Wissen

Rollenwechsel

Gestern Kollege - heute Vorgesetzter

Wer an seinen Kollegen vorbeizieht und auf dem Chefsessel landet, hat es oft nicht leicht: Von Neid über Sticheleien bis hin zu Arbeitsverweigerung reichen die Reaktionen der ehemaligen Kollegen. Ob sich der frischgebackene Vorgesetzte in seiner neuen Rolle behaupten kann, hängt vor allem von ihm selbst ab. managerSeminare zeigt, wie der Rollenwechsel gelingt.
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Startschwierigkeiten bereite den frischgebackenen Chefs vor allem das Bekenntnis zur Macht, beobachtet die Hamburger Managementtrainerin Doris Hartmann: 'Schließlich ist mit der Personalverantwortung auch die Entscheidung über Gehälter und Beförderungen verknüpft. Das muß der neue Vorgesetzte seinen ehemaligen Kollegen unmißverständlich klarmachen.' Unangebrachte Bescheidenheit provoziere Neider eher zu hintergründigen Attacken, weiß die Managementtrainerin. Wer aus den eigenen Reihen nach oben kommt, sollte auf keinen Fall darauf hoffen, daß alles beim alten bleibt', warnt Trainerin Hamann. Vor allem diejenigen, die bei den Ex-Kollegen besonders beliebt waren, sollten sich Klarheit über ihre veränderte Rolle als Vorgesetzte verschaffen.

In den meisten Großunternehmen ist die sogenannte Kaminkarriere allerdings nicht der übliche Weg nach oben. 'Jobrotation ist bei uns ein fester Bestandteil der Personalentwicklung', erklärt Kurt Schmahl, Leiter Personal- und Organisationsentwicklung bei der Audi AG in Ingolstadt. 'Mindestens zwei bis drei unterschiedliche Tätigkeiten sollte ein Mitarbeiter mit 35 bis 40 Jahren ausgeübt haben, bevor er ins Management berufen wird.' Um sich Respekt zu verschaffen, müsse der Neue dann allerdings von Anfang an Flagge zeigen und eine eigene Linie fahren.

Es sind aber keineswegs immer nur ehemalige Kollegen, die dem Aufsteiger das Leben schwer machen. Immer häufiger werde auch 'von oben nach unten' gemobbt, weiß Dagmar Kohlmann-Scheerer. Seit gut sechs Jahren veranstaltet die Personaltrainerin aus München Seminare zum Thema 'Gestern Kollege - heute Vorgesetzter'. 'In den oberen Etagen laufen die Attacken allerdings subtiler ab', erläutert sie. Etwa wenn der Neuling mit zu einer Sitzung der Führungscrew eingeladen und dort überraschend mit Fragen konfrontiert wird, die er nicht beantworten kann: 'Das müßten Sie doch wissen, Herr Hinterhuber', sagt dann ausgerechnet der vermeintliche Ziehvater, der ihm die entsprechenden Informationen bewußt vorenthalten hat.

Angehende Chefs können sich nach Ansicht von Management-Trainer Dr. Arnold Kitzmann aus Münster am besten vorbereiten, indem sie sich Klarheit über die eigenen Stärken und Schwächen verschaffen sowie Verständnis für die Bedürfnisse und Schwächen der Mitarbeiter entwickeln. Vor allem müsse sich der neue Chef davor hüten, in Psychospielchen einzusteigen, rät Hamann: Einige Mitarbeiter mimen das 'Opfer', andere spielen den 'Retter' und tun sich mit vermeintlich freundschaftlichen Ratschlägen hervor, am unangenehmsten seien jedoch die neidischen Ex-Kollegen in der Rolle der 'Verfolger', die eine feine Spürnase für Fehler entwickeln. Hamanns Tip: 'Geben Sie sich keine Blöße, grenzen Sie sich ab und steigen Sie nie als Mitspieler in solche Situationen ein.'
Autor(en): Dagmar Sobull
Quelle: managerSeminare 38, September 1999, Seite 50-57
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