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Beitrag von Henning Beck aus managerSeminare 330, September 2025
Neulich musste ich in meinem Supermarkt ein neues Speiseöl kaufen. Was ich nicht wusste, dass heutzutage selbst simple Kaufentscheidungen zu einer Wissenschaft geworden sind. Denn in meinem Supermarkt gibt es (jawohl, ich habe nachgezählt) 296 verschiedene Sorten Öl. Wie soll ich nur das beste finden? Alle durchzuprobieren ist völlig unmöglich. Nach dem 25. Öl ist mein Mund völlig überölt – und weiß ich nach dem 159. Öl noch, wie das 78. Öl geschmeckt hat?
Das große Missverständnis unserer Konsumgesellschaft besteht darin, dass wir dachten, mit zunehmenden Auswahlmöglichkeiten werden wir glücklicher. Schließlich sollte man in einem reichhaltigen Angebot das finden, mit dem man wirklich zufrieden ist. Heute leben wir, zumindest hierzulande, in einer Welt des Überflusses. Doch viel glücklicher sind Menschen damit in den vergangenen Jahren nicht geworden. Denn wer die Wahl hat, hat die Qual. Ein Phänomen, das man Auswahlüberlastung nennt, weil wir erstens gar nicht die Kapazitäten haben, alle möglichen Optionen durchzuspielen und miteinander zu vergleichen. Zum zweiten sind wir unzufrieden, weil man sieht, was einem entgeht. Wenn ich alle Alternativen zu meiner Entscheidung kenne, dann ärgere ich mich später, dass ich nicht doch zu einer anderen Option gegriffen habe.
Früher gab es ein paar Dutzend TV-Programme und man war daran gewöhnt, zu warten, bis die Lieblingssendung kam. Heute habe ich die Auswahl aus über 7.000 Videoangeboten bei Netflix und 5.000 Sendungen bei Amazon. Zufriedener macht mich das nicht, denn ich verbringe umso mehr Zeit damit, das beste Angebot zu finden.