Für alle Fragen rund um unsere Webseite, unsere Medien und Abonnements finden Sie hier den passenden Ansprechpartner:
Übersicht Ansprechpartner
Beitrag von Henning Beck aus managerSeminare 321, Dezember 2024
Das Jahr 2012 war das Jahr der Schokoladenstudien. Es begann mit einer meiner Lieblingsstudien, als die BBC News titelte: „Chocolate may help keep people slim.“ Endlich mal eine Untersuchung mit konkretem Nutzen: Bei über 1.000 Testpersonen aus San Diego hatte man festgestellt, dass ein übermäßiger Schokoladenkonsum mit einem niedrigeren Body-Maß-Index einherging. Im Kleingedruckten der Studie fand sich noch der Hinweis, dass bloß eine Korrelation, keine Kausalität, gemessen wurde. Aber die Meldung war in der Welt. „Schokolade macht zumindest nicht dicker“, fasste das Wall Street Journal diese Studie zusammen.
Nicht viel später wurde es noch besser, als eine Studie zeigte: Schokoladenkonsum geht auch mit einer größeren Wahrscheinlichkeit einher, einen Nobelpreis zu bekommen. Grundgütiger, Schokolade macht also nicht nur dünn, sondern auch schlau! Das ist viel zu schön, um nicht wahr zu sein, denn angeblich seien die Inhaltsstoffe der Schokolade daran schuld, dass das Gehirn besser durchblutet und schlauer würde. Dazu passte dann auch die Folgestudie, die sich die Nobelpreisträgerdichte verschiedener Länder noch mal genauer vornahm. Siehe da: Die Zahl der Nobelpreisträger in einem Land korrelierte verblüffend mit der Anzahl der Ikea-Läden in derselben Region. Errichtet Ikea seine Läden nur in Ländern mit vielen Nobelpreisträgern? Oder ist es andersrum: Das permanente Aufbauen von Ikea-Regalen schult das räumliche Denken so sehr, das letztlich nur eine Konsequenz bleibt: der Nobelpreis.
Sie merken schon: Man kann mit genügend Daten komplett beliebige Zusammenhänge konstruieren. Weil es heute sehr viel mehr Daten als früher gibt, finden sich auch mehr willkürliche Korrelationen, die uns den Blick auf die Wahrheit erschweren. Denn das Problem ist: Aus einer bloßen statistischen Beobachtung können Sie prinzipiell Ursache und Wirkung nicht auseinanderhalten. Es wird ja nicht jeden Abend dunkel, weil die Tagesschau im Fernsehen läuft.
Menschen sind dennoch dazu in der Lage. Dazu ist es im ersten Schritt wichtig, mit den Dingen zu hantieren. Kleinkinder begreifen, dass eine Kugel eine andere vom Tisch stoßen kann, weil sie die Kugeln vorher begriffen haben. Unterbindet man das, verstehen sie nicht, wie Kugeln aneinanderstoßen können. Natürlich fassen wir als Erwachsene die Dinge nicht mehr permanent an, das ist auch nicht nötig, denn zum zweiten können wir abstrahieren: Wir simulieren gedanklich, der Verursacher für etwas zu sein. Man stellt sich also vor, die Sonne zu sein, die Energie zur Erde schickt. So verstehen wir, dass die Sonne die Erde aufheizt.
Wichtig ist dabei, dass Menschen selbst aktiv werden müssen, wenn sie etwas verstehen wollen. Ein Verständnis für die Welt entsteht hingegen nicht, wenn man passiv mit Informationen überschüttet wird. Nur das aktive Ausprobieren, das Testen, das Hinterfragen von Dingen löst letztlich ein Verständnis für Ursache und Wirkung aus. Wer will, dass die Menschen verstehen und nicht nur einen Test bestehen, muss sie daher aktivieren. Wir trainieren viel zu selten, Hypothesen aufzustellen und diese anschließend zu testen. Stattdessen servieren wir Menschen fertige Erklärungen und wundern uns dann, dass sie nicht kapieren, warum sich manche Dinge verhalten, wie sie es tun. Wir müssen vielmehr selbst aktiv werden, Schokolade essen und dabei Ikea-Regale aufbauen. Vielleicht hilft es ja doch.
Sie möchten regelmäßig Beiträge des Magazins lesen?
Für bereits 10 EUR können Sie die Mitgliedschaft von managerSeminare einen Monat lang ausführlich testen und von vielen weiteren Vorteilen profitieren.