische Nachfragen sind erwünscht und an der Tagesordnung: Am Stand von Nathalie G. Schmaling und Detlev Himmel - mit ihrem Dortmunder Institut 'im team' unter anderem in Sachen Selbst- und Stressmanagement aktiv - entspinnt sich eine Diskussion mit dem Bosch-Betriebsarzt. Thema: Wie nachhaltig sind solche Angebote überhaupt?
Die Trainer sind der Ansicht, dass solche Gespräche auch für sie wichtig sind: 'Es ist von Vorteil, hier direkt auf die Interessen der Führungskräfte eingehen zu können', urteilt beispielsweise Sabine Hahn, Beraterin und Trainerin bei Synnecta, Deutschlandhauptsitz Karlsruhe.

Die Trainer profitieren von den Bosch-Kontakten zu KMU

Die Messe bietet den Trainern indes nicht nur die Möglichkeit, bei den Bosch-Führungskräften Interesse an ihrem Angebot zu wecken. Sie profitieren zudem davon, dass Bosch auch Firmenvertreter aus dem regionalen Unternehmensnetzwerk eingeladen hat: So gelangen die Weiterbildner an Kontakte zu kleineren Betrieben, an die sie sonst schwerlich herankommen. Engagiertere Anwesende merken sich für Maßnahmen, die sie besonders interessieren, schon einmal vor. Später dann finden Gespräche mit den direkten Vorgesetzten und der PE statt. Auf diese Art wird sich entscheiden, welche Angebote tatsächlich bei Bosch umgesetzt werden. Eindruck gemacht jedenfalls haben die Weiterbildner bei den Führungskräften mit so kreativ-sinnlichen Seminarkreationen wie einer kulinarischen Einführung in die systemische Beratung oder einem Kurs, der erklärt, was der Kammerton A mit Charisma zu tun hat. Mehr dazu lesen Sie in der nächsten Ausgabe von Training aktuell.
Autor(en): (jum)
Quelle: Training aktuell 10/06, Oktober 2006
Wir setzen Analyse-Cookies ein, um Ihre Zufriedenheit bei der Nutzung unserer Webseite zu verbessern. Diese Cookies werden nicht automatisiert gesetzt. Wenn Sie mit dem Einsatz dieser Cookies einverstanden sind, klicken Sie bitte auf Akzeptieren. Weitere Informationen finden Sie hier.
Akzeptieren Nicht akzeptieren
nach oben Nach oben