Management

Sexuelle Belästigung

'Büromiezen'- oder: Die ganz normale Anmache

Der Klaps auf den Po oder die 'versehentliche' Körperberührung - erst da beginnt für viele Männer die sexuelle Belästigung ihrer Kolleginnen. Daß aber Frauen beim Zuhören frauenfeindlicher Witze oder dem Ansehen pornographischer Bilder bereits mehr als peinlich berührt sind, das wird oft nur hämisch grinsend zur Kenntnis genommen, oder gar als prüde seitens der Männerschaft abgetan. Ein Gesetz zum Schutz vor sexueller Belästigung soll hier endlich Einhalt gebieten.
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Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, ein Stichwort, bei dem Frauen bitter auflachen. Kaum eine, die keine Geschichte zu erzählen wüßte. An den Chef, der laut in den Schreibsaal rief: 'Dich vögel ich auch noch!' erinnert sich eine selbstbewußte Stenotypistin, die inzwischen längst in Rente ist, noch heute. 'Da kannst du lange warten!' war zwar damals ihre Antwort. Doch trotz des gewonnenen Wortwechsels fügt sie hinzu: 'Man wurde als Frau an die Wand gedrückt. Keine Frau wagte, sich zu wehren.' Lange her? Erst 1983 fragte ein Mitarbeiter seine Kollegin nach einer Operation, ob sie schon wieder Sex haben könne. Sie war sprachlos. Beispiel 3: Ein Berufsschullehrer in einer Industriestadt am Bodensee erzählt von jungen Frauen, die nach der Lehre nur dann übernommen werden, wenn sie mit dem Meister ins Bett gehen. Alle wissen es, keiner will es merken.

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz - was ist das eigentlich? Ganz sicher die Erpressung der Lehrmädchen. Aber sonst? Gewollt-ungewollte Berührungen? Zotige Witze? Pornobilder? Sexuelle Anspielungen? Es gibt eine einfache Antwort: Alles, was die Frau nicht will. Männer sind empört. Dann könnten Frauen ja glatt alles als Belästigung auslegen. Und dennoch ist eine solche Definition im täglichen Leben ganz und gar üblich. Die individuellen Grenzen von Menschen herauszufinden und zu respektieren, das ist alltägliche Lebensklugheit…
Autor(en): Irmgard Sollinger
Quelle: managerSeminare 16, Juli 1994, Seite 90-92
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