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Beitrag von Carsten Schermuly aus managerSeminare 329, August 2025
Wer viel redet, steigt wahrscheinlich schneller auf. Dieser Effekt nennt sich in der Psychologie „Babble Hypothesis“. Die Babble- oder im hessischen Dialekt Babbel-Hypothese ist sehr gut belegt. In einer Metaanalyse einer Forschergruppe um die Organisationspsychologin Katie L. Badura aus dem Jahr 2018, in die über 1.000 Studien eingeflossen sind, lag die Korrelation zwischen der Beteiligung in Gruppendiskussionen und der Führungsemergenz bei .52 – was einen statistisch starken Zusammenhang anzeigt. Die Erklärungsansätze: Wer viel redet bzw. reden darf, der oder die wird sichtbar und bekannt in einer Gruppe. Zudem werden Vielredende als wichtiger und selbstbewusster wahrgenommen, und man schreibt ihnen mehr Motivation zu, führen zu wollen. Und last but not least traut man Menschen, die viel beitragen, eher zu, sich in einer (späteren) Führungsposition für die Gruppe einzusetzen.
In Diskussionen für Sprecherwechsel zu sorgen, ist ebenfalls recht deutlich mit Führungsemergenz verbunden. Gezeigt hat das etwa ein internationales Forschungsteam um den Hongkonger Psychologen Sik Hung Ng bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten. Die Wissenschaftler ließen Menschen in hierarchiefreien Dreier- und Vierergruppen über Homosexualität diskutieren. Wer dafür sorgte, dass verschiedene Personen zu Wort kommen, wurde von den anderen Teilnehmenden als besonders führungsstark wahrgenommen („Danke Benny, ich würde jetzt gerne einmal die Meinung von Martina hören.“).
Die eine Person sagt: „Wir müssen diesen Prozess dringend verändern, so kann es nicht weitergehen. Er ist viel zu langsam und zu teuer.“ Die andere: „Wir müssen einen neuen, besseren Prozess entwickeln, der uns schneller macht und hilft, Kosten zu sparen.“ Zwei inhaltlich gleiche Aussagen, nur das einmal auf einen negativen Ist-Zustand und einmal auf einen positiven Soll-Zustand fokussiert wird. Welche Person wird wohl eher für eine Führungsposition ausgewählt? Wahrscheinlich Letztere, weil sie als kompetenter und selbstbewusster wahrgenommen wird. Nachgewiesen haben den Zusammenhang zwischen der Ausrichtung und Intention der Botschaften, die man sendet, und Führungsemergenz unter anderem ein Forschungsteam um die US-Psychologin Elisabeth McLean in zwei Studien aus dem Jahr 2018