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BDU konstatiert gute Geschäfte und schlechte Politik

Wenig Spektakuläres wußte Geschäftsführer Christoph Weyrather auf der Jahrespressekonferenz des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater BDU e.V. am 4. Dezember 1997 in Düsseldorf zu berichten. Würden andere Branchen bei einem Umsatzzuwachs von sieben Prozent im abgelaufenen Geschäftsjahr 1997 vermutlich in schiere Verzückung ausbrechen, konstatierte Weyrather gewohnt routiniert die jährlichen Erfolgszahlen: Der Boom der vergangenen Jahre habe sich wie erwartet fortgesetzt, der Gesamtumsatz der Branche hat sich seit 1990 auf nunmehr rund 16,4 Milliarden Mark verdoppelt. Zu beobachten sei dabei eine starke Expansion der großen Unternehmensberatungen mit Jahresumsätzen jenseits der zehn Mio. Mark, deren Ursache in Aufkäufen und Übernahmen zu suchen sei. Bereits jetzt würden sich die Top 25 der insgesamt rund 12.200 Management- und Personalberatungsgesellschaften in Deutschland 27 Prozent des Marktvolumens teilen. Im BDU sind derzeit 420 Unternehmensberatungen organisiert, die einen Marktanteil von 22 Prozent in sich vereinen. Die wenig überraschende Prognose: Auch im nächsten Jahr rechnet der BDU mit einem Umsatzanstieg von acht Prozent.
So konzentrierte sich die anschließende Diskussion auf die qualitativen Aspekte der von Unternehmensberatern erbrachten Dienstleistung. BDU-Präsident Malte W. Wilkes nannte folgende Trends, die die Arbeitsweise und das Profil von Beratern prägen werden:
• Die Bereiche Management- und Innovationsberatung wachsen immer stärker zusammen. Der Grund: Innovationen lassen sich kaum noch auf den reinen Technologieaspekt reduzieren, sondern setzen ebenso ein innovatives Management voraus.
• Von Unternehmensberatern wird eine Umsetzungs- und Realisierungsbegleitung vor Ort verlangt.
• Komplexität und Zeitintensität der Beratungsprojekte nehmen zu. Trotz einer weiteren Spezialisierung innerhalb der Branche verlangen Kunden verstärkt eine integrative Beratung, um 'Insellösungen' zu vermeiden.
Praktische Berufserfahrung des Unternehmensberaters gewinnt ebenso an Gewicht wie Methoden- und Sozialkompetenz. Letztere definierte Wilkes so: 'Nicht harmonisieren wollen um jeden Preis, sondern Zivilcourage zeigen.' Darüber hinaus seien im Zuge der Internationalisierung der Branche grenzüberschreitende Arbeitsfähigkeit und Kompetenz im Umgang mit Informationstechnologien weitere unabdingbare Voraussetzungen für den langfristigen Erfolg im Geschäft.
Dem in der Branche hoch gehandelten Schlagwort des 'virtual consulting' erteilte der BDU dennoch eine klare Absage. Für Vize-Präsident Dr. Helmut Schmitt sind es in erster Linie die millionenschweren DV-Beratungen, die dieses Thema aus purem Eigennutz mit Vehemenz in den Markt hineintreiben. Eine auf den PC reduzierte 'Online-Unternehmensberatung' widerspricht dem Berufsethos des BDU, das den persönlichen Kontakt vor Ort als Voraussetzung für eine seriöse Geschäftsbeziehung festschreibt. Dr. Schmitt: 'Hier müssen und werden wir gegensteuern.'
Die Seriosität ist nach wie vor das heiße Eisen der Branche. Dem allzu hemmungslosen Treiben der 'schwarzen Schafe' der Branche (Wilkes: 'Wir erleben jedes Jahr Fälle, in denen Kundenreferenzen gefälscht werden - auch, um in den BDU zu kommen.') will der Verband mit einem Unternehmensberatungs-Gesetz entgegenwirken. In diesem sollen u.a. Punkte wie berufsethische Standards, Ausbildungsvoraussetzungen oder Unvereinbarkeit von Aufgaben allgemeingültig festgeschrieben werden, ohne gleichzeitig dem Bürokratismus einer kompletten 'Verkammerung' der Branche Tür und Tor zu öffnen. Doch ein entsprechendes Eckwertepapier, das der Verband bereits vor Monaten beim Bundeswirtschaftsministerium eingereicht hat, wird dort bis dato geflissentlich ignoriert. Einzig der Verkammerung der Branche - so signalisierte das Ministerium dem BDU - würde man sofort zustimmen. Etwas hilflos machte Wilkes seiner Wut über die 'Ankündigungs- und Beglückungspolitiker' Luft, die beschlossen haben, nichts zu beschließen - zumindest nichts Neues: 'Die Nichtbehandlung unseres Papiers ist das schlimmste, was passieren kann. Aber von dieser Regierung erwarten wir überhaupt nichts mehr.'
Autor(en): (jgr)
Quelle: Training aktuell 01/98, Januar 1998
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