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Beitrag von Stefan Kühl aus managerSeminare 335, Februar 2026
Bei Veränderungsvorhaben lässt sich grundsätzlich bei drei verschiedenen Strukturtypen ansetzen, die es in jeder Organisation gibt:
Bei den Kommunikationswegen, die festlegen, wer im Unternehmen mit wem kommuniziert (u.a. Hierarchien, Mitzeichnungsrechte, Projektstrukturen). Hier setzen Moden an, die auf Hierarchieabbau und Abteilungsdurchlässigkeit abzielen (z.B. kollaborative Organisation, agile Organisation).
Bei den Programmen, die bestimmen, wann Entscheidungen als richtig gelten. Unterschieden wird hier nochmals zwischen Konditionalprogrammen (Orientierung an vorgegebenen Prozessschritten: „Wenn A passiert, dann mach B“) und Zweckprogrammen (Orientierung an vorgegebenen Zwecken, ohne dass die Art und Weise der Erreichung vorgegeben ist). Bei Programmen setzen Moden an, die vor allem auf die Veränderung von Prozessen abzielen. Moden wie Total Quality Management und Lean Management sehen den Segen eher in einer Konditionalprogrammierung. En vogue sind derzeit allerdings Konzepte, die auf Zweckprogramme setzen (etwa „Führung über Zielvereinbarung“ und „Objectives and Key Results“).
Beim Personal, über dessen Auswahl und Entwicklung beeinflusst werden kann, wie Entscheidungen in der Organisation getroffen werden. Hier setzen Managementkonzepte an, die Selbstentfaltung und Motivation betonen (etwa „Humanocracy“). Sie vertreten die Idee, dass eine Organisation nur dann funktionieren kann, wenn das Potenzial der Mitarbeitenden geweckt wird.
Organisationen haben grundsätzlich verschiedene Ebenen bzw. Seiten, auf denen Veränderungen greifen können – oder auch nicht:
Die Schauseite dient der Reputation der Organisation nach außen. Organisationen präsentieren stets eine möglichst attraktive „Fassade“, um auf diese Weise die Gunst von Kunden, Massenmedien und politischen Kräften zu gewinnen.
Die formale Seite meint die im Unternehmen offiziell gültigen Strukturen und Regeln, also die Erwartungen an die Organisationsmitglieder, über die formal entschieden worden ist.
Die informale Seite bezeichnet die tatsächlich gelebte Kultur: Welche gegenseitigen Erwartungen gibt es in der Organisation jenseits dessen, was offiziell vorgegeben ist?
Die Umsetzung von Managementmoden hat immer unmittelbare Wirkungen auf die Schauseite einer Organisation. Es erhöht beispielsweise die Reputation nach außen, wenn das Management erklärt, dass sich die Mitarbeitenden einer Organisation zukünftig weitgehend selbst organisieren werden. Diese Wirkung ist viel wert. Denn die Existenz von Organisationen hängt in vielen Fällen maßgeblich auch davon ab, dass ihre „Fassade“ hübsch ist. Der Anspruch vieler Managementkonzepte besteht allerdings darin, auch unmittelbar auf die Formalstruktur und die informale Seite der Organisation zu wirken. Doch wie stark eine Managementmode das tatsächlich schafft, ist von Organisation zu Organisation, aber auch von Konzept zu Konzept unterschiedlich: