Editorial

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Virtuell geht's weiter

Trainieren wir wieder präsent, wenn es geht? Sicher. Aber sicher nicht ausschließlich. Corona hat uns vielfältige Lernerfahrungen beschert: persönliche, finanzielle, existenzielle. Einige beleuchtet diese Ausgabe von Training aktuell.

Es sollte ein heißer Tag werden, 36 Grad waren angekündigt. Ich hatte mir daher ein Babyplanschbecken aufgepumpt, es unter den Schreibtisch geschoben, um – wenn schon keinen kühlen Kopf – (Achtung Wortspiel!) zumindest kalte Füße bekommen zu können. Aber es kam anders: Am Morgen des TrainCamps, für das ich das Setting aufgebaut hatte, hatte ich tatsächlich kurz kalte Füße. Ich erwachte mit starken Kopfschmerzen, leichtem Fieber und arger Übelkeit. Die Zweitimpfung gegen Corona am Vortag tat ihre Wirkung, eine Moderation meinerseits war ausgeschlossen. Also kam Plan B zum Einsatz, eine Kollegin übernahm meinen Part.

Dem Erfolg des TrainCamps schadete mein krankheitsbedingtes Fernbleiben nicht. Über 100 Barcampwillige hatten sich trotz bestem Wetter in Zoom eingewählt und diskutierten über die Herausforderungen und Umbrüche, die Corona für die Weiterbildungsbranche mit sich bringt. Dabei zeigte sich: So ad hoc, wie viele in die digitale Welt springen mussten, so wenig hadern die meisten mit der Situation. Nur zehn Prozent der Teilnehmenden gaben an, aktuell am liebsten analog zu arbeiten, für die Mehrheit fühlen sich virtuelle Settings wohl schon normal an. Ohnehin waren sich die Teilnehmenden in einem Punkt ziemlich einig: Online-Trainings sind kein Corona-Hype, sie bleiben uns erhalten.

Während sich die TrainCamp-Teilnehmenden warm diskutierten (was angesichts des Wetters ohnehin nicht schwierig geworden wäre), schwitzte ich im Bett ob des Fiebers vor mich hin. Abgeschnitten von meinem Team und unserer Veranstaltung war ich trotzdem nicht. Die Telegram-Gruppe, die wir eingerichtet hatten, um uns als Team während des Events miteinander auszutauschen, wurde zu meinem Live-Ticker. Meine Kolleginnen und Kollegen fassten zusammen, kommentierten, ließen mich teilhaben und -nehmen. So war ich dabei, ohne dabei zu sein. Eine ungewöhnliche Lernerfahrung, die ich nicht missen möchte.

Lernerfahrungen machen wir in Corona-Zeiten ohnehin dauernd. Etwa die, schnell auf Live-Online-Trainings umzustellen. Vielen Weiterbildungsprofis hat genau das durch die Krise geholfen. Wissenschaftliche Erkenntnisse dazu, wie der Lerntransfer in solchen Trainings gelingt, gibt es jedoch bisher nur wenige. Lena Schneider hat sich diesem Thema in ihrer Masterarbeit gewidmet und einen Leitfaden zur Qualitätssicherung nachhaltiger Live-Online-Trainings entwickelt. Hier stellt sie ihn vor.

Immer wieder beklagen aber auch Weiterbildungsanbieter eine negative (Lern-)Erfahrung. Nämlich die, dass ihre Kunden nicht bereit sind, für Online-Trainings das gleiche Geld zu zahlen wie für Präsenzveranstaltungen. Was kann man dagegen tun? Pricing-Experte Roman Kmenta gibt Argumente und Methoden an die Hand, mit denen sich der digitale Preisverfall aufhalten – und vielleicht sogar umkehren – lässt.

Viel Spaß und Erkenntnisgewinn beim Eintauchen in die (digitalen) Lernerfahrungen.

Autor(en): Nicole Bußmann
Quelle: Training aktuell 08/21, August 2021
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