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DGFP-Kongress 2006: Personal-Promis mit Prognosen für die Personaler-Zukunft

Noch bis kurz vor Start der Fußballweltmeisterschaft wurde in Wiesbaden über Personalmanagement diskutiert. Denn bei der Themenwahl für ihren 14. Kongress hatte die DGFP ein glückliches Händchen bewiesen. Die virulenten Themen 'Demografischer Wandel' und 'wertorientierte Führung' lockten 850 Teilnehmer. Sie trafen auf prominente Referenten, die über die Auswirkungen der Vergreisung unserer Gesellschaft ebenso berichteten wie über die Anforderungen an das Personalmanagement der Zukunft.

Was Günther Fleig auf der Pressekonferenz des diesjährigen Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Personalführung e.V. (DGFP) erzählte, ist vermutlich vielen der 860 Teilnehmern schon einmal passiert. 'Häufig werde ich gefragt, was ich als Personaler denn eigentlich mache', sagte Fleig, der sowohl Vorstand der DGFP als auch Personalvorstand der DaimlerChrysler AG ist. Fleig spielte auf die bekannte Problematik an, die Personaler seit Jahren diskutieren: die Professionalisierung des Feldes Personalmanagement. 'HR muss ein klareres Berufsbild entwickeln', brachte sie Daimler-Chrysler-Chef Dr. Dieter Zetsche, einer der Starredner des Kongresses, auf den Punkt.

Das Berufsbild HR: Unklarheiten über Rolle und Aufgaben

Um dieses klarere Berufsbild bemüht sich die DGFP seit Jahren, genauer seit 1999, als die Gesellschaft erstmals professionelle Standards für das Personalmanagement erörtete. Doch dieser Prozess ist bei weitem noch nicht abgeschlossen, wie eine Ted-Abstimmung der Kongressbesucher am zweiten Veranstaltungstag zeigte. Von Fleig zum Voting aufgerufen, antworteten 57 Prozent von 260 Anwesenden, dass das Personalmanagement insgesamt mittelmäßig professionell vonstatten geht. Die Mehrheit der befragten Personaler betrachtete sich als Berater der Führungskräfte, nur ein Fünftel sieht sich in der Rolle des Mitgestalters der Unternehmensstrategie. Dabei empfindet nahezu die Hälfte der Personaler, dass ihre Aufgaben in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind, weitere 40 Prozent, dass sie sich tendenziell erweitert haben.

Über die Aufgaben, die Personaler heute zu erfüllen haben, ließ HR-Experte Les Hayman in seinem Plenums-Vortrag keinen Zweifel aufkommen. Der Global Ambassador des Software-Unternehmens SAP formulierte ebenso eindringlich wie schörkellos: 'Es gibt keine HR-Probleme. Es gibt Business-Probleme, die HR-Manager lösen müssen.' Eine der größten aktuellen Business-Probleme sieht Hayman im Umgang mit dem drohenden Fachkräftemangel als Folge des demografischen Wandels.

Auswirkungen der Vergreisung unserer Gesellschaft

Das virulente Thema 'demografischer Wandel' bildete denn auch einen der Themen-Schwerpunkte des Kongresses. Die DGFP hatte gleich zwei prominente Redner eingeladen, die das Problem der Alterung der Gesellschaften beleuchteten. Einer von ihnen war der Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Frank Schirrmacher, der die Bedeutung des Themas einordnete: 'Ob wir über Gesundheit, Rente oder Fachkräftemangel reden, im Prinzip reden wir immer über das gleiche - die Folgen der Vergreisung der Gesellschaft', so Schirrmacher, der seit seinem viel beachteten, allerdings auch nicht ganz unumstrittenen Buch 'Das Methusalem-Komplott' als Experte für demografische Entwicklung gilt. Der Journalist nannte Zahlen, um die Dimension der Folgen dieser Entwicklung zu verdeutlichen: Im Jahr 2045 werde das Durchschnittsalter in Deutschland 50 Jahre betragen. Oder: Um in Deutschland wieder ein Durchschnittsalter wie im Jahr 1980 zu erreichen, bräuchten wir eine Geburtenrate, die über 50 Jahre hinweg konstant höher liegt als aktuell.

Summa summarum bedeutet das laut Schirrmacher: 'Die rapide Alterung der Gesellschaft ist nicht mehr aufzuhalten, jetzt geht es darum, sich auf sie einzustellen.' Denn auch das machte Schirrmacher unmissverständlich deutlich: Jede Generation stellt ihre Anforderungen an die Gesellschaft. Der FAZ-Herausgeber erläuterte seine These am Anzeigenaufkommen der Zeitschrift ADAC-Motorwelt: Dominierten in dem leserstarken Blatt im Jahr 1984, wo das Durchschnittsalter in Deutschland bei 33 Jahren lag, Anzeigen von Automobilherstellern wie Porsche und Inserate zum akademischen Titelkauf, ist die Mehrzahl der Anzeigen jetzt den Themen Treppenlifte, Gingo-Tabletten und Haltegriffen für die Badewanne gewidmet.

Ist Kinderlosigkeit eine Voraussetzung für Karriere?

Im gleichen Tenor wie Schirrmacher stellte die zweite prominente Rednerin zum Thema, Familienministerin Ursula von der Leyen, fest: 'Die Diskussion über den demografischen Wandel wird 20 bis 30 Jahre zu spät geführt.' Als Grund für die Alterung der Gesellschaft machte von der Leyen die Schwierigkeit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus: 'In Deutschland ist Kinderlosigkeit fast Voraussetzung für Karriere', monierte die Bundesministerin. Um im selben Atemzug natürlich auch auf die Maßnahmen der Regierung hinzuweisen, mit denen diese versucht, dieser Problematik zu begegnen: z.B. die Einführung des Elterngeldes im Jahr 2007 und die Erhöhung der steuerlichen Absetzbarkeit der Kinderbetreuung.

Passend zu den Vorträgen über die demografische Entwicklung bot die DGFP ein Forum, in dem diskutiert wurde, wie Arbeit zukunftsfähig gestaltet werden kann. Die Antwort lag schnell auf dem Tisch: Die Unternehmen müssen sich auf jene Arbeitnehmer vorbereiten, die schon bald das Gros der Belegschaften in Deutschland stellen werden: die Generation 50plus. Das bedeutet u.a.: Vertrauensarbeitszeit, Fitness- und Gesundheitsprogramme sowie Altersteilzeitmodelle werden die Arbeitswelt von morgen prägen. Und, da herrschte unter Vortragenden wie Teilnehmern Einigkeit: Wertorientierte Führung ist das Führungsmodell der Zukunft.

Wertorientierte Führung ist im Kommen

Das Thema 'Werte' war ohnehin das zweite große Thema des Kongresses. Während im Forum 'Führung' über Ethik im Management und wertorientierte Führung diskutiert wurde, nahm das Thema Werte auch im Forum 'Kompetenzmanagement' viel Platz ein. Dort forderte etwa Timo Alznauer, Geschäftsführer des Kieler Beratungsunternehmens M21.solutions GmbH: 'Unternehmen müssen Regeln über Bord werfen und durch Werte ersetzen.'

Dass es Unternehmen mit der wertorientierten Führung durchaus ernst nehmen, verdeutlichte Eggert Voscherau. 'Die 15.000 neuen Mitarbeiter werden wir nur über unsere Unternehmenswerte integrieren können', sagte der Arbeitsdirektor der Ludwigshafener BASF AG in seinem Plenumsvortrag und sprach damit die jüngsten Übernahmen der Chemiekonzerne Degussa und Engelhardt durch BASF an. Einen Einblick in die Aufgaben, die dem HR-Ressort bei der Verankerung von wertorientierter Führung u.a. zufallen, gab Markus Köhler von Microsoft Deutschland. In seinem Forumsbeitrag erklärte er, dass bei dem Software-Unternehmen regelmäßig Mitarbeiterbefragungen durchgeführt werden, mittels derer die Personaler nachprüfen, inwieweit die Vorgesetzten gemäß der bei Microsoft geltenden Werte führen.
Autor(en): (ama/nbu)
Quelle: Training aktuell 07/06, Juli 2006
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