Wissen

Telemanagement

Führen auf Distanz

Die Schreibtische sind leergefegt, Mitarbeiter nur am Telefon zu sprechen: So sieht Telearbeit für Vorgesetzte aus, die im Büro die Fäden spinnen. Kontrollblicke über die Schulter oder der Zuruf 'Können Sie mal schnell...' sind nicht mehr drin. Telemanager brauchen einen anderen Führungsstil. Wie aber funktionieren Kritik und Lob, Motivation und Leitung von Telearbeitern?
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Aktentasche geschnappt, Zeitung unter den Arm geklemmt, dann der Spurt Richtung Straßenbahn. Dieses Bild vom Beginn eines Arbeitstages könnte bald der Vergangenheit angehören. Zumindest wenn sich fortsetzt, was Experten schon als Boom bei der Telearbeit bezeichnen. Über zwei Millionen Menschen arbeiten hier zu Lande nicht mehr ausschließlich im Büro, sondern auch teilweise Zuhause oder von unterwegs, so eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens empirica GmbH, Bonn.

'Management über Zielvereinbarungen' heißt das Modell zum Führen von Telearbeitern. Neu ist es jedoch nicht: Unter dem Namen 'Management by objectives' (MBO) wird es schon seit langem als zukunftsweisendes Führungsmodell gehandelt. Statt anfallende Arbeiten kurzfristig zu verteilen, legt die Führungskraft beim MBO Ziele der Mitarbeiter langfristig genau fest. Danach entscheidet der Angestellte selbst, wie, wo und wann er arbeitet. Vom Telemanager erfordert dies ein großes Maß an Vertrauen. Schliesslich muss er dem Mitarbeiter zutrauen, dass dieser die ihm gestellten Aufgaben zuverlässig und selbstständig erfüllt.

Mit der Umstellung auf Zielvereinbarungen allein ist es jedoch nicht getan. Die gesamte Führungskultur muss an die Telearbeit angepasst werden. Beispiel Arbeitsorganisation: 'Die Telearbeiter sollten regelmäßig im Unternehmen präsent sein', empfiehlt Eberhard Will von der Firma projectpartner management, Mannheim. Viele Unternehmen setzen deshalb auf das Modell der alternierenden Telearbeit, bei der die Heimarbeiter bis zu drei Tage pro Woche im Büro verbringen. So soll der Vereinsamung in den eigenen vier Wänden vorgebeugt werden.

In vielen Unternehmen gilt MBO offiziell schon lange als der Managementstil der Wahl. Praktiziert wird er freilich noch nicht. Die meisten Firmen handeln immer noch nach dem Stechuhrprinzip. 'Telearbeit erzwingt jetzt jene Dinge, die das Unternehmen ohnehin verändern wollte', ist sich Werner Zorn Projektleiter Telearbeit bei IBM Deutschland sicher. Ein Beispiel liefert sein eigenes Unternehmen: Wegen der vielen Teleworker wurde die Zeiterfassung abgeschafft – auch in Abteilungen ohne Heimarbeiter. Führen über Zielverpflichtungen und Projektarbeit verbreiteten sich in der gesamten Organisation. Das Beispiel zeigt: Telearbeit modernisiert die Führungskultur. So wird das, was Telemanager leisten, zum Veränderungskatalysator für das gesamte Unternehmen.

Extras:
  • Info-Kasten: Die Anforderungen an einen Telemanager.
  • Info-Kasten: Aus dem Alltag eines Telemanagers.
  • Info-Kasten: Sieben Regeln für Teamaufbau und Teammanagement bei der Telearbeit.
  • Übersicht: Fünf Merkmale erfolgreichen Telemanagements
  • Marktübersicht: Sieben Seminaranbieter, die Arbeitnehmer auf die Telearbeit vorbereiten, und ein CBT zum Thema Telearbeit: Veranstalter, Preise und Termine.
Autor(en): Constantin Gillies
Quelle: managerSeminare 42, Mai 2000, Seite 30-36
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