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Großbritannien: Vorzeitiges Ende für Lernkonten-Programm

Das von der britischen Regierung im September 2000 gestartete Lernkontenprogramm 'Individual Learning
Accounts (ILA)' ist vorzeitig beendet worden: Nach etwas mehr als einem Jahr sind sämtliche Lernkonten bereits wieder geschlossen.
Im Rahmen von ILA konnte jeder weiterbildungswillige Bürger über 18 Jahre ein Lernkonto eröffnen. Von der Regierung anerkannte Maßnahmen wurden mit jährlich etwa 325,- Euro subventioniert. Doch schon bald zeigte das System Schwächen. Nach Recherchen des britischen Nachrichtensenders BBC beschwerten sich bis Oktober vergangenen Jahres 8.500 ILA-Nutzer über Ungereimtheiten: Einige Trainingsanbieter hatten zum Eröffnen eines Lernkontos geraten, als Gegenleistung aber nur Trainingsmaterialien im Wert von nicht einmal 10,- Euro geliefert. 3.252 Mal stellten registrierte Nutzer fest, dass ihre Lernkonten aufgebraucht waren, obwohl sie keinen Kurs absolviert hatten. Die daraufhin eingeleiteten Untersuchungen führten zu dem Schluss, dass sich etwa 90 Trainingsanbieter unseriös verhalten hatten. Die Konsequenz: Neue ILA-Konten sollten nur noch bis zum 4. Dezember 2001 eröffnet werden können.
Das ILA-Ende kam aber noch schneller als erwartet. Im November 2001 wurde entdeckt, dass wiederum mit einer beträchtlichen Anzahl von Kontonummern Missbrauch getrieben wurde und sich Betrüger Geld vom Ministerium erschleichen wollten. Daraufhin wurde ILA in England mit sofortiger Wirkung gestoppt, in Wales, Schottland und Nordirland kurze Zeit später.
Die Ernüchterung über den schnellen Stopp von ILA ist groß, schien das Programm doch zunächst Erfolg versprechend: Bereits im Sommer 2001 zählte man 1,5 Millionen Kontoinhaber. Das waren weit mehr als erwartet. Durch den Andrang wurde das Projekt aber auch teurer als erwartet. Um 94 Millionen Euro übertrafen die Subventionszahlungen für Weiterbildung das geplante Budget. Deshalb wurden Stimmen laut, die vermuteten, der tatsächliche Grund für den ILA-Stopp sei die nicht gesicherte Finanzierung.
Autor(en): (aen)
Quelle: Training aktuell 02/02, Februar 2002
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