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22. Kongress der DGTA: Über Bilder zur Bildung

'Der Weg vom Kopf in den Bauch ist der längste.' Diese Erkenntnis ist schlicht, das Know-how, den Weg dorthin zu verkürzen, jedoch immens. Im Eröffnungsvortrag zum 22. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Transaktionsanalyse (DGTA) vom 11. bis. 13. Mai 2001 in Köln konfrontierte der Psychotherapeut Dr. Rüdiger Rogoll die rund 600 Teilnehmer mit der Unzulänglichkeit der eigenen Profession. Bewegt berichtete er vom plötzlichen Tod seiner Frau, der seinen Glauben an die Wirksamkeit der rationalen Psychologie erschütterte. Sein hoch qualifizierter Kollegenkreis konnte ihm in seinem Schmerz am wenigsten helfen - und er sich selbst auch nicht.
Keine leichte Kost zum Einstieg, jedoch ein Beitrag, der das Kongressmotto 'Die Transaktionsanalyse: Wissenschaft und Kunst' mit viel Tiefsinn traf. Kurz zuvor hatte Prof. Dr. A. Vucovich vom Lehrstuhl für Angewandte und Klinische Psychologie der Universität Regensburg mit trockenem Humor vorgetragen, wie die Kunst den Zugang zu Kopf und Bauch des Menschen gleichermaßen öffnen kann. Anhand der Werke von Michelangelo, Rubens und Picasso zeigte er, wie die Maler mit der Wahrnehmung des Betrachters spielen und seine gewohnten inneren Ordnungs-muster auflösen. Die Botschaft Vucovichs: Bilder sind ein ideales Vehikel zur Persönlichkeitsbildung; sie zwingen zum Perspektivwechsel, provozieren dadurch Wahrnehmungskonflikte und fördern unsere geistige Flexibilität.
Dass Modell und Methodik der Transaktionsanalyse weitaus mehr bieten, als die gemeinhin bekannte Botschaft 'Ich bin o.k., Du bist o.k.' oder das Konzept der drei Ich-Zustände, zeigte sich in der enormen Bandbreite der rund 90 Workshops sowie der Heterogenität der Teilnehmer. Jenseits der Therapie haben sich transaktionsanalytische Konzepte längst auch in der Wirtschaft etabliert. Rund 800 der derzeit insgesamt 1.355 Mitglieder arbeiten nach Angaben der DGTA in den Bereichen Beratung, Organisationsentwicklung und Pädagogik/Erwachsenenbildung.

Trendthema Organisationsentwicklung

Die Workshops rund um die Themen Coaching, Begleitung von Veränderungsprozessen und Organisationsentwicklung fanden dann auch ihr dankbares Publikum. Rolf Balling, Trainer und Berater bei professio, Weil, nahm das Kongressthema zum Anlass, das Selbstverständnis eines Organisationsentwicklers dahingehend zu diskutieren, ob er eher als Wissenschaftler oder Künstler agiert. Die Inszenierung von Prozessen, von denen man nie weiß, was dabei herauskomme, sei das unbestreitbar künstlerische Moment der Arbeit. Ohne das wissenschaftliche Selbstverständnis, nachvollziehbaren Erkenntnisgewinn zu generieren sowie sich und sein Vorgehen erklären zu können, laufe der OE´ler jedoch schnell Gefahr, als selbstherrlicher Guru zu enden. Der Organisationsentwickler müsse zwischen diesen Polen einen pragmatischen Weg finden.
Wie der aussehen kann, zeigte Dr. Werner Vogelauer von der Trigon Entwicklungsberatung, St. Pölten. Er entwi-ckelte eingängige Modelle für die Analyse von Organisationen, stellte zahlreiche Diagnose- und Interventionswerkzeuge vor und ließ die Teilnehmer geduldig mitschreiben. Das kam gut an. 'Ich hatte ja die Befürchtung, hier wird zu viel psychologisiert. Aber ich konnte viel Know-how rausziehen', zeigte sich ein Trainer zufrieden. Der Titel des Eröffnungsvortrags von Prof. Vucovich 'Die Orchestrierung seelischer Instanzen im ästhetischen Raum' ließ das in der Tat nicht vermuten.
Autor(en): (jgr)
Quelle: Training aktuell 06/01, Juni 2001
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