Know-how

Art-Coaching: Wie Selbstporträts berufliche Ziele sichtbar machen

'Als Gestalttherapeut habe ich die Erfahrung gemacht, dass Bilder den Entwicklungsprozess von Klienten sehr unterstützen', sagt Olaf-Axel Burow. Die Gründe dafür leitet der Professor am Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik an der Universität Kassel aus Erkenntnissen der Hirnforschung ab: Diese besagen nämlich, dass der Mensch sein Verhalten leichter verändern kann, wenn er sein episodisches Wissen aktiviert, also das Wissen, das auf besonderen Ereignissen in seinem Leben basiert und sich im Langzeitgedächtnis in rund 800 Bildern manifestiert. 'Dieses episodische Wissen bezeichne ich als den persönlichen Mythos eines Menschen', so Burow. 'Er bildet den Rahmen, durch den man sich selbst und die Welt betrachtet.'

Dem persönlichen Mythos auf der Spur

Ausgehend von diesen Erkenntnissen haben Burow und seine Frau Christel Schmieling-Burow den Ansatz 'Art-Coaching' entwickelt. Ziel des Verfahrens ist es, Menschen zu zeigen, wie ihnen der eigene Mythos helfen kann, neue berufliche Ziele zu erkennen und zu verwirklichen. Den Weg dorthin sollen die Coachees u.a. mit Hilfe der bildenden Kunst beschreiten. Praktisch bedeutet das: Der Coachingklient macht sich an die Gestaltung eines Selbstporträts. Und zwar nicht nur unter den Augen der Coaches, sondern im Kreise von bis zu 200 anderen Coachees. Bevor die Teilnehmer jedoch im Rahmen einer Großgruppenveranstaltung den Pinsel in den Farbtopf tauchen, sollen sie anhand eines Leitfadens ihren persönlichen Mythos erarbeiten. Der Leitfaden, konzipiert nach dem US-Psychologen Dan P. McAdams, beinhaltet Fragen wie: Welche Lebenskapitel prägen mich? Wer sind die vier wichtigsten Menschen in meiner Geschichte? Woran glaube ich?

Der eigenen Geschichte Konturen geben

Mit Erkenntnissen zu ihrer eigenen Geschichte im Gepäck kommen die Coachees anschließend zu einem zweitägigen Workshop zusammen. Ihre erste Aufgabe lautet: 'Male Dich so, wie Du Dich fühlst'. Zur Umsetzung stehen ihnen Acrylfarben und eine 80 cm mal 100 cm große Leinwand zur Verfügung. Nach dem Schaffensakt steht eine Meditation auf dem Programm: Im entspannten Zustand sollen sich die Teilnehmer ihren Traumberuf vorstellen und mit ihrer realen Arbeitsplatzsituation vergleichen. Die inneren Bilder, die dabei entstehen, sollen sie zu einem Satz verdichten, der die für sie beste berufliche Zukunftsmöglichkeit prägnant zusammenfasst. Anschließend wählen die Teilnehmer aus 300 Kunstdrucken von historischen und zeitgenössischen Gemälden diejenige Darstellung, die ihre Zukunftsvorstellung am besten ausgedrückt. Im nächsten Schritt sollen sie drei Begriffe formulieren, die sie mit dem Dargestellten assoziieren, und die Assoziationen zu einem Satz verbinden. Dabei können laut Burow Sätze entstehen wie 'Der grüne König will wachsen'.

'Die Sätze müssen keinen logischen Sinn ergeben, denn es handelt sich bei den Formulierungen nicht um in Sprache gebundenes Wissen', erklärt der Gestalttherapeut. Vielmehr trete an dieser Stelle der Bilderfundus aus dem Bereich des episodischen Wissens ans Licht - und zwar in Symbolen und Metaphern wie 'König' und 'Wachstum'. Dieses Wissen sollen die Teilnehmer nun in ihre Selbstporträts einfließen lassen, indem sie erneut zum Pinsel greifen und das Ausgangsbildnis entsprechend der neuen Einsichten und Erkenntnisse verändern.

'Das Endprodukt ist schließlich ein kohärentes Selbstbild des Coachees', versichert Burow. Denn Menschen, die ihr episodisches Wissen in ihre berufliche Sinnsuche einfließen lassen, gelangen zu authentischeren Resultaten, als Menschen, die bei Entscheidungen im Job lediglich auf ihre Ratio vertrauen, so Burow. Wie sich die im Selbstporträt angedeuteten neuen beruflichen Potenziale und Perspektiven in der Praxis umsetzen lassen, besprechen die Teilnehmer abschließend in kleinen Gruppen.

Kosten: 128 Euro. Weitere Infos im Internet.
Autor(en): (ahe)
Quelle: Training aktuell 06/07, Juni 2007
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