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photokina 2000: Feinkost für die Augen

162.000 Besucher ließen sich zwischen dem 20. und 25. September 2000 in Köln auf der photokina ins Land der Pixel entführen. Von den 1.663 Ausstellern informierten etwa 200 allein im Bereich Professional Media über Video- und Präsentationstechnik. managerSeminare hat mit Präsentations-Trainer Michael Schmettkamp die photokina besucht und stellt die Highlights vor.

Eine Fußballübertragung lockt die Blicke der Besucher in Halle 14 an. Fußball - auf der photokina? Irgendetwas jedoch ist anders als bei der Sportschau. Genau: Es gibt keine schwenkende Kamera. Das Super-Breitwand Format 48:9 kann ohne Schnitt zeigen, wie der eine Torwart nach dem Ball hechtet, während der Torhüter der gegnerischen Mannschaft lässig am Torpfosten lehnt. Keine Aktion entgeht dem Auge des Betrachters - jeder ist sein eigener Regisseur. Auf beeindruckende Weise zeigt diese Großbild-Projektion, was mittlerweile möglich ist in der Präsentationtechnik.

Auch hinsichtlich der Lichtleistung sind alle Wünsche erfüllbar. Ob Open-air-Veranstaltungen bei strahlendem Sonnenschein oder große Hallen mit brillanten Projektionen veredelt werden sollen, Projektoren mit bis zu 5.000 ANSI Lumen (AL) Helligkeit machen es möglich. So stellte beispielsweise Sanyo mit dem PLC-XF20 einen neuen LCD-Projektor mit 5.000 AL vor, der ab Mitte November erhältlich sein soll.

Mehr Lichtleistung und damit brillante Projektionen verspricht auch das neue Lens-Shift-Verfahren. Mehrere Geräte werden dabei aufeinander gestapelt, die identische Projektionen exakt übereinander abbilden. Das Stapeln erfolgt zumeist mithilfe von Stack-Systemen. Das sind Rahmen, in denen die Projektoren fixiert werden. Stapeln ohne Rahmen ermöglicht ein neues Gerät von NEC, der SX6000 mit ebenfalls 5.000 AL. Bis zu drei SX6000 Geräte können miteinander verbunden werden, so dass selbst 15.000 ANSI Lumen kein Problem mehr sind. Theoretisch - denn der Kostenpunkt für eine der 43 Kilogramm schweren Hochleistungsmaschinen, die ab Oktober 2000 lieferbar sein sollen, liegt bei 180.000 Mark.

Wettrennen um Gewicht und Leistung

Mit Projektoren der neuen D-ILA-Technologie wartet indes JVC auf. Die D-ILA-Chips liefern Auflösungen bis zur Q-XGA-Qualität (2.048 x 1.536 Pixel). Laut Hersteller sollen sie künftig zum Herzstück von Hochleistungsprojektoren avancieren, bei denen es auf eine originalgetreue Farbwiedergabe ankommt. Zudem verhindert die hohe Auflösung zackige Übergänge bei der Darstellung von Schriften oder bei CAD-Darstellungen. Das überzeugt auch das kritische Auge von Trainer Michael Schmettkamp: 'Einwandfrei' lautet sein Urteil auch bei kürzester Distanz zur Projektion des DLA-3010Z, dem bislang kleinsten und leichtesten D-ILA-Projektor von JVC. Er erbringt eine Lichtleistung von 1.300 AL und wiegt 6,5 Kilogramm. Erhältlich ist er ab Herbst 2000 für etwa 18.000 Mark.

'Nie wieder Fernseher durch Seminarräume rollen!', gerät Schmettkamp bei einem weiteren Highlight der photokina ins Träumen: Plasmabildschirme. Sie sind deshalb so beliebt, weil sie auf kleinem Raum - der Abstand für den Projektor entfällt - große und qualitativ hochwertige Bilder liefern. Statt über einen Projektor werden Daten und Videosequenzen direkt an den Bildschirm weitergeleitet. Hersteller von Plasmapanels sind Fujitsu, NEC, Pioneer und Panasonic. Da kleinere Displays für den professionellen Gebrauch aber schon etwa 20.000 Mark kosten, dürften sie noch für geraume Zeit den Seminarräumen von Hotels vorenthalten bleiben.

Die Alternative für den mobilen Manager oder Trainer bleibt in nächster Zukunft ein möglichst handlicher, leichter und lichtstarker Projektor. So liefern sich die Hersteller zurzeit ein regelrechtes Wettrennen, was das Gewicht-Leistungs-Verhältnis der Geräte angeht. Der norwegische Hersteller ASK kommt Anfang November 2000 mit seinem neuen DLP-Projektor M3 auf den Markt. Bei 1.100 AL bringt er nur 1,5 Kilogramm auf die Waage. Dabei braucht er nur eine Stellfläche in Größe eines DIN-A5-Notizblocks. Der Preis wird bei 15.000 Mark liegen.

'Diese Projektion kommt aus diesem kleinen Ding?', staunt Schmettkamp beim NEC LT155. Da machen sich die in der Gewichtsklasse um die zwei Kilogramm sehr seltene UXGA-Auflösung (1.600 x 1.200 Pixel) und 1.200 AL Lichtleistung bezahlt. Im Sparmodus ist das Gerät immer noch 1.000 AL hell, dabei wird Strom gespart, und die Lebensdauer der Lampe verdoppelt sich. Zudem macht die 'Presentation Viewer' Funktion Präsentationen ohne PC möglich. Die Daten können mittels eines Speichermediums, in diesem Fall einer CompactFlash-Karte, direkt in den Projektor geladen werden. Kostenpunkt für den LT155: 13.000 Mark.

Daten von A nach B bringen

Ohnehin werden auch Projektoren mit immer mehr technischen Finessen ausgestattet. Epson füttert Projektoren wie den EMP-8150 mit einer Software, die ihn für Konferenzschulungen fit macht. Die Lösung heißt Easy MP.net und bindet Projektoren in IT-Netzwerke ein. 'Der Schulungsleiter sitzt in Asien und sendet die Präsentation an Mitarbeiter in der ganzen Welt', erklärt ein technischer Berater von Epson mögliche Anwendungen, bei denen beliebig viele netzwerkfähige Projektoren sowie PCs miteinander kommunizieren können. Der EMP-8150 soll spätestens im zweiten Quartal 2001 für unter 30.000 Mark erhältlich sein.

Ebenfalls per Funk werden Daten durch die Innovation Bluetooth übertragen. Bluetooth soll alle Geräte miteinander kommunizieren lassen, die mit Strom arbeiten. Entwickelt wurde das Verfahren von den Firmen Ericsson, IBM, Intel, Nokia und Toshiba, die dafür bereits 1998 ein Konsortium gegründet haben. Einen Prototyp im Bereich DLP-Projektoren hat Toshiba fertig gestellt: Die Bluetooth-Technologie wurde in einen TLP-B2 Projektor eingebaut, der nun drahtlos Bilder von einem Computer empfangen kann. 'Ein Modem ist so schnell wie ein Fahrrad, ISDN wie ein PKW, Bluetooth rast wie ein Militärflugzeug mit vollem Nachbrenner' verbildlicht die Produktbeschreibung die Geschwindigkeit der Datenübertragung per Funk. Das Verfahren soll laut Toshiba künftig Distanzen von 150 Metern überbrücken und macht auch vor Wänden nicht halt. Wann genau die Produkte marktreif sein werden, weiß auch Toshiba nicht. Bereits in der Vergangenheit habe es immer wieder Terminverschiebungen gegeben.

Bevor Bluetooth Wirklichkeit ist, muss Analoges erst einmal digitalisiert werden. Zum Beispiel mit dem neuen Dokumentenscanner Presentation Assistant PR-200 S. Eine Dokumentenkamera oder ein zusätzlicher Overheadprojektor ist bei der Präsentation nicht mehr nötig, verspricht Canon mit seiner Neuvorstellung. Der Scanner sieht aus wie ein flaches Faxgerät und hat einen Anschluss für Videoprojektoren. Vorlagen im DIN-A4-Format werden innerhalb von acht Sekunden digitalisiert und können danach per Beamer projiziert werden. Das Gerät soll ab Oktober 2000 erhältlich sein. Kostenpunkt: 2.900 Mark. Besonderes Feature: das projizierte Bild kann per Knopfdruck gespiegelt werden, falls einmal ein Blatt falsch herum eingelegt worden ist.

Dass die Technik Fehler beim Bedienen ausmerzen kann, ist die eine Seite. Dass die Technik ohne den Menschen jedoch nichts ist, das ist die andere. So merken auch die Betrachter des Fußballspektakels im Breitformat schnell, dass irgendetws fehlt. Ja klar, der Kommentator, der zum Zuschauer spricht und die Präsentation mit Leben füllt.
Autor(en): (aen)
Quelle: managerSeminare 45, November 2000
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