Management

Sinn und Unsinn von Managementmoden
Sinn und Unsinn von Managementmoden

Nützliche Illusionen

Modeopfer gibt es nicht nur in der Fashionwelt, sondern auch im Management. Ob Agiles Management, holakratische Organisationsmodelle oder Objectives and Key Results: Unternehmen greifen gern zu solchen im Trend liegenden ­Konzepten. Dafür hagelt es häufig Kritik. Aber sind Managementmoden ­wirklich so schädlich, wie ihre Kritiker behaupten? Stefan Kühl vertritt eine andere Position. Dem Organisationssoziologen zufolge erfüllen Managementmoden im Kontext organisationaler Veränderung durchaus wichtige Funktionen. Man sollte nur wissen, welche.

Preview

Ansteckungsgefahr: Was Managementmoden mit anderen Moden gemein haben

Sogkraft: Warum Managementmoden für Organisationen attraktiv sind

An der Realität vorbei: Wieso der unreflektierte Einsatz von gehypten Managementkonzepten problematisch sein kann

Unerwarteter Nutzen: Was Managementmoden für Organisationen funktional macht

Reflektierter Einsatz: Was Führungskräfte bedenken sollten, wenn sie angesagte Managementkonzepte aufgreifen


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Managementmoden gibt es wie Sand am Meer: agiles Management, lernende Organisation, Lean Administration, Spiraldynamiken, dynamikrobuste oder schlanke Unternehmen ... Die Konzepte kommen und gehen mit großer Geschwindigkeit – und ebenso regelmäßig geraten sie in die Kritik. Häufig lautet der Vorwurf: zu simpel, voller innerer Widersprüche, schlecht empirisch unterlegt, nicht mehr als ein aufgepeppter Remix älterer Ideen. Weil es ein Leichtes ist, die Schwächen in vielen Managementkonzepten mit geringer Halbwertszeit zu entlarven, hat sich mittlerweile ein eigenes Genre dafür etabliert: Es ist zur Mode geworden, Managementmoden zu kritisieren.

Aus einer abgeklärten Praktikerperspektive ist allerdings die Kritik am Modehype ebenso unbefriedigend wie der Hype selbst. Denn einerseits reicht schon ein wenig Organisationserfahrung, um nicht in Begeisterungsstürme zu verfallen, wenn unter Labeln wie Agilität, Exzellenz oder Kultur eine neue Sau durchs Managementdorf getrieben wird. Andererseits weiß man, dass man sich den angesagten Moden nur schwer entziehen kann. Das muss aber gar nicht so problematisch sein, wie die Modekritik suggeriert. Denn Managementmoden können einen Nutzen für Unternehmen haben. Nur ist der anders gelagert, als ihre Fans es propagieren. Um das zu verstehen, muss man sich zunächst vergegenwärtigen, was Managementmoden – oder, in der allgemeineren Formulierung, Managementkonzepte – eigentlich sind. Und was ihren besonderen Reiz für Organisationen ausmacht.

Sogwirkung zwischen Alarmismus und Erlösung

Managementkonzepte sind Systeme aus Annahmen und Prinzipien, die versprechen, Organisationen besser für die Zukunft auszurichten. Ihr Erfolg basiert – wie bei allen Moden – auf sozialer Ansteckung. Speaker, Beratende und Weiterbildende mischen bei diesem Ansteckungsprozess kräftig mit. Sie verbreiten die Ideen in Büchern und auf Konferenzen, interpretieren sie weiter, übersetzen sie in Schulungskonzepte und bieten Firmen ihre Dienste bei der Implementierung an. Mit der Zeit wird der soziale Druck auf Organisationen, bei der aktuellen Mode mitzumischen, oft so stark, dass sie sich rechtfertigen müssen, wenn sie nicht „mit der Mode“ gehen. Gleichzeitig reichern sie die Konzepte mit eigenen Ideen an, sodass Varianten entstehen. Oft verlängert das die Lebensdauer eines Trends; Managementmoden sterben selten abrupt, typischer ist ein langsames Dahinsiechen. Doch irgendwann ist der Sättigungsgrad erreicht, und eine neue Mode löst die alte ab. Ob es sich bei einer Managementkonzeption um eine vergängliche Mode handelt oder doch eher um ein zeitloses Managementprinzip, lässt sich freilich erst aus zeitlicher Distanz beurteilen.

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