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Karrierehürde Herkunft

Soziale Diversität

Über das Thema Diversität wird derzeit viel diskutiert. Vor allem darüber, dass es nach wie vor nur wenige Frauen in die oberen Führungsetagen schaffen. Worüber allerdings so gut wie gar nicht gesprochen wird: Die soziale Herkunft erweist sich oft als noch höhere Karrierehürde als das Geschlecht, die Nationalität oder das Alter. Aber auch die kann genommen werden. Mit Willensstärke und Weiterbildung.


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Wenn es um den sozialen Aufstieg geht, versteht sich Tiemo Kracht durchaus als Role Model: Der Sohn einer alleinerziehenden Mutter, die als Verkäuferin arbeitete, absolvierte sein Abitur als Jahrgangsbester. Sein Studium finanzierte er durch eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter, als erster in seiner Familie erreichte er einen akademischen Abschluss. Für seine Promotion in den USA erhielt er ein Stipendium. Nach dem Berufseinstieg ließ die erste Führungsposition nicht lange auf sich warten, mehrere in Industrie und Beratung folgten. Kracht ist jetzt 47 Jahre alt – und Geschäftsführer der Kienbaum Executive Consultants GmbH. Auf seinen Werdegang ist er stolz. Zu Recht.

Der soziale Aufstieg ist nämlich ebenso beschwerlich wie selten, wie zahlreiche Studien zeigen. So hat etwa das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) hochgerechnet: Weniger als ein Prozent der Bevölkerung schafft es aus einem Elternhaus, in dem der Vater ungelernter Arbeiter ist, in eine leitende Angestelltenposition. Dagegen werden zwei Drittel der Kinder von leitenden Angestellten selbst leitende oder zumindest hochqualifizierte Angestellte. 'In kaum einem anderen Industrieland ist die Durchlässigkeit der Gesellschaft so gering ausgeprägt wie in Deutschland', heißt es in der im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung durchgeführten Untersuchung.

Eine Aussage, die Michael Hartmann, Soziologieprofessor an der TU Darmstadt, sicher sofort unterschreiben würde. Im Rahmen seiner Elitestudien, die er regelmäßig durchführt, hat er ermittelt: Jeder zweite der Vorstandschefs der 200 größten deutschen Unternehmen hat großbürgerliche Wurzeln, stammt also von Unternehmern, Vorständen oder Geschäftsführern ab. Jeder dritte kommt aus dem Bürgertum, die Eltern sind leitende Angestellte oder Ärzte.

Extras:

  • Chancengleichheit fördern: Was Personalentwickler tun können
  • Literaturtipps: Kurzrezension eines Buchs über Aufstiegschancen in Deutschland und Hinweis auf einen Fachartikel über Diversity Management

Autor(en): Andrea Bittelmeyer
Quelle: managerSeminare 175, Oktober 2012, Seite 74 - 78 , 17613 Zeichen

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