Für alle Fragen rund um unsere Webseite, unsere Medien und Abonnements finden Sie hier den passenden Ansprechpartner:
Übersicht Ansprechpartner
Beitrag von Christiane Lüschen-Heimer aus managerSeminare 331, Oktober 2025
Die Strategie ist die oberste Ebene organisationaler Steuerung. Scham auf dieser Ebene schützt damit auch die Würde der gesamten Organisation und Beschämungen, die hier stattfinden, wirken oft gesamtorganisational weiter. Scham auf strategischer Ebene kann beispielsweise daraus entstehen, dass der Führungsspitze eines Unternehmens sehr wohl bewusst ist, dass die Firma durch ihre Produktionsprozesse die Umwelt schädigt. Im ungünstigen Fall wird diese Scham dann aber nicht adressiert und bearbeitet, sondern führt mitunter zur Copingstrategie des „Greenwashing“. Statt echter Nachhaltigkeit wird Nachhaltigkeit simuliert, um die Zugehörigkeit zum Markt zu erhalten. Das wiederum kann zu einem Wertekonflikt führen, der mit Gewissensscham einhergeht – und wiederum weitere Copingstrategien im Unternehmen zur Folge haben. Womöglich wird versucht, die Gewissensscham durch autoritäre Führung zu kompensieren.
Aufbau- und Ablaufstrukturen dienen der Funktionalität der Organisation und koordinieren diese. Sie regeln Abläufe, Rollen, Zuständigkeiten. Werden in einer Organisation Prozesse beispielsweise beschleunigt, ohne dass Mitarbeitende dabei einbezogen und dafür fit gemacht werden, kann in diesen Prozessen ein Element der Beschämung liegen – Anpassungsscham. Auch wenn Kommunikationswege in der Organisation bestimmte Gruppen von Mitarbeitenden ausschließen oder wenn informelle Machtverhältnisse Entscheidungen zugunsten oder zu Ungunsten einiger Mitarbeitender beeinflussen, entsteht Beschämung.
Die Atmosphäre, die Gewohnheiten, der Umgangston – all das ist spürbarer Ausdruck organisationaler Kultur. In Zeiten des Homeoffice droht auf dieser Ebene beispielsweise das Verschwinden informeller Treffpunkte. Dies kann zur Vereinzelung und Vereinsamung der Mitarbeitenden führen. Ein Verlust von Zugehörigkeit droht und kann sich in Anpassungsscham äußern, also in Gedanken wie „Ich bin den anderen wohl nicht gut (jung/klug/ehrgeizig ...) genug“.