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Bildungsmesse 'Interschul': Ein Anfang, um aus der Atomisierung herauszukommen?

Eine weitere Spezialisierung der Bildungsmessen ist ökonomisch weder von Seiten der Besucher und erst recht nicht von Seiten der Aussteller durchzuhalten. Die Konsequenz: Der zu verteilende Kuchen wird nicht nur in viele Stücke zerschnitten, er wird sogar insgesamt kleiner, weil verärgerte Aussteller ihre Messeambitionen gänzlich zu den Akten gelegt haben. Dies ist das Fazit eines Gesprächs mit der Projektleiterin der Stuttgarter 'Interschul 96' Ingeborg Müller und Jörg Tisken, Pressesprecher der Messe Stuttgart, mit dem Presseclub Tagung und Weiterbildung (PTW) Ende November in Bad Boll.

Und so setzt die Stuttgarter Messeleitung unter dem - wie sie unumwunden zugbit - etwas heiklen Namen der 'Interschul', die vom 12. bis 16. Februar 96 stattfindet, selbstbewußt auf ein übergreifendes Konzept, das die Segmente Schule, Berufsbildung, Weiterbildung und Management wieder zusammenführt. Auch die Verbände und ideellen Träger der Bildungsmessen, die an der Zersplittung zuvor kräftig mitgearbeitet haben, scheinen inzwischen aus ihren Erfahrungen mit zu Leidmessen degenerierten Leitmessen gelernt zu haben. 'Es pfeifen doch die Spatzen von den Dächern', kommentierte Gert E. Boness, Chefredakteur des Seminaris Express, die Gerüchte, daß sich der Q-Verband, der Verband der Schulbuchverlage und der didacata-Verband intern zusammenzuraufen, um wieder eine gemeinsame Messe auf die Beine zu stellen. Und für diesen Fall will die Messe Stuttgart gerüstet sein. Immerhin: Der Q-Verband, der mit der Qualifikation in Hannover erst vor zwei Jahren seine eigene Bildungsmesse auf die Schiene setzte, fungiert in Stuttgart offiziell als 'Unterstützer' des Fachteils 'Weiterbildung und Beruf'.

Rolf G. Lehmann, Chefredakteur und Herausgeber des Medienreport, ist mit seinem Forum 'Weiterbildung und Management', das regelmäßigen Messebesuchern als fester Bestandteil der didacta ein Begriff ist, ebenfalls vertreten. Er unterstützt das vernetzte Konzept 'notfalls an den Verbädnen vorbei' und sieht die Verbände als Träger sowie die Messegesellschaften in Zugzwang: 'Messen müssen das Informationsangebot im Sinne der Nutzenstiftung gewaltig erhöhen.' Hierzu will er mit seinem Forum aus 50 Weiterbildungsexperten, darunter Jens Uwe Martens, Horst Ruckle, Max Meier-Maletz und Hinnerk Polenski beitragen.

Bleibt also nur noch abzuwarten, ob sich die optimistischen Prognosen von 450 Austellern und rund 70.000 Besuchern bewahrheiten und die 'Intershul' den Auftakt zu einer neuen Entwicklung im Bereich der Bildungsmessen mit folgendem Zielszenario darstellt: Eine jährliche europäische Bildungsmesse, auf der alle Segmente des Bildungsmarktes und deren Verbände vertreten sind, mit zwei wechselnden Standorten im Norden und Süden der Republik - wie auch immer sie schließlich heißen wird.
Autor(en): (jgr)
Quelle: Training aktuell 01/96, Januar 1996
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