Politisches

Bildungsprämie bislang wenig nachgefragt

99 Tage nach Einführung der Bildungsprämie hat Andreas Storm, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), eine erste Bilanz vorgestellt – und dem Konzept seines Hauses ein gutes Zeugnis ausgestellt. 650 Prämiengutscheine zur Co-Finanzierung einer Weiterbildung wurden in den ersten drei Monaten ausgegeben, freute sich Storm. Beim Besuch einer Beratungsstelle im südhessischen Erbach rechnete er im März 2009 vor: '237 Beratungsstellen haben ihre Arbeit bereits aufgenommen. 128 werden in den kommenden Wochen folgen.' Geplant sind vom BMBF bundesweit 600 Beratungsstellen.

Als 'höchst erfreuliche Resonanz' wertete Storm die Zahlen – von einer 'geringen Zahl der Inanspruchnahme' der Prämiengutscheine spricht hingegen Dr. Roman Jaich, der für die Hans-Böckler-Stifung ein Gutachten über die Zukunftsfähigkeit des deutschen Bildungssystems erstellt hat und dabei auch die neuen Förderinstrumente unter die Lupe genommen hat.

Den Prämiengutschein können Arbeitnehmer in Anspruch nehmen, deren Jahreseinkommen unter 17.900 Euro liegt. Jaich schätzt, dass das auf 30 Prozent der deutschen Erwerbstätigen und damit mehr als 13 Millionen Menschen zutrifft. Wenn von diesen 13 Millionen nur 650 das Angebot wahrgenommen haben, ist das ein verschwindend geringer Anteil, rechnet der Bildungsexperte vor.

Jaich selbst ist vom schwachen Start der Bildungsprämie nicht überrascht: 'Es gab keine Kampagne, die die breite Öffentlichkeit auf das Förderprogramm aufmerksam gemacht hat', moniert er. Wie wichtig Werbung gewesen wäre, zeigen zahlreiche Studien, die die Effektivität des Bildungsgutscheins untersuchen. Die Studien belegen, dass der Coupon bildungsferne Schichten sehr wohl zur Weiterbildung motivieren kann, allerdings wird er von der Zielgruppe nur dann wahrgenommen, wenn er großflächig beworben wird.
 
Sollte eine solche Kampagne auch in Deutschland anlaufen, würde sich das positiv auf den Prämiengutschein auswirken, meint Jaich: 'Bei geeigneter Werbung könnte die Inanspruchnahme ausgedehnt werden.' Ein Erfolg wird das Modell seiner Meinung nach trotzdem nicht: Ein 'nennenswerter Anteil' der Zielgruppe wird den Prämiengutschein nie beantragen, prognostiziert der Bildungsforscher. 'Perspektivisch gehe ich von 2.000 bis 3.000 ausgegebenen Prämiengutscheinen pro Jahr aus.'

Autor(en): (com)
Quelle: Training aktuell 04/09, April 2009
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