Wissen

Zeit- und Selbstmanagement

Von Zeitdruck und Zeitsinn

Im 18. Jahrhundert waren weiße Händler und Missionare nur wenig in das Innere des heutigen Amerikas vorgestoßen und hatte noch kaum Kontakt zu den einheimischen Indianern. Wieder einmal wurde eine Handelsreise vom Ontariosee flußaufwärts langwierig vorbereitet und indianische Führer für das Unternehmen gewonnen. Alle versammelten sich in der Kirche des Ortes und als die Stunde des Aufbruchs geschlagen hatte, setzte sich der Zug langsam in Bewegung. Tag für Tag nahm die Eintönigkeit der beschwerlichen Reise ihren Lauf, wobei sowohl Weiße wie auch Indianer das merkwürdige, weil ihnen unbekannte Verhalten ihres Gegenübers kennenlernten. Als die Reisegesellschaft auf einen fremden Stamm traf, der noch nie zuvor Weiße gesehen hatte, erzählten die indianischen Führer diesen von den merkwürdigen Menschen: '... Die Weißen haben nur einen Gott, er trägt den Namen 'Häuptling TickTack' und sagt ihnen, was sie zu tun haben ...'
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Diese wahre Begebenheit zeigt, daß schon in früheren Zeiten die Abhängigkeit von der Uhrzeit auffällig war. Mit den Anfängen der abendländischen Zivilisation begann das geregelte Leben nach vorgegebenen Zeiten, welches sich dann schnell in eine systematische Selbstversklavung durch die Uhr wandelte. Die Begebenheit zeigt aber auch, daß dieses Verhalten bei Naturvölkern unbekannt ist, obwohl gerade sie sich an periodische Rhythmen wie Tag/Nacht, Jahreszeiten etc. anpassen müssen.

Doch sie befinden sich mit ihrem Denken und Fühlen im Einklang mit den natürlichen Zeiten, mit ihrem persönlichen inneren Rhythmus und ihren langfristigen Zielen (Jagd, Winterlager, Familie, kurz: Leben). Nun wird aber keiner abstreiten, daß sich mit höherer Zivilisation andere Ziele, mit komplexeren Gesellschaftsformen andere Anforderungen an den Einzelnen und mit wachsender Technik ganz andere Maßstäbe ergeben. Die Entwicklung zum modernen Industriestaat erzwingt geradezu mehr Betriebsamkeit und eine genaue Zeiteinteilung im zwischenmenschlichen Zusammenleben. Ohne Uhrzeit wäre aller Fortschritt und die heutige Lebensform des 20. Jahrhunderts nicht denkbar…
Autor(en): kzs
Quelle: managerSeminare 09, Oktober 1992, Seite 31-37
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