Tutorial
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Organisationale Beschämung erkennen

„Wie? Du gehst jetzt schon nach Hause?“ In manchen Firmen ist Beschämung Usus – etwa von Kolleginnen und Kollegen, die die reguläre Arbeitszeit einhalten. Nicht, weil dort missgünstige Menschen zusammenarbeiten, sondern weil die Organisation strategisch darauf setzt, Effizienzsteigerung durch Mehrarbeit zu erreichen. Tatsächlich hat Beschämung in Unternehmen ihren Ursprung oft dort, wo man sie nicht vermutet, etwa in der Strategie, den Strukturen, dem Regelwerk. Sie zeigt sich dort in unterschiedlicher, oft nicht direkt erkennbarer Form. Welche Felder Führungskräfte im Auge behalten sollten.

1. Die Strategie

Die Strategie ist die oberste Ebene organisationaler Steuerung. Scham auf dieser Ebene schützt damit auch die Würde der gesamten Organisation und Beschämungen, die hier stattfinden, wirken oft gesamtorganisational weiter. Scham auf strategischer Ebene kann beispielsweise daraus entstehen, dass der Führungsspitze eines Unternehmens sehr wohl bewusst ist, dass die Firma durch ihre Produktionsprozesse die Umwelt schädigt. Im ungünstigen Fall wird diese Scham dann aber nicht adressiert und bearbeitet, sondern führt mitunter zur Copingstrategie des „Greenwashing“. Statt echter Nachhaltigkeit wird Nachhaltigkeit simuliert, um die Zugehörigkeit zum Markt zu erhalten. Das wiederum kann zu einem Wertekonflikt führen, der mit Gewissensscham einhergeht – und wiederum weitere Copingstrategien im Unternehmen zur Folge haben. Womöglich wird versucht, die Gewissensscham durch autoritäre Führung zu kompensieren.

2. Die Strukturen

Aufbau- und Ablaufstrukturen dienen der Funktionalität der Organisation und koordinieren diese. Sie regeln Abläufe, Rollen, Zuständigkeiten. Werden in einer Organisation Prozesse beispielsweise beschleunigt, ohne dass Mitarbeitende dabei einbezogen und dafür fit gemacht werden, kann in diesen Prozessen ein Element der Beschämung liegen – Anpassungsscham. Auch wenn Kommunikationswege in der Organisation bestimmte Gruppen von Mitarbeitenden ausschließen oder wenn informelle Machtverhältnisse Entscheidungen zugunsten oder zu Ungunsten einiger Mitarbeitender beeinflussen, entsteht Beschämung.

3. Die Kultur

Die Atmosphäre, die Gewohnheiten, der Umgangston – all das ist spürbarer Ausdruck organisationaler Kultur. In Zeiten des Homeoffice droht auf dieser Ebene beispielsweise das Verschwinden informeller Treffpunkte. Dies kann zur Vereinzelung und Vereinsamung der Mitarbeitenden führen. Ein Verlust von Zugehörigkeit droht und kann sich in Anpassungsscham äußern, also in Gedanken wie „Ich bin den anderen wohl nicht gut (jung/klug/ehrgeizig ...) genug“.

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