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Am Anfang ist das Wort: Sprachanalyse im Coaching

Für Joachim Schaffer-Suchomel sind Worte keinesfalls Schall und Rauch. Im Gegenteil: Die Worte, die man gebraucht, geben seiner Meinung nach Aufschluss über unbewusste Gefühlswelten und Denkstrukturen. Deshalb basieren die Coachings des Diplom-Pädagogen in erster Linie auf einer eigens entwickelten Sprachanalyse. In der Analyse nutzt Schaffer-Suchomel sowohl etymologische Bezüge als auch freie Assoziationen. Beide Vorgehensweisen sollen Bilder und Bedeutungen ans Licht bringen, die mit bestimmten Worten und Ausdrucksweisen des Klienten verknüpft sind. Dabei spielt der Kontext eine entscheidende Rolle: 'Die Sprachanalyse muss das Thema der Beratung berücksichtigen, ansonsten entstehen Fantastereien', erläutert Schaffer-Suchomel.

Enttäuschung meint das Ende einer Täuschung

Als Beispiel nennt er das Wort Enttäuschung, das nicht selten in einem Coachingsetting fällt. Enttäuschung ist eine negative Emotion, die entsteht, wenn Hoffnungen und Erwartungen nicht erfüllt werden. Aber es steckt mehr dahinter. Wörtlich meint der Begriff, dass ein Zustand der Täuschung aufgegeben wird (ent- = weg von etwas). Jeder Enttäuschung liegt also eine Täuschung zu Grunde, eine Täuschung durch einen anderen oder eine Selbsttäuschung.

Mit der Wortanalyse neue Perspektiven erarbeiten

Statt wie üblich aus der Enttäuschung einen Vorwurf zu spinnen gegenüber demjenigen, den man für seinen Zustand verantwortlich macht, empfiehlt Schaffer-Suchomel eine genaue Analyse der Situation. Enttäuschte Menschen sollen sich fragen: Wie und womit habe ich mich getäuscht? Warum hege ich gegenüber einer bestimmten Person große Erwartungen? Täuschung wiederum enthält den Begriff Tausch. Die Täuschung kann also auch darin bestehen, dass ein Tauschhandel nicht funktioniert hat, etwa wenn nicht explizit ausgesprochen wurde, was zu welchen Konditionen getauscht werden sollte.

Die Sprachanalyse soll jedoch nicht nur mögliche Gründe für eine unliebsame Situation zu Tage fördern. Sie soll auch dazu dienen, die positive Kraft von Worten aufzuzeigen. Wer etwa mit dem Rücken zur Wand steht, kann sich bedrängt und handlungsunfähig fühlen. Eine Wand im Rücken kann jedoch auch vor Angriffen aus dem Hinterhalt schützen oder den Rücken frei halten, so der Sprachexperte. 'Gerade Führungskräfte sollten darauf achten, in positiven Bildern zu sprechen', meint Schaffer-Suchomel. Denn Parolen wie 'Strengen Sie sich an' wirken eher kontraproduktiv. Der Grund: Der Manager richtet mit diesen Worten die Aufmerksamkeit auf den Begriff 'anstrengen', in dem etymologisch der Strang steckt. Und eine Drohung mit dem Strang wirkt verständlicherweise wenig motivierend. Der schnellste Weg zu guter Führung ist deshalb nach Ansicht von Schaffer-Suchomel der bewusste Umgang mit Sprache. Und der kann trainiert werden. 'Nach vier bis acht Coachingsitzungen ist der Klient für die Bilder und Bedeutungen von Worten sensibilisiert', so der Berater.

Infos unter www.brainfresh.net und in Schaffer-Suchomels neuem Buch.
Autor(en): (ahe)
Quelle: Training aktuell 07/06, Juli 2006
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