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Die unerträgliche Leichtigkeit des Scheins

Trainer-Marketing

Von der Papierform her sind Trainer und Berater Leichtgewichte. Ihre Prospekt- und Mailingtexte sind schwammige Poesie, die mehr Sprachlosigkeit verrät, als sie signalisiert, man wüßte Antworten auf die real existierenden Probleme. Was ist das? Grobe Fahrlässigkeit? Oder geistiger Offenbarungseid? Warum wird beim Marketing so dilletiert? Bei den Inhalten gar der intellektuelle Null-Tarif gewählt?

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In jedem Menschen, wie man weiß, steckt ein wenig Schwachsinn. Und das ist jener Punkt, auf den clevere Werbeleute zielen. Auch Paul Schlunz, ein dynamischer Enddreißiger, hält sich für einen cleveren Werbemenschen. Schon von Berufs wegen. Seine Visitenkarte weist ihn nämlich als Namensgeber einer Firma für Unternehmensentwicklung aus. Worunter man sich nichts rechtes vorstellen kann. Bis man auf Nachfrage erfährt, er berate und trainiere Manager und Mitarbeiter in Sachen Führung, Teamentwicklung, Kundenorientierung, Kreativität. Halt alles, was man so braucht für den Unternehmenserfolg, heutzutage. Das gibt's von Schlunz auch als gedruckten Versprechens-Katalog, für die Akquise, die Presse, Tante Lina und Onkel Otto. Zwölfseitig, in Farbe. Auf hochglänzendem Karton. Was, um es gleich vorwegzunehmen, das Stärkste an seiner Branchenlyrik ist.

Was drin steht, hat man schon zu oft gelesen, und besser: daß alles schneller und gleicher geworden sei, vor allem der Wettbewerb. Und es daher auf die Mitarbeiter ankomme. Wenn die nur richtig in Form gebracht würden, mit der richtigen Strategie und den richtigen Programmen, hätte die Firma Erfolg ohne Ende. Gottlob fragte mich Autor und Herausgeber Schlunz nicht, wie mir sein Marketingwunder gefalle. Hätte ich ihm sagen sollen, was er da abgelassen habe, sei so gar nicht kundenorientiert und absolut nicht kreativ und ein wenig viel Schwachsinn? Und daß man diesen Schwachsinn wohl ganz schnell entsorgen wird?

Ein Spezl von mir, auch aus der Branche, wollte, daß ich ihm eine Info-Broschüre texte. Das Briefing war dürftig, konkret war nur: Bloß keinen großen Aufwand. Werblich knapp. Die wollen nicht viel lesen, sagte er. Ich wollte die Freundschaft nicht gefährden, gab vor, die nächsten Monate arg im Streß zu sein. Vielleicht war ich ein schlechter Freund…

Autor(en): Henry Joe Heibutzki
Quelle: managerSeminare 32, Juli 1998, Seite 34 - 41, 23532 Zeichen

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